Der goldene Handschuh

Kinostart: 21.02.2019

ab18 OT: Der goldene Handschuh (Deutschland 2019)
Länge: 110 Minuten
Genre: Drama
Regie: Fatih Akin
Drehbuch: Fatih Akin, nach dem Roman von Heinz Strunk
Darsteller: Jonas Dassler, Margarethe Tiesel, Katja Studt, Marc Hosemann, Tristan Göbel, Uew Rohde, Hark Bohm, Victoria Trauttmansdorff, Adam Bousdoukos, Simon Görts, Dirk Böhling, Peter Badstübner, Lars Nagel, Grat Sophie Schmidt, Jessica Kosmalla, Martin Eitner-Acheampong, Barbara Krabbe
Verleih: Warner Bros. Entertainment GmbH

Hamburg-St. Pauli in den Siebzigerjahren: Auf den ersten Blick ist Fritz „Fiete“ Honka (Jonas Dassler) ein bemitleidenswerter Verlierer­typ. Seine Nächte durchzecht der Mann mit dem kaputten Gesicht in der Kiezkaschemme „Zum Goldenen Handschuh“ und stellt einsamen Frauen nach. Keiner der Stammgäste ahnt, dass der scheinbar harmlose Fiete in Wahrheit ein Monster ist. 

Kritik

Der neue Film des Hamburger Regisseurs Fatih Akin, DER GOLDENE HANDSCHUH spaltet die Kritiker hier auf der diesjährigen Berlinale wirklich gewaltig. Von „schlimm“ bis „Meisterwerk“ ist beinahe alles zu hören. Die Wahrheit liegt natürlich irgendwo dazwischen…

Wieder einmal ist Akin ein Film gelungen, der sich nicht problemlos einsortieren lässt. „Zu brutal“, sagen die einen, „zu inkonsequent“ die anderen – dabei hängt die Einschätzung natürlich auch klar davon ab, wie man an diesen außergewöhnlichen Film herangeht. 

„Ich wollte dem Serienmörder Fritz Honka seine Würde zurückgeben“, sagte Akin auf der Pressekonferenz direkt nach der ersten Pressevorführung. Natürlich kam prompt die Rückmeldung aus dem Publikum, ob so etwas überhaupt möglich sei, woraufhin der Regisseur ein wenig zurückrudern musste. Was er damit sagen wollte, war nämlich eigentlich, dass er auf Genre-typische Mittel verzichtet hat. Keine Rückblende auf eine schwere Kindheit, einen Missbrauch oder gar eine Vergewaltigung – Akin wollte das schreckliche Handeln des Serienmörders nicht durch irgendwelche Aussagen oder Szenen relativieren. So weit, so gut.

Mit Jonas Dassler ist Akin – oder vielmehr seiner Frau Monique, die für das Casting zuständig war –  aber ein echter Glücksgriff gelungen. Wie sich der gerade mal 21-jährige in seine Rolle fügt, ist absolut beeindruckend und zeigt, wie wandelbar der Schauspieler ist. Ob der krumme Rücken, der seltsame Gang, der schielende Blick – Dassler wird nicht zu Fritz Honka, er IST Fritz Honka. 

Auch bei der Ausstattung hat DER GOLDENE HANDSCHUH offenbar keine Kosten und Mühen gescheut. Besonders das Setdesign ist mehr als sehenswert. Erstaunlich, dass es am Set nicht bestialisch gestunken haben muss, so dreckig und ekelig sind die Kulissen – passend zur erzählten Geschichte natürlich.

Irgendwann stellt sich dann aber doch die Frage, wem man diesen Film empfehlen möchte. Schließlich bewegt man sich die ganze Zeit in einem Milieu, das so abstoßend ist, wie es nur irgendwie sein könnte. Vermutlich niemand möchte in solchen Verhältnissen leben – oder sich auch nur für wenige Minuten darin aufhalten. So ist DER GOLDENE HANDSCHUH dann auch mehr eine Charakterstudie von gescheiterten Existenzen und von dieser Sorte gibt es hier besonders viel zu sehen. Man könnte als Zuschauer fast den Eindruck bekommen, dass auf der Darstellung dieser kruden Exemplare des menschlichen Daseins das Hauptaugenmerk des Regisseurs lag. Ob nun Dornkaat-Max oder Tampon-Günther – abgefahrener als hier waren die Figuren womöglich in keinem anderen deutschen Film. Aber reicht das, um den Zuschauer bei der Stange zu halten? Ein schwieriges Unterfangen…

Weder baut man zu irgendeiner Figur auch nur den Hauch einer Sympathie auf, noch steuert die Handlung auf irgendeinen Höhepunkt zu. DER GOLDENE HANDSCHUH ist und bleibt nun mal „nur“ eine Millieustudie, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und so kann man sich auf diese abstruse Welt einlassen – oder eben nicht. Das bleibt ganz im Auge des Betrachters. Sehenswert ist der Film aber allein schon wegen seines Hauptdarstellers. 

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