Interview mit Peter Chelsom

Mathias Wagner, Martin Carter gefällt dieser Artikel

Zum Kinostart von HECTOR ODER DIE SUCHE NACH DEM GLÜCK haben wir den britischen Regisseur Peter Chelsom in Berlin zum Interview getroffen. Wir sprachen mit ihm natürlich über den Film, aber auch den Zustand der Filmlandschaft an sich. Außerdem haben wir ihn gefragt, ob er seine Entscheidung aus den 80er-Jahren, von der Schauspielerei komplett zur Regie zu wechseln, vielleicht zwischenzeitlich bereut hat. 

 

Vor 19 Jahren lief Ihr Film FUNNY BONES auf der Berlinale. Wie ist das Gefühl jetzt, wieder in Berlin zu sein?

Das war damals einer der größten Abende, an denen ich nicht zugegen war. Meine Frau war zu diesem Zeitpunkt schwanger und so konnte ich nicht an der Berlinale teilnehmen, auf der FUNNY BONES gezeigt wurde. Jeder sagte damals zu mir, dass der Film der inoffizielle Gewinner des Festivals war, aber ich konnte das leider nicht miterleben. Aber jetzt bin ich verdammt noch mal endlich hier!

Ich habe drei Söhne und die Leute, die mich schon sehr lange kennen, fragen mich, ob HECTOR denn nun mein bester Film sei. Das ist nebenbei bemerkt eine sehr nette Frage, denn sie impliziert, dass es vielleicht so sein könnte. Ich kann das nur leider nicht beantworten, denn das wäre so als würde man mich fragen, welchen meiner drei Söhne ich am liebsten mag. Meine drei „Film-Söhne“ sind HEAR MY SONG, FUNNY BONES und HECTOR, denn ich wollte genau dorthin zurückkehren.

Sie wollten also sowohl Regie führen, als auch das Drehbuch schreiben?

Richtig. Es ist aber schon ein Unterschied, ob ich ich allein schreibe oder gemeinsam mit anderen Autoren. Ich kann das sehr persönlich nehmen, mich aber auch sehr befreit fühlen und meiner Vorstellungskraft freien Lauf lassen.

Aber warum haben Sie dann nach FUNNY BONES aufgehört zu schreiben?

Ich habe nicht wirklich aufgehört, denn es gibt viele Fälle, wo man z.B. ein Drehbuch überarbeitet, dafür dann aber nicht namentlich genannt wird. Oder es gibt Filme, die niemals produziert werden oder noch produziert werden müssen. Aber ich habe dafür tatsächlich keine Entschuldigung. Ich bin abgedriftet und habe diesen Teil meiner Karriere vernachlässigt, was ich nicht hätte tun sollen.

Für diesen Film habe ich mich bewusst entschieden und arbeite daran auch bereits seit dreieinhalb Jahren. Das war sehr hart, aber ich musste das tun und zu dem zurückkehren, was ich am liebsten mache.

Wie sind Sie denn auf HECTOR aufmerksam geworden?

Judy Tossell (Produzentin) kam ins Büro meines Agenten in London und fragte, ob ich interessiert sei, das Drehbuch zu schreiben und Regie zu führen. Dann hat sie mir das existierende Vorab-Drehbuch und den Roman geschickt und ich mochte es sehr. Ich habe zwar erkannt, dass man das Drehbuch komplett neu schreiben musste und dass dadurch sehr viel Arbeit vor uns lag, aber ich wusste auch, dass das genau das war, was ich machen wollte. HECTOR ist mehr eine Fabel als nur eine Geschichte und genau so etwas wollte ich schon seit wirklich langer Zeit machen. Eine Fabel ist etwas sehr Spezielles, denn es geht nicht um die Charaktere, sondern vielmehr darum, was sie in ihrer Signifikanz repräsentieren. Das färbt sich auf Deine Schreibweise ab, denn Du musst sehr ökonomisch schreiben, da Du bei jeder Figur sagen musst, was ihre Funktion ist in Bezug auf die Reise unseres Protagonisten. Ich mag das sehr gerne, denn man kann dabei auch in einer Art und Weise abschweifen, die jenseits der Realität liegt.

So haben wir beispielsweise für die Aussenansicht des afrikanischen Flugzeuges ein Spielzeugmodell und eine Gießkanne benutzt. Das hätte man in einem Film wie WEIL ES DICH GIBT (Serendipity, 2001) nicht machen können, da es sich dort um eine Romantic Comedy handelt. Das mag ich halt.

Genauso sagen Leute, dass ihnen die Animationen gefallen haben, woraufhin ich erwidere, dass das doch nur einfache Linienzeichnungen sind, die aus den 1930er Jahren stammen könnten. Wenn man sich die Aussenaufnahmen eines Flugzeuges, das auf dem ersten Teil der Reise den Atlantik überquert, nicht leisten kann, dann zeichnet man es halt einfach. So ergeben sich einige Dinge schlichtweg aus Budgetgründen. Am Ende ist es aber nur wichtig, dass sie sich spielerisch in den Film einfügen.

