1000 Arten Regen zu beschreiben

Kinostart: 29.03.2018

FSK noch unbekannt OT: 1000 Arten Regen zu beschreiben (Deutschland 2017)
Länge: 91 Minuten
Genre: Drama
Regie: Isa Prahl
Drehbuch: Karin Kaci
Darsteller: Bibiana Beglau, Bjarne Mädel, Emma Bading, Janina Fautz, Louis Hofmann
Verleih: Film Kino Text – Jürgen Lütz eK

Seit vielen Wochen ist die Tür zu: Mike, gerade 18 geworden, hat sich eingeschlossen. Er ist nicht krank. Er hat sich bewusst dazu entschieden, am Leben draußen nicht mehr teilzunehmen. Die Eltern Susanne (Bibiana Beglau) und Thomas (Bjarne Mädel) sowie Schwester Miriam (Emma Bading) stehen buchstäblich vor seiner Tür ˗ warten, fragen, fordern, flehen, rasten aus, verzweifeln, beschuldigen, ignorieren und hoffen. Dabei wird die Tür zwischen ihnen und Mike mehr und mehr zum Spiegel ihrer eigenen Geschichten. 

Je mehr sie nach Mikes Gründen forschen oder vor ihrer eigenen Ohnmacht fliehen, desto deutlicher werden ihnen ihre eigenen Verkettungen mit einem Leben, das sie nie wirklich hinterfragt haben, und das sie dem entsprechend nie wirklich bewusst angenommen haben. Mikes jüngere Schwester Miriam, die auch gerade mit den Herausforderungen und Zumutungen des Erwachsenwerdens konfrontiert wird, scheint ihren Bruder zu verstehen. Von ihrer Arbeit assimilierte Eltern taugen nicht mehr als Vorbilder für ein Leben. Das macht es Jugendlichen nicht leicht ihren Weg zu finden.

Am Ende erkennen alle drei, dass sie es sind, die Mike sein Zurückgezogensein erst ermöglichen, und dass sie Mike helfen müssen, damit er noch einmal ganz für sich in die Welt finden kann.

Kritik

Was passiert mit einer Famile, wenn sich ein Sohn plötzlich weigert, am Leben teilzunehmen und sich ein- und verschließt? der Film 1000 ARTEN REGEN ZU BESCHREIBEN versucht dieser Frage auf den Grund zu gehen…

Zu Beginn ist es noch Verständnis. Alle versuchen, die Situation des Sohnes, des Bruders zu verstehen. „Das ist doch nur eine Phase“ denken alle und suchen nach Wegen, die selbst gewählte Isolation zu beenden. Doch alle Versuche scheitern. 

Die Regisseurin Isa Prahl beleuchtet in 1000 ARTEN REGEN ZU BESCHREIBEN ausschließlich den Umgang der Familie mit der ungewohnten Situation. Über die Beweggründe des Rückzugs lässt uns das Drehbuch von Karin Kaci völlig im Dunkeln. Nur Fragmente des Lebens vor der Entscheidung, sich im Zimmer einzuschließen, dringen zum Zuschauer vor, tragen aber auch nicht zur Beantwortung dieser Frage bei. 

Während die Schwester noch am meisten Verständnis aufbringt, reißt Bjarne Mädel als Vater mehr als einmal der Geduldsfaden. Vermutlich trägt der Frust in seinem Job dazu bei, dass er sich wenigstens zu Hause ein wenig Harmonie wünscht. Dass sich die Mutter eine Art Ersatzsohn sucht, zählt vielleicht zu den verstörendsten Elementen des Films. 

Am Ende, wenn jegliches Verständnis aufgebraucht ist, bleibt nur noch die einzig logische Konsequenz. Die wirkt im ersten Moment vielleicht etwas hart, doch was wären die Alternativen?

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Filmplakat

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