„Ich brauche in Filmen immer Humor, um die dramatischen Ereignisse zu verankern“ – Mark Noonan und Aiden Gillen über ihren Film FAMILIENBANDE

Als ich im Juni 2015 zu ersten Mal das Edinburgh International Film Festival besucht habe, war ich schier überwältigt von der wunderbaren Filmauswahl des Veranstalters. Einer meiner absoluten Highlights war der irische Film YOU’RE UGLY TOO, der jetzt unter dem Namen FAMILIENBANDE in den deutschen Kinos angelaufen ist. In meiner Kritik habe ich bereits ausführlich geschrieben, warum der Film für mich zu den schönsten und besten des Kinojahres zählt. In Berlin hatte ich jetzt zudem die Möglichkeit, mit dem Regisseur Mark Noonan und dem Hauptdarsteller Aiden Gillen (bekannt aus GAME OF THRONES oder THE MAZE RUNNER) über ihren Film zu sprechen. Beide entpuppten sich dabei als äußerst charmante Redepartner, wie sich im nachfolgenden Interview hoffentlich erkennen lässt.


Zuerst einmal vielen Dank für solch einen wunderbaren Film. Ich habe ihn bereits im Juni beim Edinburgh International Film Festival sehen dürfen und er zählte dort neben CHICKEN von Joe Stephenson zu meinen beiden absoluten Highlights.

Mark Noonan: Vielen Dank!

Wie sind sie auf diese Geschichte gekommen?

Mark Noonan: Zuerst einmal wollte ich etwas für Aiden Gillen schreiben. Da ich mit seinem Bruder befreundet bin, wusste ich, dass ich ihm ein Drehbuch zukommen lassen konnte. Aber dazu benötigte ich erst einmal ein so tolles Drehbuch, zu dem er nicht nein sagen konnte. Ich wollte ihm aber etwas Humorvolles schreiben und ihn nicht wieder nur als Bösewicht oder als Typen sehen, der keinen Sinn für Humor hat.

Aidens Mutter berichtete mir dann von dem Film TREACLE JR., den er 2010 gedreht hatte. Darin spielt er einen ziemlich lustigen, warmherzigen, einnehmenden und charismatischen Charakter. Sie erzählte mir, dass sie es liebt, ihren Sohn lächelnd auf der Leinwand zu sehen, aber eben nicht mit einem diabolischen Lächeln, so wie er es oft in GAME OF THRONES zeigen muss. Also wollte ich genau so eine Rolle für ihn schreiben.

Außerdem wollte ich mit jungen Menschen arbeiten und fand ein wirklich tolles Mädchen, mit dem man arbeiten konnte. Beide brachte ich dann von Dublin in die Midlands, wo ich selbst aufgewachsen bin. Ich habe mir zudem Filme angeschaut wie z.B. PAPER MOONS, ALICE IN THE CITIES und Filme von den Dardenne-Brüdern. Ich wollte eine einfache Geschichte erzählen, die von der emotionalen Beziehung einer Vaterfigur und einem jungen Mädchen handelt, die beide jeweils ein eigenes Hindernis zu überwinden haben. Seines ist es, eine gute Vaterfigur zu sein und ihres ist die Narkolepsie, sowie ihr Leben nach all den dramatischen Ereignissen neu beginnen zu müssen.

Es gab also viele Beweggründe, aber im Prinzip wollte ich eben eine dramatische Geschichte mit sehr viel Humor machen, die dort spielt, wo ich aufgewachsen bin.

Also kannten Sie beide sich gar nicht, als Sie sich entschieden, das Drehbuch zu schreiben?

Aiden Gillen: Nein, aber ich hatte einmal zugestimmt, in einem Kurzfilm mitzuspielen, den Mark machen wollte, der aber nie zustande gekommen ist. Aber wir kannten uns nicht wirklich. Ich wusste auch nicht, dass er an einem Drehbuch speziell für mich arbeitet. Mein Bruder hat es mir dann gegeben. Ich bin immer sehr ehrlich, wenn es um die Auswahl meiner Rollen geht. Manchmal merke ich, dass ich für ein Projekt der Falsche bin, daher habe ich mir geschworen, dass ich dann niemals zusagen werde. Vielleicht ist das Drehbuch gut, aber die Rolle falsch. Es spielt aber auch keine Rolle, welche Dimension die Produktion hat. Wenn diese ganz klein ist, es aber die richtige Rolle ist und die Leute wollen, dass ich sie spiele, dann versuche ich es auch. Man muss nur die richtige Person für die Rolle sein.