Was hat denn überhaupt Ihr Interesse geweckt, einen Film über das Glück zu machen?

Nun der Prozess des Schreibens hat mich und meine Co-Autorin Tinker Lindsay – mit der ich bereits seit mehr als 16 Jahren zusammen schreibe – durchaus verändert. Es bringt Dich nämlich dazu, über Dein eigenes Leben nachzudenken. Es hat mich in dem Sinne verändert, als dass ich dankbar für das Leben bin, das ich führe. Heutzutage nimmt das Glück ab und alles andere nimmt zu – davon bin ich überzeugt. Die Menschen müssen sich selbst überdenken, denn wir leben in einer Welt, in der es nur noch darum geht, was für mich allein drin ist. Schuld daran ist natürlich in erster Linie die Werbung, die uns sagt, dass wir fehlerhaft sind, wenn wir nicht dieses Produkt kaufen, tragen, essen, fahren oder besitzen. Es existiert eine gewisse Ruhelosigkeit und ich denke, dass es an der Zeit ist, das zu überdenken.

Ich bin erstaunt, wie oft ich gefragt werde, was der Schlüssel zum Glück sei, nur weil ich einen Film darüber gemacht habe. Ich bin schließlich nicht der Dalai Lama. Aber wenn ich diese Frage mit einem einzigen Wort beantworten müsste, dann wäre das „Güte“.

Wie ich bereits erwähnte, habe ich drei Söhne. Meinen 19-jährigen habe ich immer mit den Worten erzogen „Es ist nett, nett zu sein“. Bis zum heutigen Tag sagt er das und wenn ich meinen neunjährigen und meinen achtjährigen frage, was der Schlüssel zum Glück ist, antworten sie mir „Güte“. Das ist das Beste, was wir tun können, denn es ist eine Absicht, eine transitive Aktion. Es ist sehr schwierig zu jemandem zu sagen: „Sei glücklich“. Das ist als ob man sagen würde „Verliebe Dich“. Aber mit Güte hat man einen Plan. Ich kaufe ein Geschenk und gebe es jemandem. Oder ich helfe einer Gruppe, finanziert zu werden. Oder ich beantworte einen Telefonanruf, weil mein Gegenüber es benötigt. Das klingt einfach und neumodisch, aber das ist mir egal. Ich glaube wir brauchen das genau jetzt.

Wer kam auf die Idee, all diese wunderbaren Schauspieler zusammen zu bringen?

Das war wohl ich, zusammen mit Judy Tossel (Produzentin), Christine Haebler (Produzentin), Trish Dolman (Produzentin). Man versucht immer, einen Film hochkarätig und gut zu besetzen, aber die Reaktionen auf das Drehbuch waren einfach so toll. Es hat sich wie ein Schneeballsystem vervielfältigt. Als Simon Pegg und Christopher Plummer an Bord waren, hatte das Projekt eine gewisse Klasse, die dann widerum andere gute Schauspieler anzieht. Dann schauen sie sich den Film an und sagen „Warum eigentlich nicht. Der Regisseur hat schließlich HANNAH MONTANA gemacht“. (lacht)

Nein, Quatsch, das war natürlich ein Scherz! Ich bin aber durchaus stolz auf den Film. Es war lediglich eine seltsame Entscheidung.

Sie haben sich bewusst für Simon Pegg als Hauptdarsteller entschieden und ich denke, dass er hier durchaus die beste Performance seines Lebens abliefert.

Oh ja, das sehe ich absolut genauso!

Hatten Sie denn zu irgendeinem Zeitpunkt vor dem Drehstart die Befürchtung, dass er der falsche Mann sein könnte, weil man ihn bislang nur als Komödiant kennt?

Nein. Ich denke, die Fähigkeit, lustig zu sein, entspricht demselben Talent, schauspielern zu können. Für meine Begriffe gibt es keinen brillianten Schauspieler, der nicht der Komödie mächtig ist. Wenn man an FUNNY BONES zurückdenkt, dann hat der Junge, Lee Evans, niemals zuvor geschauspielert. Trotzdem liefert er eine unglaubliche Performance ab. Dazu muss man allerdings sehr viel Vertrauen in den Regisseur haben.

Wir haben sehr viel geprobt, denn ich liebe es, zu proben. Ohne Ausnahme sind alle Darsteller, ob nun Simon oder irgendwelche Komparsen, mit der Einstellung an den Film herangekommen, sie würden jetzt eine Komödie drehen. Also musste ich sie erst einmal inständig bitten, das Ganze als realitätsnahen Film zu sehen. „Ihr müsst die Wahrheit spielen. Ihr müsst Euch darauf verlassen, dass sie Situationen bizarr genug sind, denn ich möchte keine obsurden Charaktere in absurden Situationen, sondern reale Figuren“. Wenn man das so macht, dann kann man einen Film drehen, in der eine Frau in einem Flugzeug an einem Hirntumor stirbt und man dabei sicher ist, in einem Drama zu sein. Nur in einem solchen Film kann Simon eine Stunde zuvor mit einem Geschirrteil spielen, um zu sehen, ob es unzerbrechlich ist. Das kann man nur machen, wenn man die volle Kontrolle an allen Einstellpunkten des Filmes hat.

