Borga

Kinostart: 28.10.2021

ab12 OT: Borga (Deutschland / Ghana 2021)
Länge: 107 Minuten
Genre: Drama
Regie: York-Fabian Raabe
Drehbuch: York-Fabian Raabe, Toks Körner
Darsteller: Eugene Boateng, Christiane Paul, Adjetey Anang, Lydia Forson, Emmanuel Affadzi, Jamal Baba, Solomon Anim, Ekow Blankson, Jude Arnold Kurankyi, Joseph Otsiman, Fred Amugi, Thelma Buabeng, Prince Kuhlmann, Ibrahima Sanogo, Elke Twisselmann, Martin Stange, Jerry Kwarteng, Fatma Tazegül, Frederick Sey, Devrim Lingnau, Helgi Schmid
Verleih: Across Nations Filmverleih

Es geht um arm und reich, um die Ausbeutung des afrikanischen Kontinents durch Europäer, um Giftmüll, Flucht, Migration, Drogen und Liebe – alles Themen, die einen großen Film erwarten lassen. BORGA wurde beim Max-Ophüls-Filmfestival sowohl mit dem „Preis der ökumenischen Jury“ als auch dem Publikumspreis ausgezeichnet. Viel Vorschusslorbeeren für das deutsch-ghanaische Filmteam unter der Regie von York-Fabian Raabe! 

Die Brüder Kojo (Eugene Boateng) und Kofi (Jude Arnold Kurankyi) wachsen neben der berüchtigten Elektroschrott-Müllhalde Agbogbloshie in Ghanas Hauptstadt Accra auf. Ihren Lebensunterhalt verdienen sie im Betrieb ihres Vaters mit dem Sammeln von Metallen, die sie aus dem hier deponierten, westlichen Schrott gewinnen. Als Kojo bei einer Feier einen sogenannten Borga kennenlernt, will er nur eines: weg! Borgas werden in Ghana die Leute genannt, die im Ausland zu Geld gekommen sind und zu Hause damit angeben.

Jahre später ist Kojo in Mannheim gelandet, wird aber dort vom lokalen Schrotthändler auch nur ausgebeutet. Auf einer Party lernt er Lina (Christiane Paul) kennen und lieben. Doch plötzlich taucht Kojo wieder in Accra auf und residiert im teuersten Hotel der Stadt. Schnell wird klar, wie er zu Geld gekommen ist: Er transportiert in Magen und Darm in Plastik eingewickelte Drogen. Aber als Lina Kojo mit seinem falschen Pass konfrontiert und er sich herauswindet, ist auch diese Liebe zu Ende.

Große Themen – doch alle werden nur angekratzt. Ständig wechselt der Regisseur zwischen Mannheim und Accra, bis es jedem Zuschauer irgendwann egal ist. In einer sentimentalen Nebenhandlung bauen Kojo und Kofi zudem ihrer Mutter ein Haus am Stadtrand. Beim Filmende ist es fertig. Welch eine Überraschung!

Ich vermute, die „ökumenische Jury“ ist bei der Preisvergabe in eine Falle getappt. Große Themen – also muss der Film gut sein! BORGA verschenkt trotz guter Ansätze fast alles. Schade!

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