SCHÄNDUNG: Interview mit Fares Fares

Einen Tag nach der Premiere des Filmes SCHÄNDUNG, dem zweiten Teils der Jussi Adler-Olsen Reihe nach ERBARMEN haben wir den Schauspieler Fares Fares zum Interview getroffen. 

Wie kurz war Ihre Nacht?

Sehr kurz, wie Sie vielleicht sehen können (lacht). Wir waren noch in einer Bar und haben gefeiert.

Sie müssten sich inzwischen aber doch auch ein wenig in Hamburg auskennen, nachdem Sie hier schon zwei Filme gedreht haben?

Nein, denn wenn Du hier einen Film drehst, dann sitzt Du meist in irgendeinem Auto und man fährt Dich irgendwo hin. Wir gehen nicht aus oder unternehmen sonst irgendetwas, wenn wir hier sind. Man lernt eine Stadt kennen, wenn man vielleicht vier oder fünf Monate dreht, aber hier waren es gerade mal zwei Wochen.

Sowohl ERBARMEN, als auch SCHÄNDUNG haben hier auf dem Filmfest Hamburg Premiere gefeiert. Können wir vielleicht inn den kommenden Jahren eine gewisse Tradition erwarten?

Hoffentlich! Wobei das eventuell schwierig wird. Wir haben die ersten beiden Filme im Herbst gedreht, während der dritte jetzt erst im Sommer gedreht wird. Ich weiß nicht, ob das den Starttermin beeinflussen wird. Falls nicht, wird er sicherlich auch wieder hier in Hamburg Premiere feiern.

Wie sind Sie an Bord dieses großen Projekts gekommen? Es handelt sich ja letztendlich um mindestens vier Filme.

Mikkel Nørgaard (Regisseur) und Louise Vesth (Produzentin) haben mich angerufen und gefragt, ob ich Interesse habe. Dann haben wir uns mit Nikolai Lie Kaas in Kopenhagen getroffen und festgestellt, dass zwischen uns eine gute Energie herrschte.

Und das, obwohl Sie die Bücher gar nicht kannten, wie Sie auf der Premiere erwähnten.

Das stimmt, ich kannte überhaupt nichts, abgesehen von Nikolai und Zentropa, der Produktionsfirma.

Können Sie und irgendeine Szene nennen, die in Hamburg gedreht wurde, denn Hamburg als Stadt kann man ja nicht wirklich erkennen?

Die Szene, in der wir mit dem Lehrer über die Vergewaltigung sprechen wurde definitiv in Hamburg gedreht, denn das fand am ersten Drehtag statt. Eigentlich sind die meisten Außenaufnahmen in Deutschland gedreht worden und wir waren zudem noch für zwei Wochen in Köln. In der Summe waren wir also vier oder fünf Wochen in Deutschland.

Ihre Rolle im Film unterscheidet sich ein wenig von der Figur in den Büchern. Im ersten Teil haben Sie einen deutlichen arabischen Hintergrund und beten, aber davon ist im zweiten Teil nichts mehr zu sehen. Haben Sie das geändert oder stand das so alles im Script?

Für meine Begriffe ist die Religion etwas Spirituelles, dass die Menschen für sich behalten und nicht predigen sollten. Wenn er jetzt mitten in irgendwelchen Lagebesprechungen beten würde, dann würde das zu sehr ablenken. Darüber waren wir uns einig, daher haben wir auf religiöse Anspielungen verzichtet.

Er ist ja auch ganz offensichtlich nicht der typische Klischee-Typ.

Nein, zumindest nicht im Film. Im Buch gab es diverse Punkte, die wir aber weggelassen haben, bzw. verändert haben. Zum Beispiel im ersten Film: Wenn Carl zum ersten Mal die Treppe in den Keller herunterkommt, läuft im Buch dort arabische Musik im Hintergrund. Ich selbst höre so etwas überhaupt nicht. Das war uns zu klischeehaft, denn viel wahrscheinlicher würde der Typ Hip-Hop hören. Daher haben wir dann diese Musik eingesetzt. Dadurch sind die beiden im Film gleichwertigere Partner als im Buch, wie ich finde. Die Figuren sind interessanter und ergänzen sich mehr.