Familienbande 04

Ich habe Mark innerhalb weniger Stunden eine Antwort gegeben, weil sich das Drehbuch sehr gut lesen lies. Warum es sich so einfach lesen lies? Nun, weil die Leute darin nicht die ganze Zeit am Reden sind und es sehr visuell beschrieben war. Manchmal komme ich gar nicht bis zum Ende eines Drehbuchs, weil es einfach so unfassbar viele Dialoge darin gibt. Für mich war es auch sehr schön, innerhalb weniger Stunden zu Mark sagen zu können: „Los, lass uns das machen“. Dann hat es aber noch über ein Jahr gedauert,

Mark Noonan: Ja, er war halt sehr beschäftigt und sagte mir, dass er in sechs Monaten eine Lücke habe und ob ich auf ihn warten könne. Dem habe ich natürlich sofort zugestimmt. Das gab uns genug Zeit, um das richtige Mädchen zu finden, denn Aiden meinte schon, dass wir eine wirklich gute Darstellerin finden müssten, so etwas wie die nächste Saoirse Ronan. Schließlich ruht im Film eine große Last auf ihr. Sie muss sehr viel harte Arbeit leisten, während Aiden sich nur ein bisschen über sie lustig macht. Sie ist in jeder einzelnen Szene mit ihm zu sehen, was alleine schon schwierig ist, da sie gerade erst zwölf geworden ist. Wir waren sehr glücklich, als wir sie gefunden haben.

Lauren Kinsella ist in der Rolle der Stacy wirklich stark. Wo haben Sie sie denn gefunden?

Es gibt in Irland eine Schauspielerin namens Mary Murray, die einen tollen Improvisations-Workshop leitet. Es ist kein Schauspielkurs und viele Kinder gehen dorthin, um ihre Schüchternheit zu überwinden. Lauren und ihr Bruder – der im Film übrigens Richies kleinen Sohn spielt – haben daran teilgenommen, um ein wenig aus ihrer Hülle auszubrechen. Mary ist ziemlich clever im Umgang mit Kinder und lässt sie schauspielerische Spiele spielen. Dabei merken die Kinder aber nicht, dass sie schauspielern, weil sie denken, dass sie lediglich spielen. Es geht nur darum, dass sie sich wohlfühlen, während sie mit etlichen anderen Personen interagieren.

Familienbande 03

Ich war dort und habe mir viele Kinder angesehen. Lauren war zu dem Zeitpunkt sogar gar nicht dort, kam dann aber zum Vorsprechen. Wir haben sie aufgenommen und wussten sofort, dass wir das Vorsprechen umgehend abbrechen konnten. Wir waren sehr erleichtert, weil wir wussten, dass Aiden das schauspielerische Talent von Lauren lieben würde. Am ersten Drehtag war das dann auch wirklich so und Aiden gefiel ihrer beider Beziehung am Set. Wir haben sie übrigens erst am ersten Drehtag aufeinander treffen lassen, weil Aiden das so vorgeschlagen hatte. Das war eine ziemlich gute Idee, denn so hatte ihre Anziehung eine gewisse Frische.

Wie Sie bereits erwähnten, haben Sie in den Midlands gedreht. Haben Sie das ausschließlich gemacht, weil Sie dort aufgewachsen sind? Oder gab es noch andere Gründe?

Mark Noonan: Natürlich in erster Linie, weil ich dort aufgewachsen bin, aber dann auch, weil man diese Landschaft so selten in Filme sieht – und falls doch, dann immer in einer ziemlich negativen Art und Weise. Das wollte ich anders machen und es auch ein wenig schön aussehen lassen. Wenn die Sonne da war, dann haben wir zum Beispiel immer in die Sonne hinein gedreht. Außerdem haben wir Locations gesucht, die außergewöhnlich und markant sind, aber trotzdem schön. Es ist schon eine ziemlich leere Landschaft, die ein wenig die emotionalen Interaktionen der Figuren reflektiert. Wir zeigen den Caravan-Park ein in etwa wie einen verlassen Ort, denn es gibt dort niemanden außer den vier Figuren. Vielleicht warten sie alle auf etwas Besseres, aber hier müssen sie erst einmal miteinander klarkommen.

