Bon Voyage

Bis hierher und noch weiter

01.01.2026

Das Thema Sterbehilfe mit einem komödiantischen Roadtrip zu verbinden, ist sicherlich gewagt. Aber Enya Baroux macht in BON VOYAGE – BIS HIERHER UND NOCH WEITER zumindest einiges richtig.

Marie (Hélène Vincent) ist 80 und hat ihr Leben immer selbstbestimmt gelebt. Doch ihre Tage sind durch den Krebs gezählt, auch wenn man ihr das nicht unbedingt auf den ersten Blick ansieht. Und so hat die alte Dame einen Entschluss gefasst und einen Termin zur Sterbehilfe in der Schweiz vereinbart. Nur ihrem Sohn Bruno (David Ayala) und ihrer Enkelin Anna (Juliette Gasquet) hat sie noch nichts davon erzählt. Da kommt es ihr gelegen, dass ihr Pfleger Rudy (Pierre Lottin) gerade seinen Job verloren hat. Kurzerhand überredet sie ihn, sie ins Nachbarland zu fahren. Ihrer Familie tischt sie das Märchen einer Erbschaft auf, die in der Schweiz auf sie wartet. Der ständig von Geldsorgen geplagte Bruno will sofort mitkommen und auch Anna ist der gemeinsamen Reise nicht abgeneigt.

Kurzerhand entstauben sie das alte Wohnmobil und machen sich auf die Reise. Was sie währenddessen erleben, schweißt sie als Familie wieder ein wenig mehr zusammen. Doch irgendwann wird der Punkt kommen, an dem Marie ihnen die Wahrheit sagen muss…

Irgendwann ertönt „Voyage, Voyage“ von Desireless, der Klassiger von 1986 im Hintergrund und vermutlich hätte kaum ein anderer Song die Reise dieser vier Menschen besser umschreiben können. In BON VOYAGE – BIS HIERHER UND NOCH WEITER ist definitiv der Weg das Ziel und die Grundidee, dass Marie sich partout nicht traut, ihrer Familie die Wahrheit über ihre Pläne zu erzählen, funktioniert auch auf lange Strecken. Schade nur, dass Regisseurin Enya Baroux, die zusammen mit Martin Darondeau und Philippe, Barière auch das Drehbuch geschrieben hat, immer wieder in Klischees verfällt. Da darf eine Szene natürlich nicht fehlen, in der Rudy irrtümlich glaubt, Bruno wisse inzwischen über alles Bescheid. Dafür ist es allerdings schön anzusehen, wie die Familie langsam aber sicher wieder zueinander findet und zunehmend ehrlicher zueinander wird.

DIe Idee zum Film kam Enya Baroux übrigens, als ihre Großmutter, bei der sie zu dem Zeitpunkt lebte, an Krebs erkrankte und traurig und banal im Krankenhaus sterben musste. Diese selbstständige Frau, die ihren Sohn (und damit Barouxs Vater) alleine aufgezogen hatte, plötzlich von anderen anhängig und mit Medikamenten vollgestopft zu sehen, hat Baroux nachhaltig traumatisiert, wie sie in einem Interview erzählt hat.

Mit BON VOYAGE – BIS HIERHER UND NOCH WEITER gibt Enya Baroux zudem ihr Langfilm-Debüt als Regisseurin, nachdem sie bereits als Schauspielerin Erfahrungen sammeln konnte und an der Filmhochschule ESRA in Paris studiert hat. Vielleicht ist das der Grund, warum Baroux hier vermehrt auf sicher gespielt und sich nicht wirklich getraut hat, auszubrechen.

Wenn mit Beginn des Abspanns dann eine recht gewöhnungsbedürftige Interpretation von „Voyage, Voyage“ von Barbara Pravi läuft, passt das dennoch irgendwie zum Film: Es wirkt fehl am Platz und einfallslos. Dabei ging bereits Anfang 2024 die wunderschöne Version von ESTL in den sozialen Medien viral, die hier wirklich den perfekten Abschluss gebildet hätte.

Am Ende ist BON VOYAGE – BIS HIERHER UND NOCH WEITER zwar ein menschlicher Film geworden, der sich aber immer wieder selbst ausbremst. Eine schöne Geschichte gefangen in einem mitunter zu starren Korsett.

Trailer

ab12

Originaltitel

On ira (Frankreich 2025)

Länge

97 Minuten

Genre

Tragikomödie

Regie

Enya Baroux

Drehbuch

Enya Baroux, Martin Darondeau, Philippe, Barière

Kamera / Bildgestaltung

Hugo Paturel

Darsteller

Hélène Vincent, Pierre Lottin, David Ayala, Juliette Gasquet, Henock Cortes, Gabin Visona, Brigitte Aubry, Fanny Outeiro da Costa, Jeanne Arenes, Nicolas Lumbreras, Ariane Mourier, Cléa Godji, Nicolas Martinez

Verleih

Happy Entertainment (MT Trading UG)

Filmwebsite

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