Wissen Sie, wie sehr Jussi Adler-Olsen am Film beteiligt war?

Ich glaube nicht sehr viel, was den Prozess des Scriptschreibens oder des Drehs oder der Nachbearbeitung.

Also war er auch nie am Set vor Ort?

Nein, niemals.

Ihre Karriere begann im Jahr 2000 mit JALLA! JALLA!, dann kam KOPS und sogar ZERO DARK THIRTY. Hat das Alter Ihre Art von Schauspielerei verändert?

Natürlich (lacht). Das Alter verändert jeden Schauspieler, so wie es auch jeden Menschen verändert. Man gewinnt ja schließlich an Erfahrung.

Aber sicherlich haben dazu auch die Gelegenheiten beigetragen, die sie bislang hatten, von der Comedy bis zum Drama, oder?

Ich habe mich freiwiliig von der Comedy zum Drama bewegt. Seit KOPS (2003) habe ich tatsächlich keine Komödie mehr gemacht. Selbst davor habe ich schon am Theater gespielt und auch das war keine Komödie. Es gab also eigentlich nur diese beiden Komödien.

Also fühlen Sie sich in der Welt des Dramas wohler?

Ja, aber selbst wenn Sie meine Rolle in JALLA! JALLA! aus dem komödiantischen Kontext herausnehmen, war er ein normaler Typ. Ich habe nur eine Rolle gespielt. In KOPS war das naürlich vemehrt nur Situationskomik.

Jetzt spielen Sie wieder in einer TV-Serie?

Ja, ich habe SAFE HOUSE, ZERO DARK THIRTY und eine Serie mit dem Titel TYRANT gemacht, sowie einen Film namens CHILKD 44 mit Tom Hardy und Gary Oldman, der in diesem Jahr herauskommen wird.

Sollte nicht sogar Philip Seymour Hoffman darin mitspielen?

Ja, ursprünglich, aber dann wurde er krank und Vincent Cassel hat die Rolle übernommen.

Sie stammen aus Schweden und der Film wurde auf dänisch gefilmt. Ich weiß nicht, wie sehr sich die Sprachen unterscheiden, aber sprechen Sie beide?

Nun, ich spreche sie jetzt, oder zumindest im Film. Sie sind tatsächlich sehr unterschiedlich. Für den ersten Film habe ich zweieinhakb Monate lang eine Schule besucht, um die Sprache zu lernen. Was das Ganze erschwert, ist die Tatsache, dass sie doch recht änhnlich sind. Sich nicht schwedisch anzuhören war die wohl größte Herausforderung. Wir haben das aber wohl recht gut gelöst, so dass die meisten Leute mich nur für einen Dänen mit einem Akzent gehalten haben. Ich habe sowieso einen Akzent und soll auch einen haben. Insofern war es perfekt.

Sie haben vor Kurzem mit Cary Fukunaga zusammengearbeitet? Was war das für eine Projekt?

Das war ein Kurzfilm für die Bekleidungs- und Juwelerie-Firma Maiyet, die ihre Produkte hauptsächlich in Keniaherstellt. Daher habe wir auch dort gedreht. Es ist kein wirklicher Werbespot, sondern eine Geschichte, die erzählt wird. Es geht um einen Mann und eine Frau, die eben die Bekleidung der Firma trägt. Der Film wurde nur von Maiyet produziert, ist aber eben kein klassischer Werbespot.

