Alpha

02.04.2026

Mit ihrem dritten Film ALPHA setzt die Autorin und Regisseurin Julia Ducournau erneut auf Body-Horror, um die beeindruckende Geschichte eines 13-jährigen Mädchens inmitten einer Pandemie zu erzählen…

Die 13-jährige Alpha (Mélissa Boros) lebt in den 1980er Jahren allein mit ihrer Mutter (Golshifteh Farahani), die als Ärztin in einem Krankenhaus arbeitet. Seitdem ein unbekanntes Virus für volle Hospitäler sorgt, hat kommt diese mit ihrer Arbeit dagegen überhaupt nicht mehr an. Als Alpha eines Tages mit einem illegal gestochenen Tattoo nach Hause kommt, gerät ihre Mutter sofort in Panik, schließlich wird die noch unbekannte Krankheit offenbar vor allem durch unsterile Nadeln verbreitet. Die Körper der Infizierten entwickeln dabei eine silbrige Hautveränderung und verwandeln sich langsam zu marmorartigen Statuen, die dann irgendwann zu Staub verfallen.

Auch Alphas Onkel Amin (Tahar Rahim) hat sich infiziert und findet bei Alpha und ihrer Mutter Zuflucht. Davon ist die 13-jährige anfangs natürlich wenig begeistert. Hat sie sich etwa auch mit dem Virus angesteckt? Oder warum will die Wunde partout nicht verheilen? Zwar hat ihre Mutter sie sofort getestet, aber die Ergebnisse dauern ein paar Wochen. Bis dahin wird Alpha immer mehr aus Angst vor einer Ansteckung von ihren Mitschülern gemieden…

Wieder einmal hat die französische Drehbuchautorin und Regisseurin Julia Ducournau mit ALPHA einen faszinierenden Film vorgelegt, der gekonnt Genregrenzen sprengt. Bereits mit „Raw“ und „Titane“ hat sie gezeigt, wie ästhestisch ein Body-Horror-Movie aussehen kann. Das ändert sich auch in ALPHA nicht wirklich. Der Film ist eine klare Allegorie auf die AIDS-Krise der 1980er Jahre, bei dem Infizierte aufgrund durch Unwissenheit von der Gesellschaft gemieden wurden. Doch Ducournau wollte nicht einfach die Geschichte abbilden, sondern dieselbe Angst hervorrufen, um bei den Menschen von heute Resonanz zu finden. Dadurch erhält ALPHA tatsächlich eine gewisse Zeitlosigkeit, die die Geschichte eindrucksvoll untermauert. Ebenso nutzt die Regisseurin ihren typischen Body-Horror, um die hormonellen und psychischen Umbrüche der Pubertät, sowie der Angst vor Ansteckung für den Zuschauer greifbarer zu machen.

In der titelgebenden Rolle der ALPHA überzeugt die in Paris geborene Mélissa Boros mit ungarischen Wurzeln mütterlicherseits hier auf ganzer Linie. Zusammen mit der Kamera von Ruben Impens, mit dem Ducournau bislang bei all ihren Filmen zusammengearbeitet hat, erzeugt sie ein glaubwürdiges Porträt eines jungen Mädchens im Umbruch – konfrontiert mit einer unvorstellbaren Bedrohung. Ihr Spiel changiert gekonnt zwischen der Überforderung durch das plötzlich erzwungene Erwachsensein und einer kindlichen Naivität. Aber auch Golshifteh Farahani als Mutter, Emma Mackey als Ärztin und Tahar Rahimi als infizierter Onkel liefern jeweils eine mehr als starke Leistung ab.

Die Geschichte von ALPHA wird über mehrere Zeitebenen erzählt, die sich vielleicht nicht auf den ersten Blick erschließen. Daher mein Tipp: Anhand der Frisur von Golshifteh Farahani lässt sich die Story zeitlich gut einordnen.

ALPHA ist ein spezieller Film, der vermutlich nicht jede Zuschauerin und jeden Zuschauer sofort erreichen wird. Aber wer sich auf diesen Film einlässt, kann sich am Ende sicher sein, etwas ganz Besonderes gesehen zu haben.

Trailer

Im Rahmen der Berichterstattung
ab16

Originaltitel

Alpha (Belgien / Frankreich 2025)

Länge

128 Minuten

Genre

Drama

Regie

Julia Ducournau

Drehbuch

Julia Ducournau

Kamera / Bildgestaltung

Ruben Impens

Darsteller

Mélissa Boros, Golshifteh Farahani, Tahar Rahim, Finnegan Oldfield, Emma Mackey, Frédéric Bayer Azem, Louai El Amrousy

Verleih

Plaion Pictures GmbH

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