Bitter Gold

21.08.2025

Ein eindrucksvoller Neo-Western aus der Atacama-Wüste im Norden Chiles: Was Regisseur Juan Olea mit BITTER GOLD geschaffen hat, ist so viel mehr als nur ein Kampf um das kostbare Edelmetall…

Eigentlich träumt Carola (Katalina Sánchez) vom Meer, doch noch steckt sie mitten in der Atacama-Wüste fest, einer der trockensten Regionen auf diesem Planeten. Zusammen mit ihrem Vater Pacifico (Francisco Melo) betreibt sie eine illegale Mine, doch beide hüten ein gefährliches Geheimnis. In einer alten, stillgelegten Mine direkt in der Nähe haben sie eine Goldader entdeckt, die sie heimlich im Dunkel der Nacht abbauen. Als jedoch einer der anderen Bergmänner davon erfährt, eskaliert die Situation. Pacifico wird schwer verletzt, und Carola muss fortan seinen Platz einnehmen. Doch kann sie sich gegen die Feindseligkeiten der Männerwelt behaupten und ihre eigenen Ängste überwinden?

Filmen aus Chile gelingt eher selten bis gar nicht der Sprung auf die deutschen Kinoleinwände. Umso schöner, dass dem eindrucksvollen Neo-Western BITTER GOLD jetzt hierzulande ein Kinostart gegönnt ist, denn verdient hat es dieser wunderbare Film auf jeden Fall.

Seine Deutschlandpremiere feierte BITTER GOLD Mitte Juni 2025 beim 35. Internationalen Filmfest Emden-Norderney. Da der Regisseur leider nicht anreisen konnte, durfte ich vorab für das Festival ein Interview mit Juan Olea führen (s.u.), das dann im Anschluss an den Film im Kino zu sehen war.

In den Minen in Chile arbeiten ausschließlich Männer, ebenso werden diese von Männern betrieben. Es gibt sogar den Aberglauben, dass Frauen einer Mine Unglück bringen. Das lieferte Olea und den Drehbuchautoren Francisco Hervé, Moisés Sepúlveda, María Luisa Furche, Agustín Toscano und Nicolás Wellmann die Grundidee für ihren Film. Sie schufen die Figur der Carola, einer minderjährigen Minenarbeiterin, die plötzlich die Leitung der Mine übernehmen und sich gegenüber all den Männern behaupten muss.

Gedreht wurde unter schwierigen Bedingungen im Norden Chiles in der Atacama-Wüste, die zu den trockensten Wüsten der Welt zählt. Am Tag ist es dort unerträglich heiß, während es in der Nacht eisig kalt wird. Für empfindliches Kamera-Equipment sind das nicht gerade die besten Voraussetzungen. Es gibt in der Gegend aber auch keinerlei Möglichkeiten, das ganze Team zu „verstecken“. Das hatte zur Folge, dass sich bei einem Kameraschwenk alle Teammitglieder aus dem Sichtfeld heraus bewegen mussten.

In der Mine selbst war der Dreh sogar noch herausfordernder, da die Luft dort extrem stickig ist. Aufgrund der hohen Belastung durch Staub und schwere Mineralien in der Luft mussten alle Masken tragen – nur die Schauspieler durften diese kurz für die Szenen absetzen. Die Produzenten mussten sogar extra jemanden einstellen, der nur darauf achtet, dass das Team und die Darsteller immer wieder an die Luft gingen. Zusätzlich mussten noch diverse Löcher abgesichert werden, damit niemand plötzlich 20 Meter in die Tiefe fällt.

Für die eindrucksvollen Bilder sorgte der Kameramann Sergio Armstrong, der bereits mehrfach mit Pablo Larraín („Jackie“, „Spencer“, „Maria“) zusammengearbeitet hat. Seine erste Frage an Juan Olea war, ob er scharfe, hochauflösende Bilder haben möchte, oder lieber auf ein anamorphes Vintage-Objektiv setzen möchte. Olea war davon sofort begeistert, schließlich benötigte er große Panorama-Aufnahmen, um die Wüste richtig in Szene setzen zu können. Durch den Einsatz dieser alten, aus Russland stammenden Linsen wirkt BITTER GOLD tatsächlich wie ein alter Western, der in die heutige Zeit transportiert wurde. Und obwohl Armstrong seine eigene Beleuchtungs-Crew von einer Handvoll Leuten mitgebracht hatte, war er trotzdem immer auf der Suche nach dem besten Ort, um das beste natürliche Licht einfangen zu können. „Er lebt einfach für seinen Beruf“, so Juan Olea in unserem Interview.