Sie kommen viel in der Welt harum, wie man an ZERO DARK THIRTY sehen kann. Dann nach Kenia für den Kurzfilm, nach Israel für TYRANT…

Genau, und SAFE HOUSE wurde in Kapstadt gedreht und CHILD 44 in Prag. Ja, ich reise in der Tat sehr viel und verbringe die meiste Zeit zwischen den Drehs in Los Angeles.

Welche Arbeitsweise der Filmcrews sagt Ihnen denn mehr zu, die skandinavische, die deutsche oder die amerikanische?

Wenn man vor der Kamera steht gibt es dort eigentlich keine großen Unterschiede. Letztendlich kommt es nur auf einen Menschen an, der auf den roten Button drückt und etwas aus dem Schauspieler herausholt. Natürlich ist das Team bei einer großen Produktion auch entsprechend größer, aber im Kern fühlt sich das gleich an.

Was bedeutet Ihnen die Schauspielerei?

Alles, denke ich. Es ist mein Leben und gleichzeitig mein Hobby. Ich habe schließlich bereits mit fünfzehn Jahren mit der Schauspielerei angefangen.

Im Film herrscht zwischen Ihnen beiden eine wunderbare Chemie, die mich als Zuschauer glauben lässt, dass Sie auch im echten Leben schon jahrelang gut befreundet sind.

Wir sind auf jeden Fall jetzt sehr gute Freunde, das ist sicher. Das ist schwer zu erklären, woher das kommt. Wahrscheinlich haben wir einfach nur Glück und das ist alles. Ich habe das bemerkt, als ich mich das erste Mal in Kopenhagen mit Nicolai Lie Kaas und Mikkel Nørgaard getroffen habe. Zwischen uns dreien herrscht eine wunderbare Chemie, die einfach von Beginn an vorhanden war. Wir fühlen uns wie ein starkes Team.

In den nächsten Teilen wird die Rolle der Rose noch weiter ausgebaut. Können Sie dazu schon verraten, in welche Richtung das gehen wird, da es sich vom Buch unterscheiden soll?

Ich weiß es ehrlich gesagt gar nicht. Ich habe das Drehbuch des dritten Teils noch gar nicht gelesen. Das kann ich also leider gar nicht beantworten.

Haben Sie Zeit, selbst auch mal ins Kino zu gehen?

Natürlich. Das ist neben den Videospielen wahrscheinlich mein größtes Hobby. Ich gehe sogar sehr häufig ins Kino, wenn ich die Zeit dazu habe, besonders wenn ich in Los Angekles bin.

Werden Sie sich während des Filmfests Hamburg noch andere Filme ansehen?

Heute Abend werde ich mir THE CUT, den neuen Film von Fatih Akin sehen, der einer meine Lieblingsregisseure ist. Ich bin sehr gespannt darauf.

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Ich fange seht zeitnah ein neues Projekt an, aber da es darüber noch keine Pressemitteilung gab, darf ich darüber leider noch kein Wort verlieren. In 2015 gibt es dann eine zweite Staffel von TYRANT, den dritten Teil dieser Filmreihe und ein schwedischer Film. Das sind diejenigen, von denen ich bislang weiß.

Wie ist denn das Leben in Los Angeles?

Das für mich wie ein zweites Zuhause. Die meiste Arbeit in den letzten vier Jahren fanden in den USA statt, abgesehen von diesen beiden Adlier-Olsen-Filmen. So ist L.A. Für mich auch so etwas wie eine zweite Workbase.

Das ist sicherlich nicht der schlechteste Ort zum Leben.

Keinesfalls, das Wetter ist schon wirklich toll.

Aber der Wettbewerb ist doch extrem stark, oder?

Natürlich ist er dort höher, als wenn ich in Stockholm arbeiten würde. Aber wenn ich im Ausland arbeiten möchte, dann mache ich das lieber in L.A. Und bislang läuft das ja ganz gut.

Vielen Dank für das Interview.

 

Das Interview haben wir am 27.09.2014 im Rahmen des Filmfests Hamburg geführt.

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