Victoria

Kinostart: 11.06.2015

OT: Victoria (Deutschland 2015)
Länge: 139 Minuten
Genre: Drama
Regie: Sebastian Schipper
Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neegard-Holm, Eike Frederik Schulz
Darsteller:

Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André M. Hennicke, Anna Lena Klenke, Philipp Kubitza

Eine Stunde noch, dann neigt sich auch diese Nacht in Berlin wieder dem Ende zu. Vor einem Club lernt Victoria (Laia Costa), eine junge Frau aus Madrid, vier Berliner Jungs kennen – Sonne (Frederick Lau), Boxer (Franz Rogowski), Blinker (Burak Yigit) und Fuß (Max Mauff). Der Funke zwischen ihr und Sonne springt sofort über, aber Zeit füreinander haben die beiden nicht. Sonne und seine Kumpels haben noch etwas vor. Um eine Schuld zu begleichen, haben sie sich auf eine krumme Sache eingelassen. Als einer von ihnen unerwartet ausfällt, soll Victoria als Fahrerin einspringen. Was für sie wie ein großes Abenteuer beginnt, entwickelt sich zunächst zu einem verrückten euphorischen Tanz – und dann schnell zum Albtraum. Während der Tag langsam anbricht, geht es für Victoria und Sonne auf einmal um Alles oder Nichts… 

Kritik

Gleich die allererste Szene stellt klar, um wen es hier geht: VICTORIA. Die Kamera klebt an ihrem Gesicht, während sie ausgelassen im Club tanzt. Jetzt sollte die Nacht eigentlich für sie zu Ende sein, doch es kommt alles anders, als erwartet.

Genauso verhält es sich eigentlich auch mit dem deutschen Film. Immer wenn man denkt, dass es nichts neues, nichts innovatives mehr gibt, kommt ein Regisseur wie Sebastian Schipper daher und stellt die (Film-) Welt auf den Kopf.

Doch gehen wir ein paar Jahre zurück. Während der Dreharbeiten zum Film I AM HERE von Anders Morgenthaler, in der Schipper neben Kim Basinger in der Hauptrolle mitspielt, lernt er den Kameramann Sturla Brandth Grøvlen kennen. Begeistert von seiner Arbeit überzeugt er ihn, an seinem nächsten Film mitzuwirken. Ein Glücksgriff, denn VICTORIA wäre ohne die Künste dieses Kameramannes sicherlich nicht halb so gut geworden.

Das Besondere an diesem Film ist nämlich die Tatsache, dass er komplett an einem Stück gedreht wurde. Keine Schnitte stören den Verlauf des Filmes, aber das bedeutete auch, dass Grøvlen die Kamera knappe zweieinhalb Stunden tragen musste. Alles musste perfekt vorbereitet sein, denn nur ein falsch geparktes Auto, ein falscher Schritt, und die ganze Aufnahme wäre umsonst gewesen. Drei Mal wurde der Film aufgenommen und aus dem zweiten Take wurde dann der Kinofilm. Allein aus technischer Sicht ist VICTORIA ein Meisterwerk.

Doch Sebastian Schipper wäre kein guter Regisseur, wenn er nicht auch auf den Inhalt achten würde. Das wissen wir nicht erst, seitdem er mit ABSOLUTE GIGANTEN „den“ Hamburg-Film schlechthin gedreht hat. So erzählt dieser Film eine unglaublich intensive Geschichte, die nicht für alle Protagonisten gut endet.

Dem Film gelingt aber noch etwas ganz Besonderes: Wir treffen hier auf vier Gestalten, denen die meisten von uns gezielt aus dem Weg gehen würden, wenn sie sie auf der Straße sehen würden. Im Film entwickelt man als Zuschauer gegen Anfang genau dieses Gefühl, doch im Laufe des Films wandelt sich das in eine gewisse Art von Respekt. Zwar heißt man die Taten der vier nicht zwingend willkommen, man kann aber ihre Beweggründe zum Teil nachvollziehen und fiebert mit ihnen.

So bleibt man nach geschlagenen 139 Minuten mit einem offenen Mund im Kinosessel zurück und ist sich verdammt sicher, gerade einen Meilenstein des (deutschen) Kinos erlebt zu haben. So, genau SO, sieht echtes Kino aus.

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Filmplakat

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