Familienbande 10

Aiden Gillen: Die Landschaft der Midlands ist in der Tat nur selten in Filmen zu sehen. Es gibt zwar ein paar Filme, aber nicht wirklich viele. Wir waren auch nicht sicher, ob wir nun Glück oder Unglück hatten, denn es kam ein ziemlich starker Sturm auf, kurz bevor wir dort drehen wollten. Es gab so schwere Regenfälle wie vielleicht in den letzten 100 Jahren nicht mehr. Aber es hinterließ viele Wasserpfützen auf dem Boden und man konnte deutlich sehen, dass der Grundwasserspiegel knapp unterhalb des Bodens liegen musste.

Mark Noonan: Die Sonne spiegelte sich darin so wunderbar wieder.

Aiden Gillen: Alles reflektierte silberfarben, wir hatten einen strahlend blauen Himmel in einer Landschaft direkt nach dem Sturm.

Mark Noonan: Wir mussten nur am ersten Drehtag abbrechen, weil der Regen zu stark war, aber in den restlichen drei Wochen hatten wir strahlenden Sonnenschein.

Aiden Gillen: Und das war wieder unser Glück, denn selbst ein einziger Regentag kann eine immense Auswirkung auf den Film haben. Wir konnten aber lediglich ein oder zwei Szenen nicht drehen. Aber so ein Regen ist nicht nur eine Bedrohung für Aussendrehs – ein Teil der Innendrehs fand in einem kleinen Wohnwagen statt und wenn es dabei extrem regnet, dann hört man auch nur noch den starken Regen, fast so als ob man sich im Innern einer Trommel befindet. Wir hatten also wirklich Glück, denn ansonsten wäre das ein komplett anderer Film geworden. Vielleicht eher ein Kurzfilm. (beide lachen)

Das Drehbuch ist wundervoll ausbalanciert zwischen einem Drama und einer Komödie. Wie haben Sie diese Balance gefunden?

Mark Noonan: Es basiert darauf, wie ich mit der Welt interagiere. Viele Iren haben nicht nur dramatische Interaktionen untereinander. Selbst ein Gehirnchirurg reißt mit seinen Mitarbeitern im OP mal einen Witz. Im Film zeigt man vielleicht manchmal mehr die ernste Seite, aber im echten Leben sind dramatische Geschehnisse immer von Humor durchdrungen. Ich brauche in Filmen immer etwas Humor, um die dramatischen Ereignisse zu verankern. Das gibt dem Ganzen den Realismus, wie ich finde.

Familienbande 02

Gerade in letzter Zeit sind außergewöhnlich viele gute Filme aus Irland gekommen, z.B. ROOM von Lenny Abrahamson (deutscher Kinostart am 11.03 2016), BROOKLYN von John Crowley (deutscher Kinostart am 21.01.2015) oder AM SONNTAG BIST DU TOT von John McDonagh, in dem Sie ja auch mitgespielt haben. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum die Filme aus Irland so wundervoll sind?

Mark Noonan: Wir haben im Moment sehr viele gute schauspielerische Talente, daher sind Filme wie AM SONNTAG BIST DU TOT oder BROOKLYN auch so gut besetzt. Wir haben aber auch eine lange Tradition des Schreibens und der Literatur. Ich kann aber auch nicht erklären, warum es in den letzten fünf bis zehn Jahren solch eine Explosion gegeben hat. Das Irish Filmboard investiert natürlich in irische Filme, aber auch internationale Produktionen drehen inzwischen in Irland.

Aiden Gillen: Ich glaube, da steckt viel mehr dahinter. Vor zwanzig Jahren waren nur ein paar Filmemacher am Start, wie Neil Neill Jordan oder Jim Sheridan. Heute kann man einen Film für viel weniger Geld machen, aber auch der Geschmack der Leute hat sich verändert.

Mark Noonan: Als ich 17 war, kamen die ersten DVDs heraus. Dann konnte ich die Filme günstig erwerben. Ich habe mir die ganzen Regiekommentare angehört und dabei gedacht: „So macht man also Filme“.

Aiden Gillen: Ja, ab dem Moment hat man wesentlich mehr Filme gesehen, weil es eben möglich war. Es gibt aber aktuell auch einen Trend, die Filme weniger dialoglastig zu machen, was ich persönlich sehr mag, da es den Figuren mehr Raum gibt, sich zu entfalten. Ich mag diesen Raum, selbst den körperlichen Raum im Bild. Das war sehr ungewöhnlich für einen irischen Film, da diese meistens sehr klaustrophobisch waren und viel gesprochen wurde. Ich würde aber zustimmen, dass es im Moment sehr viele gute Filme aus Irland gibt.

