Remainder

Kinostart: 12.05.2016

OT: Remainder (Großbritannien / Deutschland 2015)
Länge: 103 Minuten
Genre: Drama
Regie: Omar Fast
Drehbuch: Omar Fast, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Tom McCarthy
Darsteller: Tom Sturridge, Cush Jumbo, Es Speleers, Danny Webb, Nicholas Farrell, Arsher Ali
Mathias Wagner gefällt dieser Artikel

Ein großer, schwerer, unförmiger Gegenstand durchschlägt das Glasdach des urbanen Atriums und trifft einen jungen Mann. Als Tom (Tom Sturridge) aus dem Koma erwacht, hat er das Gedächtnis verloren. Alles, was bleibt, sind die achteinhalb Millionen Pfund Entschädigung, mit der sich der Konzern, der offenbar die Verantwortung für den Unfall trägt, das Stillschweigen des Opfers erkauft hat – und ein paar fragmentarische Erinnerungsfetzen. Ein Haus; eine Frau, die Rinderleber brät; die fernen Töne einer Klavierfuge; ein kleiner Junge im blau-roten Anorak, der oben im Treppenhaus steht und die Hand mit einer Münze ausstreckt. 

Freunde tauchen auf, an die er sich nicht erinnert, der joviale Greg (Ed Speleers), die geheimnisvolle Catherine (Cush Jumbo), zwei Männer auf der Suche nach einem Koffer. Er gerät in Situationen, die er schon einmal erlebt zu haben scheint. Tom versucht seine Vergangenheit, seine Identität, sein gelebtes Leben aufzuspüren und zu rekonstruieren.

Mit Hilfe des unerschütterlichen Naz (Arsher Ali) und dessen Consultingfirma “Time Control” findet er das Gebäude aus seiner Erinnerung – oder stammt es aus seinen Träumen? Er kauft das Haus und wirft die Mieter hinaus. Schauspieler ziehen ein, die die immergleichen Szenen aus seinen Erinnerungen nachstellen, aufgezeichnet von unzähligen Kameras und beobachtet von Tom. Andere Erinnnerungsfetzen blitzen auf, das Bild scheint sich langsam anzureichern, ein Bankraub könnte eine Rolle gespielt haben.

Immer obsessiver schafft sich Tom eine Welt, die seine gewesen sein könnte. Die nachgestellten Szenen werden komplizierter, aufwändiger und gefährlicher, bis die Gegenwart die Vergangenheit, die Träume und Erinnerungen die Wirklichkeit einzuholen scheinen. Es gibt keine Grenze mehr.

Kritik

Nichts ist so, wie es scheint. Oder doch? REMAINDER, das Regiedebut des Installationskünstlers Omar Fast wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet. Oder vielleicht doch nicht?

REMAINDER ist ein durchaus beeindruckender Film, der einen Ausschnitt des Lebens eines Menschen zeigt, der versucht, sein Leben nach einem schweren Unfall wieder in den Griff zu bekommen. Die Methoden, die er dazu anwendet, sind – gelinde gesagt – etwas merkwürdig. Je weiter der Film fortschreitet, desto mehr verschwimmen Zukunft und Vergangenheit zu einer homogenen Masse, die nur schwer greifbar ist.

REMAINDER beginnt und endet in exakt derselben Einstellung und legt so die Vermutung nahe, dass es sich hier um eine Art Endlosschleife handelt. Aber das ist nur eine von vielen Deutungsmöglichkeiten des Filmes. In jedem Fall ist REMAINDER ein Film, der zum Nachdenken anregt. Er lässt den Zuschauer mit Fragen zurück, die sich dieser im Nachhinein selbst erarbeiten muss. Das ist schlichtweg beeindruckend und absolut sehenswert.

Über REMAINDER könnte man noch viele Aspekte näher begutachten, sei es der Schnitt, das Setting oder einfach nur das Colorgrading. In allem aber merkt man, dass sich Omar Fast hier extrem viele Gedanken gemacht hat. Ein beeindruckendes Erstlingswerk.

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Filmplakat

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