Crime 101

12.02.2026

Mit der Adaption von Don Winslows gleichnamiger Kurzgeschichte „Crime 101“ legt Regisseur Bart Layton („American Animals“) eine herrlich altmodisch-geradlinige Actionthriller-Fingerübung hin. Die „Avengers“ Mark Ruffalo und Chris Hemsworth liefern sich durch Mithilfe von Halle Barry und Barry Keoghan ein temporeiches Katz- und Mauspiel, das eindeutig auf den Spuren von Michael Manns Klassiker „Heat“ wandert. Handwerkskino in Reihenform.

Der Highway 101 verbindet entlang der Pazifikküste der USA die Bundesstaaten Washington, Oregon und Kalifornien. Hier vollzieht Profidieb Mike Davis (Chris Hemsworth) seine Juwelenraubzüge. Minutiös vorbereitet, ohne Gewaltanwendung, rein- und raus in 80 Sekunden. Davis ist ein Geist, der in temporär vermieteten, unmöblierten Wohnungen unterkommt, höflich, gut gekleidet, aber man würde sich nicht länger an ihn erinnern, würde er einem auf der Straße entgegen kommen. Denn der 101 ist nicht nur sein Jagdgebiet, sondern das CRIME 101 (Verbrecher-Einmal-Eins) auch seine Lebenseinstellung. Die bekannteste Regel dieses Einmal-Eins hat Robert DeNiro 1995 in Michael Manns „Heat“ aufgestellt: „Halte Dich an nichts fest, das du nicht innerhalb von 30 Sekunden wieder loslassen kannst, wenn Dir der Boden zu heiß wird“. Es ist ein einsames Leben. Davis einziger (?) regelmäßiger zwischenmenschlicher Kontakt sind Meetings mit dem Hehler Money (Nick Nolte). Nun steht er kurz vor seinem letzten Job: Milliardär Steven Monroe (Tate Donovan) plant zum Hochzeitstag seiner Tochter, die Gäste und das Brautpaar reichlich zu beschenken und lässt zu diesem Zwecke eine größere Menge nicht notwendigerweise beim Zoll angemeldeter Juwelen und Bargeld in die USA schaffen. Versichern soll dies Sharon Colvin (Halle Berry), die, bereits jenseits der 50, wohl vergeblich darauf wartet, in ihrer Versicherungsagentur noch zur Partnerin aufzusteigen. Die Abkürzung zum großen Geld durch Davis scheint verführerisch und naheliegend. Was soll schon schiefgehen?

So einiges, denn da ist zum einen der ungestüme Ormon (Barry Keoghan), dessen impulsive und gewalttätige Art noch für einiges Blutvergießen sorgen wird. Auch hat Polizist Lou Lubesnick (Mark Ruffalo) den 101-Räuber schon länger im Visier und sieht seine Chance zum Zugriff.

Minutiös stellt Regisseur Bart Layton in den ersten 80 Minuten dieses Actionthrillers seine Figurendominosteine auf, um sie dann per Kettenreaktion ineinanderrasseln zu lassen. CRIME 101 ist nicht nur eine hochspannende Ganoven/Polizei Hatz, viel Interesse zeigt der Film an seinen Figuren. In der einleitenden Parallelmontage sehen wir die morning routines von Davis, Colvin und Lubesnick. Der durchtrainierte Davis vollzieht in seinem sonnendurchfluteten, aber leeren Apartment Bodyweight-Übungen, begleitet von einer Meditationsapp. Colvin trägt mehrere Schichten Make-Up auf, um in einer Stadt, die die ewige Jugend verspricht, optisch nicht aussortiert zu werden. Lubesnick scheint sich schon seit längerem aufgeben zu haben. Unrasiert und verquollen sitzt er morgens auf der Toilette. Zu seiner die Scheidung einreichenden Ehefrau sagt er, dass dies die schönsten zwei Minuten seines Tages sein. Auf dem Revier wird der Polizist gemieden. Dem Police-Department geht es mehr um schnelle Aufklärung der Fälle und dabei dürfen notfalls auch Unschuldige ins Gefängnis wandern. Von einem Serienjuwelenräuber möchte aber nun wirklich niemand etwas hören.

Es ist dem Können der Darsteller:innen Hemsworth, Berry und Ruffalo zu verdanken, dass diese erste Charakterhälfte von CRIME 101 funktioniert. Sie schaffen es, ihre drehbuchseitig eindimensional zu nennenden Figuren zum Leben zu erwecken und bewirken, dass wir interessiert dabei sind, wenn Lubesnick es nun auch mal mit dieser neuen Männlichkeit probiert und zum Yoga geht, Davis sich am Daten versucht und Colvin an ihrem Arbeitsplatz mit Sexismus zu kämpfen hat. Denn trotz der stattlichen Lauflänge von 140 Minuten langweilt dies nie, durchzieht den Film ein klarer Vorwärtsdrang. Weil hier jede kleine Szene etwas über die Figuren verrät und sie ein Stückchen näher zur Katastrophe bewegt. Einzig Barry Keoghans Ormon wird nicht dieselbe Sorgfalt angedacht. Er ist der Chaosagent und man bekommt das Gefühl, das dieser sehr gute Schauspieler sich hier ein bisschen unter Wert verkauft hat.

Natürlich arbeitet das Drehbuch mit allerhand Zufällen und für das Voranschreiten des Plots günstigen Verwicklungen der Figuren. Wer sich allerdings in einem Genrefilm darüber beschwert, dürfte hier im falschen Kino sitzen. Denn Genrefilm ist ja weniger das Erschaffen eines Novums sonders das geschickte Variieren bekannter Versatzstücke. Variiert wird virtuos in CRIME 101. Ein durchdachter Schnitt sorgt ein ums andere Mal für ein Grinsen, Mark Ruffalos körperliche Uneitelkeit ebenso.

Schön, dass in einem Zeitalter, indem Actionkost vor Allem in Streaming Diensten versendet wird, CRIME 101 auf der großen Leinwand zu bewundern ist. Kenner der Winslow Kurzgeschichte sollten ebenfalls einen Blick riskieren, da sich Adaption und Text zwar die Prämisse teilen, im Detail aber durchaus anders ablaufen.

CRIME 101 ist eine teuflisch leckere Kino-Kalorie, die vielleicht nicht lange nachwirkt, aber beim Konsum befriedigenden Genuss verströmt. Dad-cinema, wie es leibt und lebt.

Trailer

ab12

Originaltitel

Crime 101 (USA 2026)

Länge

141 Minuten

Genre

Krimi / Thriller

Regie

Bart Layton

Drehbuch

Bart Layton, Peter Straughan

Kamera / Bildgestaltung

Chris Hemsworth, Halle Berry, Mark Ruffalo, Barry Keoghan, Monica Barbaro, Corey Hawkins, Jennifer Jason Leigh, Nick Nolte

Verleih

Sony Pictures Releasing GmbH

Filmwebsite

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