Eine kleine Bergbaustadt in der nordchilenischen Wüste, eine queere Familie und eine geheimnisvolle, tödliche Krankheit – das sind die ungewöhnlichen Ingredienzien der traurig-schönen Aids-Allegorie DER GEHEIMNISVOLLE BLICK DES FLAMINGOS von Diego Céspedes, die auch beim Filmfest Hamburg gezeigt wurde.
1982: Die unerschrockene zwölfjährige Lidia (Tamara Cortés) wird in einem heruntergekommenen Minendorf am Rande der Atacama-Wüste von der Trans-Frau Flamingo (Matías Catalán) und deren/dessen Familie liebevoll aufgezogen. Flamingo beschützt sie, versorgt sie und bereitet sie aufs Leben vor. Lidia liebt Flamingo wie eine Mutter. Das einzig Beunruhigende: Flamingo leidet unter einer schweren Krankheit, die ihr/ihm zunehmend die Energie raubt.
Als eines Tages Lidia am Dorfteich von ein paar Jungs belästigt wird, will Flamingo den Teenagern eine Lektion erteilen und zwingt einen von ihnen, ihr tief in die Augen zu schauen. Allein dieser Blick versetzt die Jungs in Angst und Schrecken – als ob etwas Gefährliches in Flamingos Augen läge.
Am Abend kehren alle in die Dorfbar zurück, um bei einem Schönheitswettbewerb die beste Dragqueen zu küren. Doch als Flamingo an die Reihe kommt, betritt Yovani (Pedro Muñoz) die Bar und wirft Flamingo vor, sie habe ihn durch ihren Blick mit der Krankheit angesteckt. In seiner Rage zückt Yovani eine Pistole und greift Flamingo an, doch die Dragqueens verprügeln ihn und schmeißen ihn aus der Bar. Aber dieses Ereignis setzt eine verhängnisvolle, tödliche Spirale in Gang…
Mit den Mitteln des Magischen Realismus schafft Regisseur und Drehbuchautor Diego Céspedes in seinem Spielfilmdebüt eine faszinierende, unwirkliche Atmosphäre. Und auch die Aids-Bezüge funktionieren mit ihrer klaren Symbolik einfach wunderbar. Nur hat es Céspedes mit der grellen Drastik des Andersseins in meinen Augen etwas übertrieben. Diese queere Community aus Chile inszeniert der Regisseur wie auf dem Präsentierteller. Das muss nicht sein!
DER GEHEIMNISVOLLE BLICK DES FLAMINGOS erhielt übrigens in Cannes den Hauptpreis in der Reihe „Un certain regard“.
La Misteriosa Mirada del Flamenco (Deutschland / Frankreich / Spanien / Belgien)
108 Minuten
Drama
Diego Céspedes
Diego Céspedes
Angello Faccini
Tamara Cortés, Matías Catalán, Paula Dinamarca, Pedro Muñoz, Luis Tato Dubó, Vicente Caballero
Filmreederei GmbH