In ihrem autobiografisch geprägten Film 15 LIEBESBEWEISE erzählt die Autorin und Regisseurin Alice Douard eine Geschichte über die Steine, die einem lesbischen Paar 2014 bei Erwartung eines Kindes in den Weg gelegt wurden.
Paris, 2014. Céline (Ella Rumpf) arbeitet als Tontechnikerin und DJ und erwartet ihr erstes Kind. Allerdings ist sie nicht schwanger, denn das Kind wird ihre Frau Nadia (Monia Chokri) zur Welt bringen. Während Nadia mit den üblichen Schwangerschaftsproblemen zu kämpfen hat wie Übelkeit und Atemnot, übt Céline das Muttersein an den Kindern eines Kollegen. Noch kann sie sich überhaupt nicht vorstellen, dass das einmal ihr Alltag sein wird.
Doch damit nicht genug. Obwohl erst vor einem Jahr die „Ehe für alle“ beschlossen wurde, muss Céline dem Staat mit 15 persönlichen Briefen aus dem Freundeskreis beweisen, dass sie für die Rolle als Mutter bereit ist und das Kind adoptieren darf. Sie muss sich also ihren Platz vor dem Gesetz und in den Augen der anderen erst erkämpfen. Das erfordert aber auch, endlich Frieden mit ihrer Mutter (Noémie Lvovsky) zu schließen, deren musikalische Karriere stets über der Familie stand.
Die in Bordeaux geborene Alice Douard legt mit 15 LIEBESBEWEISE ihr Langfilmdebüt vor, dass in der „Semaine de la Critique“ der Filmfestspiele von Cannes Premiere feierte und im Anschluss beim Filmfest Hamburg zu sehen war. Dort wurde er mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Mit dem Film erzählt Douard ihre eigene Geschichte, denn sie war 2014 der nicht-gebärende Teil ihrer Beziehung. Zwar hatte man in Frankreich die „Ehe für alle“ beschlossen, so einfach aufgeben wollten die Konservativen den Status jedoch auch nicht. Also zwangen sie per Gesetz den nicht-schwangeren Teil der Ehe dazu, sich den Status als Mutter erst durch eben diese 15 LIEBESBEWEISE zu erarbeiten. Aus heutiger Sicht eine unerhörte Gängelung. Zum Glück ist das in der heutigen Zeit passé, doch Douard wollte die Geschichte trotzdem erzählen. Nicht um in die äußerst hitzige Debatte vor Öffnung der Ehe zurückzukehren, sondern als eine Art Versöhnungsangebot für die Zeit danach. Und für all die Kinder, die in dieser Zeit geboren wurden.
Die in der Schweiz geborene Ella Rumpf („Raw“, „Die Gleichung ihres Lebens“) legt in 15 LIEBESBEWEISE eine eindrucksvolle Leistung hin. Wie eine Getriebene eilt sie durch das Leben, immer die schwierige Aufgabe vor Augen. Das kommt natürlich nicht von ungefähr, denn die Regieanweisung von Dourd lautete: „Du spielst eine Figur, die sich nicht hinsetzt.“ In dieser Zeit vor der Geburt muss sie ihren Platz finden – sowohl in Bezug auf die Gesetzgebung, als auch körperlich. Das hat mir Alice Douard in unserem Interview beim Filmfest Hamburg verraten.
Die Musik spielt in 15 LIEBESBEWEISE eine wesentliche Rolle. „Ich liebe es, Musiker beim Musizieren zu filmen“, so Douard in unserem Interview. „Grundsätzlich entspricht die Arbeit eines Musikers vor dem Konzert dem Zustand, in dem sich der Film befindet.“ Und wenn Céline am Ende des Films ein Stück von Beethoven spielt, dann zeigt das, dass sich trotz des schwierigen Verhältnisses der beiden etwas von der Mutter auf die nächste Generation vererbt hat.
Mit 15 LIEBESBEWEISE ist Alice Douard ein wundervoller Film gelungen, der zwar eindrucksvoll zeigt, welche irrsinnigen Probleme gleichgeschlechtliche Paare vor gut 10 Jahren hatten, der aber trotzdem mit viel Wärme den Humor und die positive Energie nicht außer Acht lässt und hoffnungsvoll in die Zukunft blickt.
Beim Filmfest Hamburg stand mir die französische Autorin und Regisseurin Alice Douard zu Ihrem Film 15 LIEBESBEWEISE Rede und Antwort. Wir sprachen u.a. über ihre Hauptdarstellerin Ella Rumpf, die visuelle Idee hinter dem Film, den Einsatz von Musik als verbindendes Element zwischen den Generationen und ihren Wunsch, dass die Zuschauer nach dem Film Lust haben, sich zu verlieben.
Des preuves d'amour / Love Letters (Frankreich 2025)
97 Minuten
Drama
Alice Douard
Alice Douard
Jacques Girault
Ella Rumpf, Monia Chokri, Noémie Lvovsky, Emy Juretzko, Julien Gaspar-Oliveri, Jeanne Herry, Aude Pépin, Philippe Petit, Émilie Brisavoine, Hammou Graïa, Tom Harari, Eva Huault, Hamza Meziani
Films That Matter by Luftkind Filmverleih