Shirley – Visionen der Realität

Kinostart: 18.09.2014

OT: Shirley – Visionen der Realität (Österreich 2013)
Länge: 93 Minuten
Genre: Drama
Regie: Gustav Deutsch
Drehbuch: Gustav Deutsch
Darsteller: Stephanie Cumming, Christoph Bach, Florentin Groll, Elfriede Irrall, Tom Hanslmaier
Siegfried Bendix gefällt dieser Artikel

In 13 durch den Film zum Leben erweckten Gemälden von Edward Hopper wird die Geschichte einer Frau erzählt (Story), die uns durch ihre Gedanken, Gefühle und Reflexionen eine Epoche der Amerikanischen Geschichte betrachten lässt (History). 

Shirley ist eine Frau im Amerika der 30er, 40er, 50er und frühen 60er Jahre. Eine Frau, die in ihrem beruflichen und gesellschaftspolitischen Engagement den Lauf der Geschichte mitbestimmen möchte. Eine Frau, die die Wirklichkeit der Depressionsjahre, des Weltkriegs, der McCarthy-Ära, der Rassenkonflikte und Bürgerrechtsbewegungen nie als Gegebenheit ansieht, sondern als gemacht und veränderbar. Eine Frau, die als Schauspielerin mit der Inszenierung von Realität, mit der Darstellung von Wirklichkeit vertraut ist, die nicht in der Einzelkarriere und als Star ihre Zukunft und Bestimmung sieht, sondern als Mitglied eines Kollektives gesellschaftliche Wirksamkeit des Theaters anstrebt. Eine Frau, die sich mit dem herrschenden Rollenbild einer Ehegattin nicht identifiziert und dennoch einen Lebenspartner haben möchte. Eine Frau, die sich im Moment der beruflichen Krise nicht arrangiert, keine Kompromisse eingeht und sich trotzdem nicht scheut Jobs anzunehmen, die ihr das Überleben sichern. Eine Frau, die sich im Moment der privaten Krise für den Partner entscheidet und ihre beruflichen Interessen zurückstellt. Eine Frau, die auf politische Repression mit Wut aber nicht mit Verzweiflung reagiert und die für Verrat nur Verachtung übrig hat.

Kritik

Die Idee ist erst einmal schlichtweg genial. Man nehme 13 Bilder des bekannten Malers Edward Hopper(1882–1967), stelle sie in einem Filmstudio nach und erwecke sie damit zum Leben. Das ist dem österreichischen Filmemacher und Künstler Gustav Deutsch auch erstaunlich gut gelungen. Die Szenen sehen in der Tat exakt so aus wie Hoppers Bilder und als Zuschauer fragt man sich immer wieder, wie man gerade die weichen Kanten und die nüchterne Lichtgestaltung so perfekt nachstellen konnte. Dafür verdienen die Macher in der Tat großen Respekt.

Leider sind jedoch die Dialoge dermaßen künstlerisch „aufgedröselt“, dass man am Ende zwar dreizehn wunderschöne Bilder gesehen hat, sich allerdings partout nicht daran erinnern kann, welche Geschichte der Film überhaupt erzählt hat. Zudem wäre es interessant gewesen – zumindest im Abspann – einmal die Originalbilder im Vergleich sehen zu können. Doch das verwehrt uns der Film leider.

In der Summe bleibt SHIRLEY – VISIONEN DER REALITÄT ein ambitioniertes und sehenswertes Werk, das den Zuschauer aber mit zu vielen Fragezeichen zurücklässt und dadurch dann doch ein wenig enttäuscht.

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Filmplakat

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