Der Tod wird kommen

12.03.2026

Der deutsche Regisseur, Autor und Publizist Christoph Hochhäusler wandelt bei DER TOD WIRD KOMMEN stilvoll auf den Spuren von Jean-Pierre Melville („Der eiskalte Engel“) und zitiert dessen kühle, präzise Bildsprache. Eine Killerin soll im Auftrag eines legendären Gangsters einen riskanten Racheplan umsetzen – bis sie selbst zur Gejagten wird.

Charles Mahr (minimalistisch-melancholisch und großartig: Louis-Do de Lencquesaing) ist ein berüchtigter Gangster, der im Rotlichtmilieu von Brüssel agiert. Als sein Kurierfahrer Yann Diobe (Pitcho Womba Konga) von der luxemburgischen Polizei aufgegriffen wird, spitzt sich die Lage zu. Die Italiener wollen Geld, das Mahr nicht hat – und Yann wird kurz nach seiner Freilassung in seinem Hotelzimmer erschossen. Wer steckt dahinter? Mahr heuert die Auftragskillerin Tez (Sophie Verbeeck) an, die Licht ins Dunkel bringen soll. Auch sie verfängt sich in einem Netz aus Verrat und Machtspielen. Und Mahrs Widersacher De Boer (Marc Limpach) spielt ein undurchsichtiges Spiel. Welche Rolle hat Mahrs enger Vertrauter Zinedine (Mourade Zeguendi)?

Tez weiß bald nicht mehr, für wen sie eigentlich arbeitet. Und Mahr hat etwas zu verbergen. Nur eines ist sicher: DER TOD WIRD KOMMEN. Der Tod ist nämlich unausweichlich und evident in dieser Genre-Stilübung. Sophie Verbeeck ist als ermittelnde Killerin der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Wir begleiten sie als fast unwirkliche Gestalt durch den undurchsichtigen Plot, den Hochhäusler stilvoll-düster in Brüssel inszeniert, einer Stadt, die viele Kontraste aufweist, Prunkvolle Architektur und heruntergekommene Industriebrachen liegen nahe beieinander. Spannung kommt allerdings nicht auf, was zählt ist Atmosphäre.

Hochhäusler („Unter dir die Stadt“), der auch Gründer (seit 1998) und Mitherausgeber der Filmzeitschrift „Revolver“ ist, kennt natürlich die Filmhistorie:

Jean-Pierre Melville bezeichnete den Gangsterfilm treffend als „moderne Tragödie“ – ein Genre, das in seinen ritualisierten Formen tiefgreifende existenzielle Fragen aufwirft. Genau das reizt mich am Gangsterfilm, neben dem Spaß an den Formen und Figuren: wie direkt man vom „Schicksal“ sprechen kann, weil die Realismen des Gegenwartskinos nicht im Weg sind.

Und Hochhäusler („Die Lügen der Sieger“) ergänzt das klassische Gangsterkino durchaus zeitgemäß:

Ich sehe den Film nicht als ‚“Hommage“, sondern wollte das Genre ernst nehmen, in der Tradition des film polar arbeiten, ohne mich deshalb an Vorbilder direkt anzulehnen. Die stilistischen Experimente der letzten gemeinsamen Filme mit Kameramann Reinhold Vorschneider weichen hier einer Klassik, die der Fiktion Gravitas gibt. Ich habe große Freude an den Gesichtern und Körpern, an der Physis des Films. Blut, Staub und Schweiß. Figuren unter großer Anspannung. Eine stoische Frau gegen Männer ohne Nerven. Es sind die Menschen, die uns im Kino zur Aufmerksamkeit verführen – das gilt für diesen Film noch mehr als ohne hin.

Die modern-unterkühlte Filmmusik von Nigji Sanges unterstützt die Bildkompositionen von Reinhold Vorschneider kongenial. Hochhäuslers Kriminalpuzzle DER TOD WIRD KOMMEN ist elegant und detailverliebt – und bleibt bis zum Ende rätselhaft. Die Welt der Machtspiele und Intrigen, wo Verrat auf der Tagesordnung steht, übt schon eine gewisse Faszination aus. Das Rotlichtmilieu sowieso. Und um Sterblichkeit geht es schließlich auch. Zudem spielen zwei mysteriöse Frauen aus Mahrs Vergangenheit noch eine entscheidende Rolle. Und Erzfeind De Boer hat ebenso eine starke Frau im Nacken.

Trailer

ab16

Originaltitel

La Mort viendra (Belgien / Luxemburg / Deutschland 2024)

Länge

101 Minuten

Genre

Krimi / Thriller

Regie

Christoph Hochhäusler

Drehbuch

Christoph Hochhäusler, Ulrich Peltzer

Kamera / Bildgestaltung

Reinhold Vorschneider

Darsteller

Sophie Verbeeck, Louis-Do de Lencquesaing, Marc Limpach, Mourade Zeguendi, Nassim Rachi, Hilde van Mieghem, Delphine Bibet, Laura Sépul

Verleih

W-film Distribution

Filmwebsite

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