Der Film der Woche

Der Sohn des Mullahs

13.06.2024

In ihrem Dokumentarfilm DER SOHN DES MULLAHS begleitet die schwedisch-iranische Regisseurin Nahid Persson Sarvestani den iranischen Journalisten Roohollah Zam, der im Exil in Frankreich gegen das iranische System kämpfte und dafür mit seinem Leben bezahlen musste…

Roohollah Zam stammt aus einer zutiefst klerikalen Familie. Bereits als Jugendlicher durfte er seinen Vater Mullah Mohammad-Ali Zam zu Treffen mit dem obersten Führer Khamenei begleiteten. Doch als er von Geldwäscheaktivitäten des Irans erfährt, wird er immer mehr zum Regimekritiker. Als es irgendwann für ihn zu gefährlich wird, flüchtet er ins Exil nach Frankreich und baut dort seinen Nachrichtensender Amadnews („Stimme des Volkes“) auf, um seine Landsleute darüber zu informieren, was in ihrem Land tatsächlich vorgeht. Nach Morddrohungen stellen ihn die französischen Sicherheitsbehörden zudem unter Schutz.

2019 sucht ihn die Regisseurin Nahid Persson Sarvestani nach langen Verhandlungen in seinem Versteck auf und begleitet sein Leben fortan mit der Kamera. Auch sie erhält daraufhin anonyme Morddrohungen. Trotz aller Vorsichtsmaßnamen gelingt es dem iranische Regime irgendwann, Roohollahs Netzwerk zu infiltrieren und sein Vertrauen zu gewinnen. Letztendlich wird er in eine Falle gelockt und in den Iran entführt. Es folgen 14 Monate Haft, die mit einem erzwungenen Geständnis und einem Schauprozess enden, der im Iran live im Fernsehen übertragen wird. Am 12. Dezember 2020 wird Roohollah Zam dann in Teheran hingerichtet.

Manche Geschichten sind so grausam, dass einem als Zuschauer die Worte fehlen. So ging es mir bei der Sichtung von DER SOHN DES MULLAHS. Besonders das Ende der Dokumentation mit den Bildern des erzwungenen Geständnisses sind nur schwer zu ertragen. Für alle Iranerinnen und Iraner ist die Botschaft der Hinrichtung glasklar: Niemand ist sicher. Nirgendwo. Noch nicht einmal der Sohn eines Mullahs.

Als Nahid Persson Sarvestani mit der Recherche zu ihrem Film begann, dachte sie noch, es würde eine Geschichte über mutige Journalisten im Exil werden. Sie war sich zwar den Risiken bewusst, aber sie hatte nie wirklich verstanden, welchen Gefahren Roohollah ausgesetzt war. Das verriet die Regisseurin in einem Publikumsgespräch im Hamburger Abaton-Kino, wo der Film im Rahmen des Tages der Pressefreiheit gezeigt wurde. Nach der Hinrichtung Roohollahs wurde der Film dann für sie zu einer sehr persönlichen Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit, die auch alte Wunden der Hinrichtung ihres Bruders wieder aufbrechen lässt.

Nach wie vor erhält Nahid Persson Sarvestani Morddrohungen, umso wichtiger ist es, dass DER SOHN DES MULLAHS jetzt in die deutschen Kinos kommt. Rund um den Kinostart am 13. Juni 2024 wird Persson Sarvestani in ausgewählten Kinos in Deutschland dem Publikum Rede und Antwort stehen. Die Termine dazu gibt es auf der Website des Verleihs Rise & Shine Cinema. Ich lege diesen besonderen Film jedem ans Herz, der sich auch nur annähernd für die Zustände im Iran interessiert. Bitte schaut diesen Film!

Trailer

ab12

Originaltitel

Son of the Mullah (Schweden 2023)

Länge

104 Minuten

Genre

Dokumentation

Regie

Nahid Persson Sarvestani

Drehbuch

Nahid Persson Sarvestani

Verleih

Rise And Shine World Sales UG

Filmwebsite

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