Mark Noonan: Als Neil Jordan mit A CRYING GAME am Start war, war das so etwas wie eine Initialzündung. Damit startete das Irish Filmboard und auch die irische Filmindustrie. Nach den ersten Oscar-Nominierungen dachte sich die Regierung, dass man hier doch vielleicht auch ein wenig Geld investieren könnte.

Familienbande 01

Lassen Sie uns zurück zum Film kommen. Die Dialoge sind meist sehr frech und wirken zumindest in Teilen improvisiert. Wie viel davon stand im Drehbuch und viel viel wurde improvisiert?

Aiden Gillen: Nicht sehr viel. Ich glaube das Meiste stand tatsächlich so im Drehbuch. Es gibt aber einige Stellen, wo wir vielleicht ein wenig mit der Betonung gespielt haben oder mal die eine oder andere Zeile hinzugefügt haben. Man versucht natürlich, es immer so aussehen zu lassen, als ob es gerade passiert sei.

Mark Noonan: Ein guter Schauspieler macht den Dialog zu einem eigenen. Ich habe ihn aber so gut geschrieben, wie ich eben konnte. Ich glaube schon, dass er gut war, aber erst der Schauspieler bringt ihn auf einen völlig neuen Level. Sie ändern zwar vielleicht mal ein Wort, versichern sich aber sofort bei der Crew, ob das denn trotzdem in Ordnung war. Wir hatten aber auch keinen Script-Supervisor, der alles verfolgt und dann sagt „Oh, Du musst jetzt aber dies und das sagen“. Aiden und Lauren durften sagen, was sie wollten, aber sie blieben immer im emotionalen Kontext der Szene. Sie haben jetzt nicht plötzlich über Aliens oder so etwas gesprochen.

Aiden Gillen: Manchmal ist ein Script-Supervisor durchaus sinnvoll, weil Du Dich mehr auf Deine Rolle konzentrieren kannst. Wenn aber jemand jede Kleinigkeit moniert und Dir ständig sagt, dass Du Deine Hand beispielsweise anders halten sollst, dann kann das auch sehr erdrückend sein. Ich habe auch schon in großen Produktionen gearbeitet, wo man solche Leute dann einfach vor die Tür gesetzt hat und der Film trotzdem keinen Schaden genommen hat.

Was ich besonders an dem Film mag, ist dass Sie auf ein kitschiges Happyend verzichtet haben. Gab es zu irgendeinem Zeitpunkt mal jemanden von außerhalb, der der Meinung war, dass Sie das unbedingt ändern müssen?

Mark Noonan: Nicht wirklich. Es gab zwar immer mal Diskussionen, denn das ursprüngliche Ende im Script war wesentlich verschwommener. Ich habe das Geld für eine Geschichte bekommen, bei der das Ende sehr viel undeutlicher war in Bezug auf wohin sich die Figuren entwickeln. Darüber wurde viel diskutiert, aber ich selbst mag offene Enden. Mein Lieblingsende ist übrigens dass von JACKIE BROWN, das mit einem zweideutigen Anruf endet. Ich mochte es immer, wenn ein Film mir am Ende den Raum gibt, um es mir vorzustellen.

Aiden Gillen: Irgendwann las ich das Script erneut und wunderte mich, dass auf der letzten Seite nicht das Ende stand, für das ich unterschrieben hatte. Dann habe ich Mark gefragt, warum er es geändert hat und er antwortete, dass wir das andere Ende sowieso drehen, was wir dann auch getan haben. Aber es hat nicht so gut funktioniert, wie gedacht. Aber es ist toll, so etwas auszuprobieren.

Familienbande 06

Mark Noonan: Wir haben das Ende im Schnitt total verändert. Man schreibt zwar das Script, aber dann schreibt man es am Set mit den Darstellern um und im Schnitt dann noch einmal. Als wir das originale Ende gedreht haben, war es irgendwie ein wenig flach. Wir hatten zwar das Gefühl von Hoffnung, aber auch die Ungewissheit. Diese Mixtur ist zwar schon ziemlich mächtig, aber ich habe dann die Szene mit dem titelgebenden Witz von Anfang des Filmes ans Ende gesetzt und sehr impressionistisch gemischt. Das gab dem Ganzen einen gewissen emotionalen Schlag. Aber wir entlassen den Zuschauer nicht mit „Oh, sie werden eine glückliche Familie“. Wir wissen nicht, was passieren wird, aber sie hatten beide diesen tollen Moment in ihrem Leben und vielleicht werden sie sich irgendwann in der Zukunft finden.

