Während die großen US-Animationsfilme zuletzt kreativ und finanziell immer wieder hinter den Erwartungen zurückbleiben, ist das internationale Animationskino so erfolgreich wie nie. Asiatische Produktionen wie „Ne Zha 2“ und „Demon Slayer: Infinity Castle“ sind riesige Hits an den Kinokassen, und kleinere europäische Projekte wie „Mars Express“ und der Oscar-Preisträger „Flow“ werden von der Kritik gefeiert. Mit ARCO kommt nun wieder eine ambitionierte Animationsproduktion aus Frankreich.
Arco ist ein Junge aus einer fernen Zukunft. Die Menschheit lebt über den Wolken und kann mithilfe futuristischer Anzüge durch Zeit und Raum fliegen. Als Arco sich eines Nachts den Anzug seiner Schwester ausleiht, stürzt er im Jahr 2075 ab und trifft auf ein junges Mädchen namens Iris. Gemeinsam versuchen die beiden, Arco die Rückreise in seine Zeit zu ermöglichen und erleben dabei ein großes Abenteuer.
Auch wenn ARCO eine französisch-britisch-US-amerikanische Koproduktion ist, erinnert das Sci-Fi-Abenteuer immer wieder an die Werke von Hayao Miyazaki und Studio Ghibli. Das gilt nicht nur für den visuellen Stil und den märchenhaften Score, sondern auch für die Geschichte. Wir begleiten zwei neugierige Kinder, die auf ihrer gemeinsamen Reise lernen, zusammenzuarbeiten, sich gegen bestehende Regeln aufzulehnen und füreinander einzustehen. Dabei wird konsequent die Perspektive der beiden Kinder eingenommen und vor allem ernst genommen. Dazu passen auch drei schrullige Widersacher: Die drei Männer mit ihren expressiven Outfits sind zugleich bedrohlich und komisch. Daraus entsteht ein kleines Abenteuer, das sich bis zum Finale mit Dramatisierungen zurückhält und angenehm altmodisch anfühlt.
Eingefangen wird die feinfühlig erzählte Geschichte in wunderschönen Bildern. Der Mix aus 2D- und 3D-Animation wirkt klassisch und zugleich modern. Die Hintergründe sind voller Details und erschaffen eine stimmungsvolle Welt, an der man sich kaum sattsehen kann. Dabei kreiert ARCO immer wieder ganz große Bilder, die wie für die Kinoleinwand gemacht sind. Obendrauf gibt es einen traumhaft schönen Soundtrack, der die märchenhafte Atmosphäre unterstützt.
Mit ARCO ist Ugo Bienvenu und Gilles Cazaux auch ein Film gelungen, der Mut macht. Er führt uns aus dem Loch heraus, uns keine utopische Zukunft mehr vorstellen zu können. In seinem Worldbuilding werden menschliche Kreativität und Erfindungsreichtum gefeiert. Die Klimakatastrophe mag nicht mehr aufzuhalten sein, aber wir sind nicht verdammt. Mit Vernunft, Wissenschaft und Zusammenarbeit kann eine positive Zukunft möglich sein. Eine Hoffnung, die nicht nur die junge Generation in der aktuellen Zeit gebrauchen kann.
ARCO ist ein kleiner und doch ganz großer Film: eine berührende Coming-of-Age-Geschichte, ein herzlich erzähltes Märchen und ein imposantes Science-Fiction-Abenteuer. Ein Film für Groß und Klein, der wieder einmal ein Beweis für die Ambition und Qualität des französischen Animationskinos ist. Zurecht wurde ARCO als bester animierter Spielfilm bei den Oscars 2026 nominiert.
Arco (Frankreich 2025)
89 Minuten
Abenteuer / Animation / Science-Fiction
Ugo Bienvenu
Ugo Bienvenu, Félix de Givry
Paulina von Lerchenfeld, Matti Kortemeier, Jonathan Halt, Leslie-Vanessa Lill, Benedikt Gutjan, Benedikt Gutjan, Leslie-Vanessa Lill, Julian Manuel, Oliver Scheffel, Matthias Kupfer, Carolin Hartmann, Philipp Rafferty, Tilda Kortemeier, Bettina Kenter, Stefan Lehnen, Andreas Thiele
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