Der Tiger

18.09.2025

Ein Kollege war nach der Pressevorführung mit einem Urteil schnell bei der Hand: Der (Anti-)Kriegsfilm DER TIGER von Dennis Gansel ist „Apocalypse Now“ für Arme. Ziemlich krass – aber mit einem Körnchen Wahrheit.

Ostfront, 1943: Die fünfköpfige Besatzung eines deutschen Tiger-Panzers (David Schütter, Laurence Rupp, Leonard Kunz, Sebastian Urzendowsky und Yoran Leicher) wird auf eine geheime Mission weit hinter die hart umkämpfte Frontlinie geschickt. Nach einem Zwischenfall auf einer Brücke, den die Besatzung wie durch ein Wunder überlebt hat, geraten die Soldaten auf ihrem Weg nach Osten nicht nur immer tiefer in feindliches Gebiet, sondern müssen sich auch ihren eigenen Ängsten und Abgründen stellen. Aufgeputscht durch das Methamphetamin der Wahrmacht geht es für die jungen Soldaten bei diesem Himmelfahrtskommando nur noch ums nackte Überleben…

Man denkt natürlich sofort an den Spielberg-Kracher „Der Soldat James Ryan“ – doch bald merkt man: Der Bezug liegt woanders. Das Drehbuch von Dennis Gansel und Colin Teevan nutzt als Vorlage die Erzählung „Herz der Finsternis“ von Joseph Conrad. Und genau dieser Text diente auch Francis Ford Coppola als Modell für sein Vietnam-Epos „Apocalypse Now“, als man sich auf die Suche nach dem geheimnisumwitterten Colonel Kurtz alias Marlon Brando machte.

Jetzt wird klar: DER TIGER ist gar nicht so realitätsnah, wie der Film zu sein vorgibt. Hat man den Bezug zur Erzählung erst einmal begriffen, weiß man: Irgendwann – und wahrscheinlich sehr früh – verlässt der Film die reale Welt und wandelt sich zu einer Phantasmagorie, in der alles möglich ist. So war mir klar, als der Panzer endlich am Bunker ankommt, in dem sich die gesuchte Person aufhalten soll, dass hier garantiert eine Party gefeiert wird…

Abgesehen von dieser aufdringlichen symbolischen Ebene gelingt es Regisseur Dennis Gansel mit all seiner Routine, packende und actionreiche Kriegsszenen auf die Leinwand zu bringen. Das ist technisch aller Ehren wert. Und auch die jungen Akteure spielen sich die Seele aus dem Leib.

P. S. DER TIGER ist das erste deutsche Original der Amazon MGM Studios und läuft exklusiv in ausgewählten CineStar-Kinos, bevor der Film später in diesem Jahr bei Prime Video zu sehen sein wird.

Trailer

ab16

Originaltitel

Der Tiger (Deutschland 2025)

Länge

122 Minuten

Genre

Drama / Krieg

Regie

Dennis Gansel

Drehbuch

Dennis Gansel, Colin Teevan.

Kamera / Bildgestaltung

Carlo Jelavic

Darsteller

David Schütter, Laurence Rupp, Leonard Kunz, Sebastian Urzendowsky, Yoran Leicher, André Hennicke, Arndt Schwering-Sohnrey, Tilman Strauss, Alzbeta Malá, Yana Shevchenko

Verleih

Amazon MGM Studios

Filmwebsite

» zur Filmwebsite

Weitere Neustarts am 18.09.2025