Er gilt inoffiziell als der erste „Blockbuster“ der Filmgeschichte – der Action-Kracher DER WEISSE HAI, mit dem 1975 der damals noch sehr junge Regisseur Steven Spielberg seine Weltkarriere einleitete. In der Reihe „Best of Cinema“ kommt dieser Thriller über einen unfreundlichen Meeresbewohner noch einmal auf die großen Kinoleinwände – und zwar nur am 5. August. Nicht verpassen!
Die Polizistenfamilie Brody ist aus dem hektischen New York auf die idyllische (fiktive) Atlantikinsel Amity gezogen, wo Martin Brody (Roy Scheider) zum Chef der örtlichen Polizei befördert wurde. Doch schnell entpuppt sich der Sonne-Sand-und-Strand-Job als viel anspruchsvoller als ursprünglich gedacht. Kurz vor dem Beginn der Haupt-Feriensaison um den US-Unabhängigkeitstag werden die Überreste einer Frauenleiche angespült. Der örtliche Stadtrat nebst dem ehrgeizigen Bürgermeister Vaughn (Murray Hamilton) beendet die Ermittlungen als Badeunfall mit Schiffsschraube schnell, damit keinerlei Panik unter den anreisenden Touristen ausbricht und die Presse die Geschichte ausschlachtet. Der wasserscheue Brody fügt sich, obwohl er den Verdacht hat, dass es sich um eine Hai-Attacke handeln könnte. Als am folgenden Tag zwei weitere Menschen ihr Leben verlieren, taucht der Meeresbiologe Matt Hooper (Richard Dreyfuss) auf und unterstützt Brodys Theorie. Leider ist der Stadtrat weiterhin nicht bereit, die Strände zu sperren oder den kauzigen Seebären Quint (Robert Shaw) nebst Fangboot anzuheuern. So färbt sich bald erneut das Wasser blutrot…
Er ist wieder da und hat von seiner original Bissfestigkeit nichts eingebüßt: DER WEISSE HAI wird 50 Jahre alt und ist bis heute noch immer das Nonplusultra aller Tierhorrorfilme, auch wenn der namensgebende Hauptdarsteller erst nach circa 80 Minuten das erste Mal auftaucht. Die Entstehungsgeschichte ist so legendär wie Peter Benchleys Roman, der dem Drehbuch zugrunde liegt. Universal Pictures hatten sich die Filmrechte für 150.000 USD (plus 25.000 USD für das Schreiben des Drehbuchs) gesichert. Dies war 1974 eine enorme Summe Geld für einen kaum bekannten Thriller-Autor. Auch die ursprüngliche Produktionssumme von 4 Mio. USD war für einen Film ohne einen Superstar in Badehose ein echtes Risiko. So überließ man dem damals kaum bekannten Steven Spielberg, der mit „Sugarland Express“ (1974) seinen ersten erfolgreichen Kinofilm abgeliefert hatte, die Regie des Films. Sein Debüt-Film „Duell“ (1971) wurde in den USA zuerst nur im TV ausgestrahlt. Er sollte vor allem junge Amerikaner ins Kino locken, insofern setzte das Regie-Genie auf Schauspieler, die zum Drehstart preiswert in der Gage waren. War Roy Scheider aus Nebenrollen in „Klute“ und „French Connection“ bekannt, hatte es Richard Dreyfuss durch „American Graffiti“ geschafft, die New-Hollywood-Regisseure zu beeindrucken. So setzte Robert Shaw, der nach „James Bond 007 – Liebesgrüße aus Moskau“ seine Leinwand-Durststrecke gerade als Bösewicht in „Der Clou“ beendet hatte, durch, dass sein Name auf allen Werbebannern zuerst genannt werden musste.