Was denken Sie denn selbst? Werden sie sich finden?

Mark Noonan: Das ist lustig. Ich glaube, dass sie es in sechs oder zwölf Monaten noch einmal versuchen und es dann schaffen, weil sowohl Aidens als auch Laurens Figur etwas dazugelernt haben.

Ihr nächstes Projekt heißt TYGER TYGER. Können Sie darüber schon irgendetwas verraten?

Mark Noonan: Ich schreibe noch daran und versuche dabei herauszufinden, worum es gehen wird. Im Grunde geht es aber um eine platonische Freundschaft, die ich viel zu selten in Filmen sehe, um eine ältere und eine junge Person, um die Natur einer Freundschaft und was man durch eine Freundschaft gewinnt. Es wird wieder in Irland spielen und es wird ein Tiger frei herumlaufen.

Aiden Gillen: Ja, eine platonische Freundschaft zwischen einem Mann und einer Frau sieht man wirklich viel zu selten in Filmen. Sie müssen irgendwie immer etwas miteinander anfangen.

Mark Noonan: (nickt zustimmend)

Familienbande 07

Kommen wir zur letzten Frage. Bitte erlauben Sie mir eine Frage zu GAME OF THRONES. Ihre Figur Petyr Baelish scheint seine ganz eigene Agenda zu verfolgen. Sind Sie als Schauspieler in diesen großen Plan eingeweiht? Oder sind Sie genauso ahnungslos wie wir Zuschauer.

Aiden Gillen: Bis zum heutigen Zeitpunkt, also zwischen Season 1 und dem dritten Buch hätte ich nachlesen können, was die Zukunft für mich bereit hält. Ich habe das aber bewusst nicht gemacht, denn so hat man vielleicht eine Idee und spielt entsprechend, aber die Realität sieht später vollkommen anders aus. Das kann Dich am Ende zu einem cleveren Schauspieler machen, Du kannst damit aber auch genauso auf die Nase fallen. Inzwischen hat die Serie die Bücher eingeholt, also wissen auch die Leute nicht sehr viel mehr. Vielleicht haben andere Leute bessere Kontakte zu George R. R. Martin, aber ich weiss, dass es niemand sonst weiss – und ich definitiv auch nicht. Ich weiß auch nichts über John Snow, obwohl ich erstaunlicherweise immer wieder danach gefragt werde, oder ob es noch mehr Drachen geben wird. Ich weiß nur, dass ich versuche, ein netter Kerl zu sein.

Mark Noonan: (lacht)

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Aiden Gillen: Als nächstes stehe ich im Shakespeare’s Globe Theatre in London auf der Bühne mit einer Lesung THE DEAD. Es geht um eine „lange Kurzgeschichte“ von James Joyce mit dem Titel THE DEAD. Dann arbeite ich an einem Film mit Guy Ritchie mit dem Titel KNIGHTS AT THE ROUND TABLE. Den Film haben wir über einen längeren Zeitraum in diesem Sommer gedreht. Er könnte der Beginn einer Serie sein, also warten wir einfach mal ab, was passiert. Dann gibt es noch eine Teen-SciFi-Reihe namens THE MAZE RUNNER. Ich habe im zweiten Teil mitgespielt und sofern es einen dritten geben sollte, bin ich auch wieder dabei. Außerdem wird es natürlich noch mehr GAME OF THRONES geben.

Mark erwähnte ja bereits den Film TREACLE JR., den Jamie Thraves, ein Freund von mir, gedreht hat. Wir haben schon einige Projekte zusammen gemacht, z.B. THE LOW DOWN oder den eher experimentellen Film PICKUP, den wir in London und an zwei Locations in Irland gedreht haben. Derzeit arbeiten wir gerade am Schnitt des Films. Ich versuche immer solche interessanten, kleinen Projekte wie PICKUP oder diesen Film hier (FAMILIENBANDE) zwischen den großen Hollywood-Produktionen zu machen, um das Ganze etwas aufzulockern, aber auch ein wenig Theater zu machen.

Vielen Dank für das Interview!

 

Wir haben das Interview am 02.11.2015 in Berlin geführt.

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