Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

Kinostart: 02.09.2021

ab12 OT: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (Deutschland 2021)
Länge: 114 Minuten
Genre: Drama / Komödie
Regie: Detlev Buck
Drehbuch: Daniel Kehlmann, nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Mann
Darsteller: Jannis Niewöhner, Liv Lisa Fries, David Kross, Maria Furtwängler, Nicholas Ofczarek, Joachim Król, Christian Friedel, Harriet Herbig-Matten, Dominique Horwitz, Annette Frier, Martin Wuttke, Anian Zollner, Désirée Nosbusch
Verleih: Warner Bros. Entertainment GmbH

Ein weltberühmter Roman, ein im deutschen Sprachraum sehr bekannter Film von 1957 mit Horst Buchholz in der Hauptrolle (Regie: Kurt Hoffmann) – da musste Detlev Buck schon viel Ballast mit sich herumschleppen, bevor er sich traute, das Werk von Thomas Mann zu verfilmen. Doch für seine Version von BEKENNNTNISSE DES HOCHSTAPLERS FELIX KRULL hatte er für das Drehbuch Daniel Kehlmann an seiner Seite, einen der besten deutschen Autoren unserer Tage und dessen Roman „Die Vermessung der Welt“ Buck 2012 ziemlich erfolgreich als 3D-Film ins Kino gebracht hatte. 

Aber anders als in „Nebenan“, dem Regiedebüt von Daniel Brühl, wo Kehlmann eine kongeniale Vorlage schuf, hat er den Mann-Roman in meinen Augen nur mit halben Herzen bearbeitet. „Felix Krull“ hatte der Lübecker Nobelpreisträger früh angefangen, dann zur Seite gelegt und erst kurz vor seinem Tod wieder aufgegriffen. So blieb es bei dem „Ersten Teil“ – und der Roman landete unvollendet in den Bücherregalen. Die weiteren Abenteuer Felix Krulls sind nur aus spärlichen Notizen Thomas Manns bekannt.

Gleich vorweg: Was dem Drehbuch und dem Film fehlt, ist die Ironie, die den ganzen Roman durchweht. Thomas Mann saß der Schalk im Nacken, als er das Buch schrieb. Leider kommt davon im Film wenig rüber: Buck und Kehlmann fehlte der Mut für eine endlich mal krasse Romanverfilmung – die Ehrfurcht vor der Vorlage ist in fast jeder Szene zu spüren. Das ist schade!
Schade deshalb, weil Detlev Buck mit Jannis Niewöhner den wohl besten jungen Schauspieler dieser Tage für die Titelrolle besetzte. Niewöhner ist DER Hallodri, der jeden um den Finger wickelt.

Felix Krull (Jannis Niewöhner) wächst gutbürgerlich im hessischen Rheingau auf. Schon seit Kindertagen ist er fasziniert von Verwandlungskünsten und Rollenspielen. Mit der Frankfurter Prostituierten Zaza (Liv Lisa Fries) übt er, wie er sich mit einer vermeintlichen psychischen Krankheit durch die Musterung mogeln kann – natürlich spielt Detlev Buck den Militärarzt. Krull muss nicht in den Ersten Weltkrieg ziehen, stattdessen landet er als Liftboy in einem Pariser Hotel. Er wird zwar vom Oberkellner Stanko (Nicholas Ofczarek) schikaniert, aber die reiche Madame Houpflé (Maria Furtwängler) nimmt sich seiner an und verführt ihn. Außerdem lernt er den versnobten und strohdummen Marquis Louis de Venosta (David Kross) kennen, der ihn wegen seiner abenteuerlichen Geschichten anhimmelt. Venosta hat ein Auge auf Zaza geworfen, die inzwischen in Paris gelandet ist. (Ein Glücksgriff von Buck und Kehlmann: Bei Mann sind es zwei verschiedene Frauen – doch dieser Schlenker ist ein Geniestreich! Leider der einzige im Film!) Es folgt eine heimliche Menage a trois, bis Krull unter dem Namen von Venosta Paris verlassen muss und beim König von Portugal in Lissabon landet.

Das hätte eine tolle Romanverfilmung werden können – doch Buck und Kehlmann verschenken fast alles. Jannis Niewöhner und Liv Lisa Fries (spätestens seit „Babylon Berlin“ lieben wir diese Frau) spielen sich die Seele aus dem Leib, aber David Kross und Maria Furtwängler sind klassische Fehlbesetzungen. Sorry: Statt erfrischender Ironie nur dröger Biedersinn! Gerade noch Durchschnitt!

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