Allegro Pastell

16.04.2026

Die talentierte, junge Filmemacherin Anna Roller („Dead Girls Dancing“) zeigt mit ALLEGRO PASTELL nach dem Bestseller von Leif Randt (der auch das Drehbuch verfasste), dass es im deutschen Kino doch so etwas wie einen eigenen Stil gibt. In eigenwilligen Bildkompositionen und mit interessanter Farbsetzung liefert sie eine Momentaufnahme aus dem Jahr 2018, die das Lebensgefühl der Generation Y widerspiegelt.

Tanja Arnheim (Sylvaine Faligant) ist Bestsellerautorin und lebt auf dem Berliner Kiez. Noch immer ist sie mit „Panoptikon Neu“ auf Lesereise. Sie findet, „vorauseilende Wehmut ist der beste Zustand“. Plötzlich steht Jerome Daimler (Jannis Niewöhner) vor ihr, mit dem Buch in der Hand (noch „eingeschweißt“): Ihm wurde „Panoptikon Neu“ so oft empfohlen, dass er schon gar keine Lust mehr hat, es zu lesen. Jerome ist Webdesigner und lebt im Maintal, nahe Frankfurt. Sie landen natürlich im Bett und unterhalten sich im Slang ihrer Generation.

Die scheinbar perfekte Fernbeziehung gerät bereits bei den Feierlichkeiten von Tanjas 34. Geburtstag ins Wanken. Die Kommunikation über Mails und Textnachrichten ersetzt wohl nicht den echten Kontakt. Während Jerome euphorisiert ist, wird Tanja ihr Geburtstag einfach zu viel. Luna Wedler überzeugt hier übrigens als Sarah Arnheim, der Schwester von Tanja. Und Martina Gedeck ist als Mutter zu sehen. Die Nebenrollen sind also namhaft besetzt.

Jerome arbeitet im Bungalow, den seine Eltern hinter sich gelassen haben, an einer Website, die Entspannung und Ruhe bringen soll. Und trifft im hessischen Heimatdorf Maintal seine Jugendliebe Marlene Seidl (Haley Louise Jones) wieder. Während Tanja in Berlin mit einem Anderen im Bett landet, geht Jerome mit seiner alten Flamme auf Tuchfühlung. Zudem steht eine Hochzeit in seinem Freundeskreis an, zu der er eigentlich noch mit Tanja eingeladen ist. Also gibt es da ein Wiedersehen. Gibt es noch eine zweite Chance für die Liebe? Vielleicht werden die eingeschmissenen Partydrogen helfen.

Leif Randt hat eigentlich nur einen Roman über seine Altersgenossinnen und sich geschrieben. Er kennt den Kiez in Berlin und kommt aus dem Maintal. Es ist vermutlich sein persönlichstes Werk. Davor hatte er eine Science-Fiction-Geschichte („Planet Magnon“) veröffentlicht. ALLEGRO PASTELL wurde aber als Generationenporträt der „Millennials“ abgefeiert. Randt erzählte von zwei Liebenden im Jahre 2018, die in einer Fernbeziehung leben. Beide kommen aus privilegierten Verhältnissen. Die Pandemie und weitere Krisen und Kriege stehen noch bevor. Wir erleben im quasi luftleeren Raum die Beziehung der Beiden vor allem durch E-Mails und Textnachrichten. Und innere Monologe.

Randt, der irgendwann überzeugt wurde, auch das Drehbuch zu schreiben (sein erstes), fand selbst, dass ALLEGRO PASTELL sein am wenigsten filmischer Roman ist. Später kam die junge Regisseurin Anna Roller ins Boot, die zunächst das Drehbuch las (und den Roman gar nicht kannte, obwohl auch sie der Generation angehört, die im Film porträtiert wird). Und ihr gelingt es tatsächlich, eine Leerstelle zu inszenieren. Die Bilder von Felix Pflieger sind kuratiert, wirken manchmal wirklich wie Auszüge einer Kunstausstellung. Vor allem unkonventionell wirkt das, auch durch eine interessante Farbgebung, wo vor allem mit Pastelltönen gearbeitet wurde.

Anfänglich waren mir die Figuren erstaunlich unsympathisch. Ich wollte mich nicht mit ihnen identifizieren, fand sie arrogant und unpolitisch. Doch je länger ich las, desto mehr erkannte ich mich oder Menschen aus meinem Umfeld in ihnen wieder – auf unbequeme Art vielleicht, aber doch geradezu sezierend genau beobachtet. Ich kaufte mir den Roman, und als ich am Ende von Tanjas Abschiedsbrief unglaublich berührt war, merkte ich, dass genau das die Aufgabe einer Verfilmung wäre: dieses Spannungsfeld eines kühlen Erzählens auf die Leinwand zu bringen, bei dem man schließlich doch um das Ende dieser Liebe weinen möchte.

Filmemacherin Anna Roller über ihre ersten Eindrücke

Anna Roller erzählt ALLEGRO PASTELL auch über popkulturelle Zitate vom Melt! Festival 2008, auf dem u.a. die Crookers gespielt haben, über Textzeilen der schwedischen Elektropop-Ikone Robyn, bis hin zu Musik, die im Autoradio oder in den Clubs abgefeiert wird. Und sie liefert eine Liebesgeschichte, die wohl nicht hat sein sollen, auch wenn Tanja Arnheim im Film folgendes äußert:

In gewisser Weise haben wir alles erlebt. Hard feelings, mediocre feelings, revival feelings – und wie auch immer der Stand gerade war, verliebt war ich letztlich die ganze Zeit.

Jannis Niewöhner („Je suis Karl“) und Sylvaine Faligant („Club Europa“) überzeugen in den Hauptrollen – und vermitteln das Empfinden dieses Liebespaares in einer Zeit, in der sie sich eigentlich nur um sich selber drehen, kongenial. Die Pandemie wird im Drehbuch und in der Verfilmung von ALLEGRO PASTELL irgendwie schon antizipiert. Leif Randt hat wohl einige Anpassungen vorgenommen. Ist schon wieder eine Weile her, diese Zeit. Erinnern wir uns doch einfach mal an 2018. Was habt ihr da gemacht? So gesehen ist Anna Rollers Film fast schon historisch. Nachdenklich, unterhaltsam und wehmütig zugleich. Und andere Generationen empfinden das vielleicht sogar als Science-Fiction, da sie einfach kaum ein Wort verstehen.

Trailer

ab12

Originaltitel

Allegro Pastell (Deutschland 2026)

Länge

100 Minuten

Genre

Drama / Romanze

Regie

Anna Roller

Drehbuch

Leif Randt, nach seinem gleichnamigen Roman

Kamera / Bildgestaltung

Felix Pflieger

Darsteller

Jannis Niewöhner, Sylvaine Faligant, Haley Louise Jones, Luna Wedler, Martina Gedeck, Wolfram Koch

Verleih

DCM Film Distribution GmbH

Filmwebsite

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