Dao

04.06.2026

Für diese Art von Kino gibt es in der Branche einen Fachbegriff: „Hybridfilm“. Der französisch-senegalesische Filmregisseur Alain Gomis wagt in seinem 192 (!) Minuten langen Drama DAO das scheinbar Unmögliche: Auf den ersten Blick völlig disparate Themen und Genres in einem Film zu bündeln. DAO ist gleichzeitig eine ethnologische Studie über die Wechselwirkung von Tradition und Moderne, eine poetische Reise zu den Ritualen der Vergangenheit, eine soziologische Analyse über das heutige Leben in Westafrika und Frankreich und letztendlich eine Hymne an die Familie.

Auf einer Metaebene reflektiert der Regisseur zusätzlich das Medium Film, indem er ganz bewusst den Casting-Prozess in die Struktur einbezieht. Das ist natürlich gewöhnungsbedürftig – und nicht jeder Zuschauer wird Alain Gomis auf seinem Weg begleiten wollen. Allein schon wegen der Länge von mehr als drei Stunden.

Man ist natürlich zunächst irritiert, wenn sich zwei Frauen in einem kahlen Raum über ihre Rollen unterhalten. Es sind Katy Correa, die die Mutter Gloria spielen wird, und D’Johé Kouadio, die den Part der Tochter Nour übernimmt. Allmählich kristallisieren sich zwei weitere Zeitebenen heraus. Die aus Guinea-Bissau stammende Gloria lebt inzwischen in Frankreich und bereitet zurzeit die Hochzeit ihrer Tochter Nour vor, die im großen Stil in einem Pariser Banlieue gefeiert werden soll. Dabei erinnert sie sich an eine Reise in ihre Heimat in Westafrika, wo sie vor wenigen Monaten gemeinsam mit ihrer Tochter an einem Dorffest teilgenommen hatte. Dort durfte Nour den Rest ihrer großen Familie kennenlernen.

Mutter und Tochter hatten an einer mehrtägigen Zeremonie zu Ehren ihres verstorbenen Vaters teilgenommen, der feierlich als „Vorfahre“ geweiht wurde. Nour war fasziniert von den ihr so fremden Ritualen, denn sie ist Europäerin durch und durch. Und dann endet DAO in einem rauschenden Fest in Paris.

DAO ist ein Film der Gegensätze: Leben und Tod, Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Fiktion. Leider stellenweise ein bisschen zäh – und sehr lang.

Trailer

Im Rahmen der Berichterstattung
ab12

Originaltitel

Dao (Frankreich / Guinea-Bissau / Senegal 2026)

Länge

192 Minuten

Genre

Drama

Regie

Alain Gomis

Drehbuch

Alain Gomis

Kamera / Bildgestaltung

Céline Bozon, Amath Niane, Mabeye Deme

Darsteller

Katy Correa, D’Johé Kouadio, Samir Guesmi, Nicolas Gomis, Fara Baco Gomis, Poundo Gomis

Verleih

Films That Matter by Luftkind Filmverleih

Filmwebsite

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