Der verlorene Sohn

Kinostart: 21.02.2019

ab12 OT: Boy Erased (USA 2018)
Länge: 115 Minuten
Genre: Drama
Regie: Joel Edgerton
Drehbuch: Joel Edgerton
Darsteller: Lucas Hedges, Joel Edgerton, Nicole Kidman, Russel Crowe, Joe Alwyn, Flea, Britton Sear, Xavier Dolan, Troye Sivan, Madelyn Cline, Victor McCay, Théodore Pellerin, Cherry Jones, David Ditmore
Verleih: Universal Pictures International Germany GmbH

Der neunzehnjährige Jared (Lucas Hedges) wächst in einem Baptistenprediger-Haushalt in den amerikanischen Südstaaten auf. Als sein streng gläubiger Vater (Russell Crowe) von der Homosexualität seines Sohnes erfährt, drängt er ihn zur Teilnahme an einer fragwürdigen Reparativtherapie. Vor die Wahl gestellt, entweder seine Identität oder seine Familie und seinen Glauben zu riskieren, lässt er sich notgedrungen auf die absurde Behandlung ein. Seine Mutter (Nicole Kidman) begleitet Jared zu der abgeschotteten Einrichtung, deren selbst ernannter Therapeut Viktor Sykes (Joel Edgerton) ein entwürdigendes und unmenschliches Umerziehungsprogramm leitet. 

Kritik

Mit DER VERLORENE SOHN greift Regisseur Joel Edgerton ein kontroverses Thema auf, das vor allem in den USA immer noch ein Thema ist: Der Irrglaube, Homosexualität sei so etwas wie eine Krankheit und durch Therapien „heilbar“… 

Dass es besonders in der heutigen Zeit immer noch Menschen gibt, die davon überzeugt sind, dass sogenannte Reparativtherapien ein probates Mittel sind, ist eigentlich bereits schockierend genug. Gerade im sogenannten „Bibelgürtel“ der USA gibt es unfassbar viele Einrichtungen, die ernsthaft versuchen, die „Krankheit Homosexualität“ zu heilen. Joel Edgerton hat sich in seiner zweiten Regiearbeit nach „The Gift“ dieses Themas angenommen und einen Film abgeliefert, der unter die Haut geht. 

In der Hauptrolle glänzt wieder einmal Lucas Hedges, der gerade erst als drogensüchtiger Sohn von Julia Roberts in BEN IS BACK zu überzeugen wusste. Auch in DER VERLORENE SOHN beweist er erneut, warum er zu den besten Nachwuchsdarstellern unserer Zeit zählt. Die innere Zerrissenheit seiner Figur, die gar nicht so recht weiß, was sie angeblich falsch macht, dem Vater zuliebe aber diese Therapie antritt, bringt Hedges nahezu perfekt auf die Leinwand. 

Im Gegensatz zum thematisch ähnlich gelagerten Film THE MISEDUCATION OF CAMERON POST mit Chloe Grace Moretz in der Hauptrolle, bezieht Edgerton mit seinem Film aber deutlich Stellung und lässt keine Zweifel offen, was er von dem Vorgehen dieser Therapieeinrichtungen hält.

Mit DER VERLORENE SOHN ist Joel Edgerton ein eindrucksvoller Film gelungen, der gleichermaßen anklagt und aufklärt. Ein sehenswertes Stück Filmgeschichte.

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Filmplakat

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