Chaos Walking

Kinostart: 17.06.2021

ab12 OT: Chaos Walking (USA 2021)
Länge: 109 Minuten
Genre: Science-Fiction
Regie: Doug Liman
Drehbuch: Patrick Ness, Christopher Ford, nach dem Roman von Patrick Ness
Darsteller: Tom Holland, Daisy Ridley, Demián Bichir, Davis Oyelowo, Kurt Sutter, Cynthia Erivo, Bethany Ann Lind, Mads Mikkelsen, Nick Jonas
Verleih: Studiocanal GmbH

Der Science-Fiction-Kracher „Chaos Walking“ hat eine ungewöhnliche Vorgeschichte: 2017 gedreht, Nachdreh 2019, weil die beiden Hauptdarsteller erst dann Zeit hatten – und anschließend aufwändige Nachbearbeitungen am Computer. Chaos pur! Geglaubt hat an das Spektakel von Doug Liman eigentlich niemand mehr. Doch jetzt kommt es ins Kino, und der Film ist besser als sein Ruf. 

Regisseur Liman hatte natürlich den Mehrteiler „The Hunger Games“ („Die Tribute von Panem“) im Hinterkopf, als er die Buchreihe von Patrick Ness in Angriff nahm: eine inzwischen beliebte Mischung aus Science-Fiction und Anachronismen. In „The Hunger Games“ kämpfte Jennifer Lawrence mit Pfeil und Bogen, in „Chaos Walking“ reiten die Männer in Felljacken auf ihren Pferden durch ein finsteres Mittelalter.

Der Film spielt in ferner Zukunft auf dem erdähnlichen Planeten „New World“: einer Welt ohne Frauen, in der die Männer die ungewöhnliche Fähigkeit haben, die Gedanken der anderen zu lesen. Diese „Lärm“ genannte Fähigkeit ist gewissermaßen die zweite Kommunikationsebene der Einwohner von Prentisstown: ein Kaff, das aussieht wie ein verkommenes Dorf aus dem Wilden Westen. Daher ist es keine Überraschung, dass stilistisch Western-Elemente weite Teile des Films prägen. Der bösartige Bürgermeister (Mads Mikkelsen) wacht mit harter Hand darüber, dass alle seine Regeln befolgt werden. Leidtragender ist das jüngste Mitglied der Gemeinde, Todd Hewitt (Tom Holland), der nach dem Tod seiner Mutter von seinen zwei „Vätern“ Ben (Demián Bichir) und Cillian (Kurt Sutter) aufgezogen wird, die vom Gemüseanbau leben. Irgendwann hat Todd die Nase voll von der täglichen Rote Bete zu Mittag. Beim Herumstromern mit seinem Hund trifft er auf das Mädchen Viola (Daisy Ridley), einzige Überlebende einer Bruchlandung ihres Raumschiffs. Als Frau ist ihr Leben in Prentisstown bedroht, und Todd flieht mit ihr in die Wälder auf der Suche nach einem zivilisierteren Ort. Sie finden tatsächlich eine Siedlung, in der hauptsächlich Frauen leben, angeführt von der Bürgermeisterin Hildy (Cynthia Erivo). Und dort erfährt Todd das dunkle Geheimnis, warum es in Prentisstown keine Frauen mehr gibt.

Hat man sich erst einmal an die bizarren Prämissen gewöhnt – Science-Fiction-Leser sind hier im Vorteil – kann man den Stilbrüchen des Films einiges abgewinnen. Doch manche Handlungsstränge laufen ins Leere. So treffen Todd und Viola auf einen Ureinwohner von „New World“, der aussieht wie ein monströser Alien. Doch auf diesem Planeten sind die Menschen die Aliens. Schade, dass Doug Liman und sein Drehbuchteam diese Entwicklung nicht weitergedacht haben. Hat da jemand beim Schnitt gepennt?

Die Visualisierung des „Lärms“ ist genial gelöst: Blaue Schlieren umkreisen ständig die Köpfe der Männer. Hier ist Kino das, was es sein soll: ein Fest fürs Auge. Doug Liman hat seinen Film ganz bewusst extrem eklektisch angelegt: ein bisschen „Star Wars“, natürlich „The Hunger Games“ und viel Italo-Western. Mads Mikkelsen fühlt sich sichtlich wohl in seiner Django-Rolle, ebenso „Star Wars“-Star Daisy Ridley als Mädchen auf der Flucht. Wer die Filmgeschichte kennt, hat ein bisschen mehr von „Chaos Walking“.

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Filmplakat

Neustarts am 17.06.2021

Frühling in Paris

Suzanne Lindon ist gerade mal 21 Jahre alt, legt aber mit FRÜHLING IN PARIS ihr Debüt als Regisseurin, Drehbuchautorin und Schauspielerin vor. Das kommt natürlich nicht von ungefähr, schließlich ist Lindon die Tochter zweier französischer Schauspieler: Sandrine Kiberlain und Vincent Lindon. Dabei benötigt sie diese Vorschusslorbeeren eigentlich gar nicht, denn ihr Erstlingswerk ist rundum gelungen.