Bad Luck Banging or Loony Porn

Kinostart: 08.07.2021

ab18 OT: Babardeala cu bucluc sau porno balamuc (Rumänien / Luxemburg / Tschechische Republik / Kroatien 2021)
Länge: 106 Minuten
Genre: Drama
Regie: Radu Jude
Drehbuch: Radu Jude
Darsteller: Katia Pascariu, Claudia Ieremia, Olimpia Mălai, Nicodim Ungureanu, Alexandru Potocean, Andi Vasluianu
Verleih: Neue Visionen Filmverleih GmbH

Was ist bei der diesjährigen Berlinale-Jury schief gelaufen, ausgerechnet dem rumänischen Film „Bad Luck Banging or Loony Porn“ von Radu Jude den Goldenen Bären zu verleihen? Radu Jude liebt das sperrige Kino – er will provozieren. „Scarred Hearts – Vernarbte Herzen“ lief erfolgreich beim Filmfest Hamburg, „Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen“ gewann den Wettbewerb in Karlsbad. 

Doch diesmal hat der Regisseur leider den Bogen überspannt. Jude wollte die pure Anarchie – gleichzeitig eine Zustandsbeschreibung Europas in Zeiten der Corona-Pandemie. Herausgekommen ist ein Film zwischen Pornografie und Langeweile: intellektuell zu verschroben, dramaturgisch zu unausgewogen, politisch zu diffus. Um 1970 wollte Avantgarde-Star Jean-Luc Godard das politische Kino revolutionieren, indem er alles in Frage stellte – auch das Kino selbst. Doch die Filme wollte niemand sehen, bis er sich mit „Rette sich wer kann (das Leben)“ (mit Isabelle Huppert) wieder mit dem Publikum versöhnte.

Radu Jude wählte 50 Jahre später den gleichen Weg – doch das Kino hat sich inzwischen weiterentwickelt. Alte Avantgarde ist wirklich Schnee von gestern. Provokation allein reicht nicht mehr. Hardcore-Elemente im kommerziellen Kino sind seit Oshimas „Im Reich der Sinne“ ohnehin ein alter Hut.

Die Lehrerin Emi (Katia Pascariu) hat mit ihrem Ehemann ein heißes, ausgefülltes Sexualleben. Dummerweise landet eines ihrer Amateur-Pornos im Internet, und Emi muss um ihren Job bangen. Ziellos wandert sie stundenlang durch das von der Pandemie geschüttelte Bukarest – immer mit Maske auf. Ihr droht ein von ihrer Schuldirektorin einberufener Elternabend, bei dem über ihr Schicksal entschieden werden soll. Der streng in drei Episoden aufgeteilte Film öffnet sich nach der zähen Großstadt-Sequenz zu einem visuellen Zettelkasten à la Wikipedia: Blow Job, Militär, Adolf Hitler, Ceauçescu – Radu Jude lässt hier nichts aus. Im dritten Teil folgt der Showdown der Eltern – Pandemie-bedingt im Garten vor der Schule inszeniert. Da wird über Sinti und Roma diskutiert, über die rumänische Geschichte, Antisemitismus und über Emis moralisches Fehlverhalten. Und dann wird abgestimmt. Radu Judes Pointe: Er bietet uns drei Versionen an. Zum Aussuchen!

Radu Jude hat alles gewagt – und alles verloren! Dieser „Goldene Bär“ ist eine Katastrophe!

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