Das „Conjuring“-Universum ist seit 2013 eine feste Größe im Horrorfilm-Genre. Im Mittelpunkt steht das US-amerikanische Ehepaar Ed (1926-2006) und Lorraine Warren (1927-2019), das sich als Dämonologen sein Leben lang mit parapsychologischen Phänomenen auseinandergesetzt hat. Hollywood hatte dann einige der Warren-Ermittlungen aufgegriffen und die (angeblich) realen Fälle dramaturgisch angereichert. CONJURING 4: DAS LETZTE KAPITEL von Michael Chaves ist jetzt der zehnte Teil der Reihe und dient als krönender Abschluss.
Speziell in den vier „Conjuring“-Filmen steht ein uns Horrorfans nur allzu gut bekanntes Phänomen im Mittelpunkt: das Geisterhaus. Regisseur Michael Chaves und das Team hinter ihm – die Produzenten James Wan (Regisseur der ersten beiden „Conjuring“-Filme) und Peter Safran sowie die Drehbuchautoren David Leslie Johnson-McGoldrick, Ian Goldberg und Richard Naing – haben geschickt einen der ersten Warren-Fälle mit ihrem letzten, angeblich schwierigsten und gefährlichsten Fall verbunden. So schließt sich der Kreis.
1964: Die frisch verheirateten Ed (Orion Smith) und Lorraine (Madison Lawlor) untersuchen ein Haus, in dem es spuken soll. Für einen kurzen Moment ist die Hochschwangere allein im Wohnzimmer und wird von einem großen antiken Spiegel magisch angezogen: Über dem Glas thronen drei fratzenhafte Köpfe aus Holz. Als ihr im Spiegel ein Geist entgegen grinst, prallt sie vor Schreck mit der Stirn gegen das Glas und wird verletzt. Gleichzeitig setzen bei ihr die Wehen ein. Nur mit Mühe schafft es das Ehepaar in den Kreißsaal, wo ihnen der Arzt mitteilen muss, dass sich die Nabelschnur um den Hals der Ungeborenen gewickelt hat…
Erst im letzten Moment wird das Leben von Tochter Judy gerettet. Dieses Bild des von der Nabelschnur fast strangulierten Babys wird uns als Symbol durch den ganzen Film begleiten: entweder als herunterhängendes Seil, an dem so manches baumelt, als Stromkabel oder als Telefonschnur.
1986: Ed (nun: Patrick Wilson) und Lorraine (jetzt: Vera Farmiga) haben sich längst zur Ruhe gesetzt, Tochter Judy (Mia Tomlinson) ist mit Tony (Ben Hardy) verlobt. Auf energisches Bitten des mit den Warrens befreundeten Paters Gordon (Steve Coulter) übernehmen Ed und Lorraine noch diesen einen letzten Fall: Im Haus der Smurl-Familie spukt es seit zehn Jahren, und die Großfamilie ist mit den Nerven am Ende. Sogar in der Larry-King-Show waren die Smurls live im TV zu Gast – doch auch der konnte nicht helfen.
So nisten sich Vater, Mutter und Tochter Warren mit Tony im Schlepptau bei den Smurls häuslich ein und harren der Dinge. Dann entdeckt ausgerechnet Judy einen alten Spiegel, den die Hausherren vor Jahren günstig erworben haben. Und dieser Spiegel hat einen verräterischen Sprung im Glas…
Regisseur Michael Chaves weiß, wie man unerträgliche Spannung erzeugt. Natürlich benutzt er alle uns bekannten Versatzstücke des Genres – nach dem Motto: Man vermeide dunkle Keller und unheimliche Dachböden. Auch scheinbar harmlose Puppen können zur Bedrohung werden. Jump-Scares setzt Chaves wohldosiert und nie aufdringlich ein. Sein Film mit immerhin stolzen 136 Minuten wirkt nie langatmig, aber in seinem Timing bisweilen ein wenig altmodisch.
CONJURING 4: DAS LETZTE KAPITEL hat das Horrorfilm-Genre nicht neu erfunden, doch der elegant inszenierte und brillant gecastete Film ist ein würdiges Finale der Reihe. Bei der abschließenden feierlichen Hochzeit in der Kirche sitzt übrigens auch Mastermind James Wan unter den Gästen.
The Conjuring: Last Rites (Großbritannien / USA 2025)
136 Minuten
Horror
Michael Chaves
Ian Goldberg, Richard Naing, David Leslie Johnson-McGoldrick
David Leslie Johnson-McGoldrick, James Wan
Eli Born
Vera Farmiga, Patrick Wilson, Mia Tomlinson, Ben Hardy, Steve Coulter, Rebecca Calder, Elliot Cowan, Kíla Lord Cassidy, Beau Gadsdon, John Brotherton, Shannon Kook
Warner Bros. Entertainment GmbH