Die „Talk to Me“-Macher Danny und Michael Philippou haben einen Besetzungscoup gelandet: Die britische Schauspielerin Sally Hawkins („Happy-Go-Lucky“, „The Lost King“), oftmals in skurril-humorvollen Rollen zu sehen, liefert als biestiges Pflegemonster im Horrorthriller BRING HER BACK eine extrem tiefgründige Glanzleistung ab!
Ein Schicksalsschlag ist scheinbar nicht genug: Nachdem ihr Vater sich selbst das Leben genommen hat, landen der fast 18-jährige Andy (Billy Barratt) und seine jüngere, sehbehinderte Halbschwester Piper (Sora Wong) bei Pflegemutter Laura (Sally Hawkins) in einem eigentümlichen Landhaus. Zunächst ist diese aufgesetzt freundlich, nur der vermeintliche Waisenjunge Oliver (Jonah Wren Phillips), der im Haushalt auftaucht, wirkt irgendwie neben der Spur. Zudem muss sich Piper an ihrer neuen Schule zurechtfinden. Als Sehbehinderte, die gemobbt wird, ist das gar nicht so einfach. Aber Andy beschützt sie, so gut es geht.
Ersatzmutter Laura genießt zwar bei der Behörde einen tadellosen Ruf, aber seit dem Tod ihrer leiblichen Tochter hat sie sich merklich verändert. Trauerverarbeitung ist ein zentrales Thema in BRING HER BACK – und nimmt (soviel sei verraten) okkulte Formen an! Zunächst wird Andy subtil schikaniert, Laura hat da die Expertise: Immer wieder bekommt der schlafende Junge nachts ihren Urin in den Schritt geträufelt, damit dieser denkt, er hätte eingenässt. Laura sät zunehmend Misstrauen zwischen Bruder und Schwester und führt etwas im Schilde. Die Jugendlichen entdecken zudem rituelles Found-Footage-Material.
Piper erkundet trotz der einschränkenden Sehbehinderung mutig die Welt, was die australischen Zwillingsbrüder Danny und Michael Philippou in ihrem zweiten Spielfilm (nach dem gefeierten Regiedebüt „Talk to Me“) durch unzählige Aufnahmen von Händen zeigen. Der Tastsinn von Piper spielt so fast unmerklich eine Hauptrolle in BRING HER BACK. Auch Geräusche nimmt sie natürlich besser wahr. Piper-Darstellerin Sora Wong wurde zudem mit einem Kolobom und einer Mikrophthalmie geboren, was enorm zur Glaubwürdigkeit ihrer Figur beiträgt.
Horror aus Australien ist aktuell übrigens besonders überzeugend. Michael Shanks, der mit dem Body-Horror-Beziehungsdrama „Together“ in unseren Kinos vorgelegt hat, und die Philippous haben einen ganz ähnlichen Hintergrund: Die Zwillinge erlangten mit ihrem 2015 gegründeten YouTube-Kanal „RackaRacka“ schlagartig Bekanntheit mit Videos, in denen sie oft Horror und Comedy vermengten, und außerdem Horror- und Actionfilme parodierten. Die Spezialeffekte waren dabei eher simpel, aber effektiv. Auch Shanks tobte sich auf dieser Spielwiese aus.
Während in „Together“ eine Paarbeziehung den Horror auslöst, ist Trauerbewältigung bei den Philippous die Initialzündung für die wirklich blutig-verstörende Genrestudie BRING HER BACK, die in einer kaum auszuhaltenden Tour de Force mündet. Das schmerzt schon beim Zuschauen! Dabei überzeugt die krude Okkult-Geschichte weniger als die grandios-düstere Atmosphäre. Und Sally Hawkins („The Shape of Water“) liefert als Schurkin oscar-reif ab, gerade weil ihre Muttergefühle zwar ausarten, aber trotzdem glaubhaft bleiben. Und Billy Barratt ist ein kommender Shooting-Star!
Bring Her Back (USA 2025)
105 Minuten
Horror / Thriller
Danny Philippou, Michael Philippou
Danny Philippou, Bill Hinzman
Aaron McLiskey
Billy Barratt, Sora Wong, Jonah Wren Phillips, Sally-Anne Upton, Stephen Phillips, Mischa Heywood, Sally Hawkins
Sony Pictures Releasing GmbH