Blue Moon

26.03.2026

Musical-Liebhabern ist der Songwriter Lorenz Hart durchaus ein Begriff. Doch in BLUE MOON interessiert sich Regisseur Richard Linklater weniger für dessen Biographie, sondern vielmehr für das traurige Karriere- und Lebensende…

Wir schreiben den 31. März 1943: In der Bar Sardi‘s im New Yorker Theatre District gibt die Songwriter-Legende Lorenz Hart (Ethan Hawke) nur noch ein trauriges Abziehbild seiner Selbst ab. Zurück liegen die Zeiten, in denen er mit seinem Komponisten-Kollegen Richard Rodgers (Andrew Scott) große Erfolge gefeiert hat. Am heutigen Abend findet direkt nebenan die Premiere des Musicals „Oklahoma!“ statt – dem ersten Stück, das Rodgers mit seinem neuen Songwriter Oscar Hammerstein (Simon Delaney) geschrieben hat. Und so ist Harts Stimmung – gelinde gesagt – am Boden. Seinen Unmut lässt er am Barkeeper Eddie (Bobby Cannavale), sowie an Morty Rifkin (Jonas Lees), dem Pianisten der Bar, und diversen Gästen aus. Doch da gibt es noch die wunderschöne Elizabeth Weiland (Margaret Qualley), mit sich Hart seit langem in einem Briefwechsel befindet und die er an diesem Abend endlich treffen soll…

Richard Linklater hat sich schon immer wenig für klassische Biographien interessiert, seine Filme setzen sich meist mit einem kurzen Lebensabschnitt seiner Protagonisten auseinander – wenn man einmal von „Boyhood“ absieht. Auch in BLUE MOON konzentriert er sich ausschließlich auf die letzten Momente im Leben der Songwriter-Legende Lorenz Hart. Und so beginnt er den Film auch mit einem sich nur schwerlich durch eine verregnete Gasse bewegenden Mann, das kurz darauf zusammenbricht. Durch eine parallel ablaufende Radiomeldung erfahren wir, dass es sich dabei um Hart handelt, der diese Nacht nicht überleben wird.

In einer Rückblende, drei Monate zuvor, befinden wir uns nun in der besagten Bar und werden Zeuge, wie eine Karriere ihr Ende nimmt. Hart wirkt fast wie ein Fremdkörper in dieser Welt, obwohl diese ihm einst sicher zu Füßen lag. Aber das Leben entwickelt sich nun einmal weiter, und je mehr Zeit verstreicht und umso häufiger sich die Gläser in Harts Händen leeren, desto deutlicher wird es, warum sich sein ehemaliger Partner vermutlich einen neuen Songwriter gesucht hat.

Doch warum ist ein solcher Niedergang so sehenswert? Nun, vielleicht weil sich beinahe jeder Satz des ehemaligen Songwriters wie ein vorzügliches Bonmot anhört. Ja, dieser Mann war vermutlich zu Recht einer erfolgreichsten Textschreiber seiner Zeit. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, muss man sich als Zuschauer aber auch darauf einlassen, dass in BLUE MOON viel geredet wird, schließlich redet sich unser Protagonist um Kopf und Kragen. Dass ihm bei Zusammentreffen mit seiner über alles verehrten Brieffreundin trotz des Alters- und Größenunterschieds nicht die Worte fehlen, unterstreicht das Ganze nur noch mehr.

Doch egal wie viel der Mann auch redet – dass seine Zeit vorbei ist, lässt sich nun wirklich nicht (mehr) leugnen. Aber auch wir Zuschauer sind nach 101 Minuten Redeschwall am Ende und sehnen uns nach ein wenig Ruhe. BLUE MOON ist sicherlich nicht Richard Linklaters bester Film, aber immerhin eine äußerst interessante Charakterstudie.

Trailer

Im Rahmen der Berichterstattung
ab12

Originaltitel

Blue Moon (USA 2025)

Länge

101 Minuten

Genre

Biographie / Drama / Komödie

Regie

Richard Linklater

Drehbuch

Robert Kaplow

Kamera / Bildgestaltung

Shane F. Kelly

Darsteller

Ethan Hawke, Margaret Qualley, Bobby Cannavale, Andrew Scott, Patrick Kennedy, Konas Lees, Simon Delaney

Verleih

Sony Pictures Releasing GmbH

Filmwebsite

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