Doch, was so hoffnungsvoll begann, drohte einer der größten Reinfälle der Kinogeschichte zu werden. Typisch für Hollywood ging man davon aus, wer u. a. Lassie, Trigger, Fury und Flipper für die Auftritte vor der Kamera gezähmt hatte, der bekäme auch so einen großen Fisch dressiert. Diesen Irrtum versuchte man dann, über mechanische Haie auszugleichen, was zur teuersten Investition führte: Drei dieser Hai-Attrappen, die mit ihrer Technik leider alle in Salzwasser komplett versagten. Doch Spielberg zeigte, dass er nicht leicht aufgab, Budgetdruck und Not ihn umso erfinderischer machten. Das dritte Modell von „Bruce“, so der Spitzname des Hais, wurde um die Hälfte verkleinert und guckte fortan nur noch gefrässig mit dem Kopf aus dem Wasser. Die ganze Hai-Maschine ist eigentlich nie richtig zu sehen, die benutzten Hai-Aufnahmen und Attacken auf den Käfig wurden von den australischen Hai-Spezialisten Ron und Valerie Taylor vor der Küste Australiens gedreht und später geschickt in den Showdown des Films eingepasst. Da ihr Haikäfig viel kleiner war als der aus Hollywood, wirkt der attackierende Hai unter Wasser noch massiger und gefährlicher. Die damals schockierendsten Szenen auf der Leinwand waren geboren.
Spielberg selbst war zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem besten Weg zum Nervenzusammenbruch. Das Studio drohte die Produktion einzustellen, da anstelle der 4 Mio. bereits 7,5 Mio. in den Büchern standen. So vergab er den Auftrag für den Soundtrack zu „Jaws“, dem englischen Titel des Films, an den damals fast unbekannten John Williams. Der Komponist hatte den genialen Einfall, sich für das Leitmotiv zwei Noten aus Dvořáks 9. Symphonie zu leihen und entsprechend spektakulär neu abzumischen. Einer der berühmtesten ikonografischen Sounds der Welt entstand und machte Williams zum Weltstar sowie zum Haus- und Hofkomponisten von Spielberg.
In Deutschland brach die „Hai-Mania“ deutlich später aus. Während der Film in den USA und allen anderen englisch-sprechenden Ländern pünktlich zur Badesaison 1975 gestartet war und die Kinos füllte, aber die Strände doch deutlich leerte, mussten die Zuschauer in Deutschland auf die Vorweihnachtszeit warten, bis der gefräßige Fisch seine Leinwand-Runden zu drehen begann.
Der Hype war groß, neun Wochen lang führte der Film die deutschen Kinocharts an. Das globale Phänomen des Tier-Horrorfilms war geboren. In den kommenden Jahren folgten jede Menge fleischfressende Meeresbewohner, die hungrig Frauen in knappen Bikinis und Tauchern auf Kinoleinwänden nachstellten: „Orca“ (1977), „Barracuda“ (1978), „Piranhas“ (1978) und „Der weiße Hai 2“ (1978) – alles Kult-Klassiker, die aber nie die Qualität und Spannung des Originals erreichten. Autor Peter Benchley lieferte mit „Die Tiefe“ nochmals einen abenteuerlichen Unterwasserroman ab, der diesmal Schauspieler Robert Shaw 1977 im gleichnamigen Film den Showdown überleben lässt.
Und wer denkt, diese Fische gibt es ja glücklicherweise bei uns nicht, dank Klimawandel hat sich 2018 auch schon mal ein Weißer Hai vor die Küste der Niederlande verirrt und in der Urlaubs-Provinz Zeeland ein paar Mal seine Rückenflosse gezeigt. Glücklicherweise blieb es bisher bei der einen Sichtung!
Dann taucht mal ab und lasst euch vom Hai aller Haie so richtig Angst einjagen!
Die Event-Reihe „Best of Cinema“ bringt an jedem ersten Dienstag im Monat ein Meisterwerk, Klassiker oder Kultfilm zurück auf die große Leinwand – und das in mehr als 300 Kinos!
Die Termine und Filme der nächsten Monate:
02.09.2025: Walk the Line
07.10.2025: Sie leben
04.11.2025: Das Schweigen der Lämmer
02.12.2025: Charlie und die Schokoladenfabrik
Jaws (USA 1974)
120 Minuten
Action / Thriller
Steven Spielberg
Peter Benchley, Carl Gottlieb, basierend auf dem Roman von Peter Benchley
Bill Butler
Roy Scheider, Robert Shaw, Richard Dreyfuss, Lorraine Gary, Murray Hamilton, Carl Gottlieb, Jeffrey Kramer, Susan Backlinie, Jonathan Filley, Ted Grossmann, Chris Rebello, Jay Mello, Lee Fierro, Jeffrey Voorhees, Craig Kingsbury, Robert Nevin, Peter Benchley
Universal Pictures International Germany GmbH