Willkommen bei den Hartmanns

Kinostart: 03.11.2016

OT: Willkommen bei den Hartmanns (Deutschland 2016)
Länge: 116 Minuten
Genre: Komödie
Regie: Simon Verhoeven
Drehbuch: Simon Verhoeven
Darsteller: Senta Berger, Heiner Lauterbach, Florian David Fitz, Palina Rojinski, Elyas M'Barek, Uwe Ochsenknecht, Ulrike Kriener, Eric Kabongo

Alles beginnt, als Angelika Hartmann (Senta Berger), frisch pensionierte Lehrerin und Mutter einer von Alltagsproblemen geplagten gutbürger­lichen Familie, eines Tages beschließt, einen Flüchtling aufzunehmen. Angelika ist einsam, seit die Kinder aus dem Haus sind. Ihr Mann (Hei­ner Lauterbach), Chefarzt einer Klinik, versucht mit allen Mitteln, den Alterungsprozess aufzuhalten. Sohn Philip (Florian David Fitz) driftet in Businesswelten zwischen Shanghai und München, dabei bleibt die Beziehung zu seinem Sohn Basti (Marinus Hohmann) etwas auf der Strecke, Tochter Sophie (Palina Rojinski) weiß mit 31 immer noch nicht, was sie will. Der ganz normale Familienwahnsinn also, in den der Nigerianer Diallo (Eric Kabongo) gerät – und auf seine charmant­ naive Art das Leben der Hartmanns ziemlich durcheinander wirbelt. Ein turbulenter Zustandsbericht aus einem fast normalen Land, in dem alle etwas verwirrt sind… 

Kritik

Mit WILLKOMMEN BEI DEN HARTMANNS kommt jetzt bereits die dritte „Flüchtlingskomödie“ nach WELCOME TO NORWAY und OSTFRIESISCH FÜR ANFÄNGER in die deutschen Kinos. In diesem Fall nimmt sich Simon Verhoeven des aktuellen Themas an. 

Der Trailer lässt erst einmal vermuten, dass es sich um die typische, deutsche TV-Unterhaltung handelt: Wir nehmen uns ein aktuelles Thema und ziehen es durch den Kakao, möchten dabei aber niemandem auf die Füße treten. Entsprechend habe ich mich mit einer extrem geringen Erwartungshaltung in die Pressevorführung begeben. Ein Teil meiner Befürchtungen wurden dann leider auch erfüllt, denn WILLKOMMEN BEI DEN HARTMANNS bewegt sich tatsächlich in etwa auf dem Niveau der alltäglichen öffentlich-rechtlichen Fernsehspiel-Unterhaltung. Für meine Begriffe hätte Verhoeven durchaus auf ein paar Handlungsstränge verzichten und stellenweise ein wenig mehr Ernsthaftigkeit an den Tag legen können. Aber mit dieser Betrachtung würde man dem Film dann doch Unrecht tun.

In WILLKOMMEN BEI DEN HARTMANNS steckt bei näherer Betrachtung doch eine ganze Menge Potential. Der Film greift nahezu jedes Vorurteil auf, das derzeit in unserer Gesellschaft grassiert, wie z.B. „Ich traue mich abends nicht mehr auf die Straße“. Mal widerlegt Verhoeven diese Vorurteile mit einer Geste oder einem Wimpernschlag, hin und wieder nimmt das Auseinandernehmen aber auch mehr Zeit in Anspruch.

Mit all seinen facettenreichen Figuren bildet der Film einen umfangreichen Spiegel unserer aktuellen Gesellschaft und somit auch der unterschiedlichen Wahrnehmungen unserer Probleme. 

Man könnte dem Film dafür kritisieren, dass er manche Blickwinkel zu oberflächlich abarbeitet, aber wenn auch nur ein Bruchteil unserer Mitbürger nach diesem Film einmal ihre eigenen Gedanken hinterfragen, dann hat er seinen Zweck mehr als erfüllt. Es ist nämlich nicht immer alles in schwarz und weiß zu trennen und wir müssen lernen, auch die feinen Nuancen dazwischen zu erkennen. 

So ist WILLKOMMEN BEI DEN HARTMANNS vielleicht nicht das große Meisterwerk, aber immerhin ein interessanter Film, der unsere aktuelle Krise mit sehr viel Humor durchaus treffend analysiert. 

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Trailer

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Filmplakat

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