Lieber leben

Kinostart: 14.12.2017

OT: Patients (Frankreich 2016)
Länge: 112 Minuten
Genre: Drama
Regie: Grand Corps Malade, Mehdi Idir
Drehbuch: Grand Corps Malade, Fadette Drouard
Darsteller: Pablo Pauly, Soufiane Guerrab, Moussa Mansaly, Nailia Harzoune, Franck Falise, Yannick Renier, Jason Divengele, Rabah Nait Oufella, Alban Ivanov, Anne Benoît, Côme Levin, Samir El Bidadi, Florence Muller, Xavier Mathieu, Valérie Even, Dominique Blanc
Verleih: Neue Visionen Filmverleih GmbH
Claudia-Janet Kaller gefällt dieser Artikel

Benjamin (Pablo Pauly) hat haufenweise Pläne und einen großen Sinn für Humor. Auch Farid (Soufiane Guerrab) hatte einiges vor, bevor er vor Jahren durch einen Unfall im Rollstuhl landete. Die beiden treffen sich in einem Reha-Zentrum, in das auch Benjamin verlegt wird, nachdem er sich einen Halswirbel gebrochen hat. Er wird lebenslang behindert sein, heißt es. Ob telefonieren, pinkeln oder essen – nichts geht bei Benjamin mehr ohne die Hilfe von der ungeschickten Schwester Christiane (Anne Benoît) und von dem immer viel zu gut gelaunten Pfleger Jean-Marie (Alban Ivanov).

Trotzdem gibt Benjamin nicht auf, er reißt einen Witz nach dem nächsten über die bedeutungslustige Reha-Psychologin und die unzumutbaren Stützstrümpfe. Benjamin trifft auch auf Toussaint (Moussa Mansaly) und Steeve (Franck Falise), ebenfalls Patienten, die die große Kunst gelernt haben, das Unglück einfach auszulachen. Und dann ist da noch die bildhübsche Samia (Nailia Harzoune), in die Benjamin sich auf den ersten Blick verliebt. Eine Gruppe voller Knallköpfe und Kämpfer – versehrte Helden, die gemeinsam die Verzweiflung aus dem Weg räumen und jeden Millimeter Bewegung feiern.

Kritik

Was auf den ersten Blick aussieht, wie ein weiteres Drama über das Schicksal von querschnittsgelähmten Menschen, entpuppt sich tatsächlich als lebensnahes und lebensbejahendes Plädoyer. Warum LIEBER LEBEN ein Glücksfall ist…

Das Leben ist ein ständiges auf und ab – das trifft auf alles Menschen zu, nicht nur auf diejenigen, die ihre Beine nicht mehr benutzen können. Diese Achterbahnfahrt fängt LIEBER LEBEN wunderbar ein, indem der Film sich nicht versucht zu entscheiden, ob er nun Drama oder Komödie zu sein. Obwohl ich eine solche Unentschlossenheit schon des öfteren in Filmen kritisiert habe, passt sie hier einfach perfekt ins Konzept. Denn LIEBER LEBEN ist autobiographisch. 

Der Regisseur Grand Corps Malade (zu deutsch „großer kranker Körper“) ist einer der angesagtesten Hip-Hop-Künstler Frankreichs. 1997 wurde er im Alter von 20 Jahren durch einen Sprung ins Schwimmbad teilweise gelähmt. Es hieß, er werde nie wieder laufen können, doch nach intensivem Training konnte er 1999 wieder gehen. Heute ist sein Gehstock ein Markenzeichen. 

LIEBER LEBEN erzählt nicht nur die ganz persönliche Geschichte des Regisseurs, nein, er drehte sogar im selben Reha-Zentrum, in dem er selbst seine Rehabilitation gemacht hat. Dass es im Zuge einer solchen Therapie immer mal wieder gute, wie auch schlechte Tage gibt, zeigt der Film sehr deutlich. Genau genommen ist LIEBER LEBEN immer dann am besten, wenn er zwischen Komödie und Drama changiert. 

Auch wenn der Film dramaturgisch an einigen (wenigen) Stellen etwas holprig ist, versprüht er dennoch eine Authentizität, die ihresgleichen sucht. So ist LIEBER LEBEN ein eindrucksvoller Film mit ausdrucksstarken Charakteren. 

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