Das Mädchen aus dem Norden

Kinostart: 05.04.2018

ab6 OT: Sameblod (Schweden / Norwegen / Dänemark 2016)
Länge: 113 Minuten
Genre: Drama / Historienfilm
Regie: Amanda Kernell
Drehbuch: Amanda Kernell
Darsteller: Cecilia Sparrok, Erika Sparrok, Maj Doris Rimpi, Julius Fleischanderl, Olle Sarri, Hanna Alström, Malin Crépin, Andreas Kundler, Ylva Gustafsson
Verleih: temperclayfilm

Im Schweden der 1930er-Jahre besucht die angehende Rentierzüchterin Elle Marja (Cecilia Sparrok) mit ihrer Schwester die Internatsschule in Lappland. Sie gehört dem Volk der Samen an, deren Alltag von Vorurteilen und Ausgrenzung geprägt ist. Elle Marja bemüht sich um die Anerkennung ihrer Lehrerin in der Hoffnung, so ihrem Traum von einem freien Leben näher zu kommen. Als an der Schule erniedrigende, rassen-biologische Untersuchungen durchgeführt werden, entscheidet sie sich für einen radikalen Schritt: Das intelligente, willensstarke und rebellische Mädchen bricht mit ihrer Familie und macht sich auf den Weg nach Uppsala, um eines neues, unabhängiges Leben zu führen. 

Kritik

Bereits im Oktober lief DAS MÄDCHEN AUS DEM NORDEN beim Filmfest Hamburg und lange Zeit sah es so aus, als ob dem restlichen Kinopublikum in Deutschland dieser Film verborgen bleiben würde…

Aber zum Glück gibt es kleine, unabhängige Filmverleiher, die den Wert solcher Filmperlen erkennen und sie in die Kinos bringen. Temperclay ist ein solcher Verleih, der in letzter Zeit ein unfassbar gutes Händchen für erstklassige Filmkunst hatte. Ob GOOD TIME, OPERATION DUVAL, DIE KANADISCHE REISE oder jetzt DAS MÄDCHEN AUS DEM NORDEN – all diese Filme wären nur wenigen Festivalbesuchern vorbehalten gewesen.

Doch zurück zum Film. In ihm erzählt die Regisseurin Amanda Kernell von einer zutiefst menschlichen Geschichte von einer jungen Samin, die die einzige Möglichkeit, den Vorurteilen und Ausgrenzungen zu entkommen, darin sieht, ihre Herkunft zu verleugnen. Kernell findet für ihre Geschichte eindrucksvolle Bilder und erzählt sie äußerst einfühlsam. Das mag daran liegen, dass sie selbst Tochter eines Samen und einer Schwedin ist und dadurch beide Seiten der Geschichte hautnah erlebt hat. 

Ihre Darsteller hat Kernell in einem aufwendigen Casting gefunden, denn ihr war es wichtig, zwei echte Schwestern zu besetzen, die Südsamisch sprechen, eine Sprache, die nur noch von knapp 500 Menschen fließend gesprochen wird. Laut den Vereinten Nationen ist es eine der am stärksten bedrohten Sprachen und das erschwerte die Suche natürlich ungemein. Zumal die Menschen am nördlichen Polarkreis vielleicht nicht unbedingt davon träumen, Schauspieler zu werden. Aber Kernell gab nicht nach und so fand sie. Dazu musste sie erst einmal das Vertrauen der Samen gewinnen, denn existiert eine lange Geschichte des Missbrauchs. Das gelang ihr vor allem aber auch dadurch, dass ihr Vater bei dem Samen eine öffentliche Person ist und sie ihnen zudem genau erklärte, wie sie die Szenen der Biologieprüfung genau drehen würde. Wäre Kernell von außen gekommen, wäre es vermutlich schwierig bis unmöglich gewesen, diesen Film überhaupt drehen zu können. 

Zum Glück bekommen wir jetzt alle die Gelegenheit, diesen wunderbaren Film auf der großen Leinwand zu sehen. Und wer auch in Zukunft auf eine vielfältige Filmlandschaft setzen möchte, der möge sich DAS MÄDCHEN AUS DEM NORDEN anschauen – und voller Bewunderung das Kino wieder verlassen.

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Trailer

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Filmplakat

Neustarts am 05.04.2018

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