Die Camino-Therapie – Finde deinen Weg

02.07.2026

Ich bin dann mal im Kino: Nicht schon wieder ein Jakobsweg-Film! In DIE CAMINO-THERAPIE – FINDE DEINEN WEG von Yann Samuell wird die dreimonatige Wanderung zur richterlich verordneten Bewährungsprobe. Doch was im französischen Sozial- und Rechtssystem offenbar funktioniert, muss nicht unbedingt auf der großen Leinwand erfolgreich sein…

Die Lehrerin Fred (Alexandra Lamy) hatte im Affekt eine Schülerin geohrfeigt und wurde vom Dienst suspendiert. Auch privat läuft es nicht rund: Ihr Mann will die Scheidung, und ihre Tochter entfremdet sich immer mehr von ihr. Auf der Suche nach neuen Aufgaben tritt sie einem Verein bei, der sich um die Resozialisierung von straffällig gewordenen Jugendlichen kümmert.

Eines dieser Sorgenkinder ist Adam (Julien Le Berre), der seiner Vergangenheit aus Pflegeheimen, Schulverweisen und Jugendhaft um jeden Preis zu entkommen versucht. Als er wieder einmal vor Gericht steht, erhält er eine einmalige Chance, die drohende Haftstrafe zu vermeiden. Er muss sich nur bereit erklären, bei einer betreuten Wanderung in drei Monaten Santiago de Compostela zu erreichen. Knast oder Blasen an den Füßen – das muss sich Adam nicht lange überlegen.

Als Begleiterin wird ihm Fred zugewiesen, die neugierig, aber auch ein bisschen nervös ihren neuen Job als Sozialarbeiterin annimmt. Auf ihrer Zugreise nach Südfrankreich knüpfen sie erste zögerliche Kontakte und merken schnell: Zwischen ihnen liegen Welten. Also müssen sie sich irgendwie zusammenraufen, denn der Weg ist lang und strapaziös.

Am Zielbahnhof angekommen, heißt es nun: Rucksack auf die Schultern und los. Was folgt, sind die wohl allen bekannten Phänomene auf dem Jakobsweg: Blasen an den Füßen, Schmerzen in den Beinen, schlechtes Wetter, überfüllte Unterkünfte – und die schier unüberwindlichen Pyrenäen. Der extrem aggressive Adam merkt bald, dass er in der toughen Fred eine ebenbürtige Gegnerin hat. Auf ihrer Wanderung lernen sie die junge Estella (Maëlle Vidou) kennen, die trotz Beinprothese tapfer bis Santiago durchhalten will. Und diese ungewöhnliche Begegnung öffnet Adam die Augen.

Leider darf eine Sequenz nicht unerwähnt bleiben: Als Fred und Adam eines Nachts bei strömendem Regen noch immer kein Quartier gefunden haben, klopfen sie in ihrer Verzweiflung an eine Klosterpforte – und werden eingelassen. Sie dürfen im Refektorium mit den Mönchen speisen und anschließend mit ihnen musizieren. Während die Männer Schuberts „Ave Maria“ intonieren, ist es Adam gestattet, dazu improvisierend zu rappen. Ich habe im Kino selten etwas so Dämliches gesehen!

Man spürt, was Regisseur Yann Samuell, der auch das Drehbuch schrieb, im Sinn hatte – doch DIE CAMINO-THERAPIE – FINDE DEINEN WEG bleibt irgendwo auf dem Wanderweg stecken. Das französische Kino ist bekannt für seine Feelgood-Movies mit Sozial-Touch. Doch dieser Film hat mich nicht überzeugt – der pädagogische Zeigefinger ragt dabei allzu deutlich ins Bild.

Immerhin: Vielleicht ist es ja für Fred und Adam der Beginn einer wunderbaren Freundschaft!

Trailer

ab12

Originaltitel

Compostelle (Belgien / Frankreich 2026)

Länge

114 Minuten

Genre

Drama / Komödie

Regie

Yann Samuell

Drehbuch

Yann Samuell

Kamera / Bildgestaltung

Vincent Gallot, AFC

Darsteller

Alexandra Lamy, Julien Le Berre, Maëlle Vidou, Eric Metayer, Malik Amraouj, Mélanie Doutey

Verleih

Plaion Pictures GmbH

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