Als erster Schauspieler stand Francisco Melo fest, der in Chile einen großen Bekanntheitsgrad genießt und zusätzlich auch als Produzent eingestiegen ist. Vor langer Zeit hat er auch einmal Filme gedreht, sich dann aber auf Serien und TV-Produktionen konzentriert. Für die Rolle der Carola hatte Juan Olea immer das Bild einer starken, jungen Frau vor Augen, konnte aber partout kein Gesicht dazu finden, das seiner Vorstellung entsprach. Also veranstaltete man im ganzen Land Vorsprechen, zu denen Hunderte von potenziellen Darstellerinnen kamen. In einem der finalen Castings, bei dem auch Francisco Melo zur Unterstützung dabei war, tauchte dann Katalina Sánchez auf, die zwar keinerlei Schauspielerfahrung hatte, das Team aber mit ihrer Präsenz total überzeugen konnte. Am Ende einer Test-Szene schauten sich Olea und Melo in die Augen und nickten: Carola war gefunden.

Die Idee, BITTER GOLD als Neo-Western zu erzählen, kam den Machern, als das Projekt aufgrund der Corona-Pandemie auf Eis lag. Es fiel auf, dass die Geschichte im Grunde einem Western entsprach, und so überlegte man sich, wie man das in genretypische Bilder umwandeln könnte. So gibt es beispielsweise eine Szene, in der Carola allein im Bild zu sehen ist und sich dann immer mehr der Männer hinter ihr versammeln. Im Gegenschuss sieht man dann ihren Gegner, wie er mehr und mehr an Macht verliert, indem immer mehr Figuren aus seinem Bild verschwinden.

Während der Corona-Pause wurde den Produzenten klar, dass sich BITTER GOLD mit all den neu hinzugekommenen Ideen nur schwer allein mit der chilenischen Filmförderung finanzieren ließ. Also suchte man man nach Partnern und wurde in Uruguay und Mexiko fündig. Für die finale Tonmischung, das Sounddesign und die Post-Production kamen dann die deutschen Partner ins Spiel, die aber auch den Dreh selbst unterstützt haben.

Mit BITTER GOLD kommt ein fantastischer Film in die deutschen Kinos, wie man ihn hierzulande leider nur selten sehen kann. Daher hoffe ich inständig, dass das Werk hier genügend Menschen erreicht, damit sich der Mut des jip Filmverleihs auch auszahlt. Beim Filmfest Emden-Norderney ist BITTER GOLD beim Publikum sehr gut angekommen, daher bin ich guter Dinge, dass er auch bei den Kinobesuchern auf Interesse stoßen wird. Verdient hat es BITTER GOLD allemal.

Trailer

Interview

Im Rahmen des 35. Internationalen Filmfest Emden-Norderney stand mir der Regisseur Juan Olea für ein Online-Interview zur Verfügung. Neben seiner Regie-Tätigkeit ist Olea auch Besitzer eines Steak-Restaurants im Norden Chiles, aus dem er sich via Zoom gemeldet hat.

Im Rahmen der Berichterstattung
ab12

Originaltitel

Oro Amargo (Chile / Uruguay / Mexiko / Deutschland 2025)

Länge

87 Minuten

Genre

Drama / Neo Western

Regie

Juan Francisco Olea

Drehbuch

Francisco Hervé, Moisés Sepúlveda, María Luisa Furche, Agustín Toscano, Nicolás Wellmann

Kamera / Bildgestaltung

Sergio Armstrong

Darsteller

Katalina Sánchez, Francisco Melo, Michael Silva, Daniel Antivilo, Moisés Angulo, Carlos Donoso, Carla Moscatelli, Matias Catalán, Carlos Rodríguez, Anibal Vásquez, Carlos Troncoso

Verleih

jip film & verleih GbR

Filmwebsite

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