Ich habe generell ein Problem mit Comedy in heutigen Filmen. Ich werde Ihnen nicht sagen, welche Filme mir nicht gefallen, sondern Ihnen nur diejenigen nennen, die ich mag. HANGOVER ist, wie ich finde, eine brilliante Komödie. Aber die meisten anderen Filme fühlen sich lediglich an, wie ein TV-Sktech in einem großen Haus. Ich glaube, wir haben ein wenig unser Händchen für Comedy im Kino verloren. Warum muss Comedy eine niedrigere Form der Unterhaltung sein?

Aber ich bin von Ihrer Frage abgekommen. Entschuldigung. Es ging schließlich um Simon und der ist ziemlich stolz auf diesen Film. Er hat ihn sich angeschaut und nur „Danke! Danke! Danke, dass Du mich zurückgedrängt hast“ zu mir gesagt. „Du kennst mich, ich habe niemals bewusst zurückhaltend gespielt“, sagte er zu mir. Ich antwortete ihm, dass das nicht stimmt, denn wenn ich erst mal seine Knöpfe gedrückt hatte, dann lief es. Natürlich gab es auch Tage wo ich gesagt habe „Nein Simon, so nicht, hier sind meine Anweisungen: Mehr Simon! Mehr Simon“ Mehr Simon!“. Denn wenn er erst mal am richtigen Ort war, habe ich mich lieber zurückgelehnt, und ihn machen lassen.

Ich habe mich über die Jahre als Regisseur verändert und glaube, dass man als ein guter Regisseur Dinge erkennen muss. Man sieht, was der Person widerfährt und unterstützt das, anstatt zu viel von meinen eigenen Vorstellungen auf diese Person zu übertragen. Das ist ein schmaler Grat, aber mit Simon funktioniert das wunderbar.

Hector-Premiere-2

Wieviel im Film ist improvisiert?

Nicht viel in Bezug auf das Drehbuch. Wir haben uns ziemlich an das Drehbuch gehalten. Es gibt ein paar wenige Szenen, aber als Regisseur bin ich davon kein Fan.

Gab es beim Dreh in China irgendwelche Probleme?

Genehmingungen können dort extrem schwierig sein und wir haben auch nicht alle bekommen, die wir haben wollten. So mussten wir einiges in Bayern und Österreich nachstellen. Aber ansonsten ging es. Der ganze Film war unglaublich schwierig zu realisieren.

Sie sagten, dass Sie mit den heutigen Komödien unzufrieden sind. Was genau stört Sie denn hauptsächlich?

In der heutigen Zeit hat sich das Kino in verschiedene Dinge aufgeteilt. Da gibt es die großen, massiven Blockbuster und zu einer bestimmten Jahreszeit kommen kann die Oscar-Filme – oder wie ich sie nenne: die Oscar-lichen Filme. Die sind gestrickt wie eine Checkliste: Politik, Krankheit, historische Biographie, Selbstmord, perfekt. Damals gab es einfach nur gute Filme. Niemand hat EINER FLUG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST im November veröffentlicht, damit er bessere Chancen bei den Oscars hat. Er wurde im Juni veröffentlicht und ist ein großartiger Film! Er ist ein großartiges Stück Unterhaltung und hat ganz nebenbei einen Oscar gewonnen. Bei vielen Filmen kann man die Oscar-Kampagne dahinter förmlich spüren. Kleine, unahbhängige Filme wie HECTOR können es im Markt extrem schwer haben.

Um zurück zu Comedy zu kommen: Viele Filme sind so geistlos, dass sie nicht einmal etwas zu sagen haben. Ich glaube, dass man mit Comedy eine ganze Menge sagen kann. Es ist keine niedere Form der Unterhaltung. Im Gegenteil! Man kann dadurch sehr mächtige Aussagen treffen. Sicherlich sind viele Komödien lustig, aber vielen haben einfach nur diesen Humor im Stile von studentischen Jungswitzen, nach dem Motto: „Wir haben seit 30 Sekunden nicht mehr gelacht, lasst uns jemandes Unterleib tasern. Ich finde, dass das eine Schande ist und dass Comedy derzeit einen schlechten Namen hat.

In letzter Zeit sind einige Filme durch Crowdfunding zustande gekommen, z.B. VERONICA MARS von Rob Thomas oder WISH I WAS HERE von Zach Braff. Wie ist Ihre Einstellung zu diesem Thema? Käme so eine Finanzierung für Sie in Frage, um einen Film zu realisieren?

Ja, für mich hört sich das gut an. Was kann ich den auch anderes sagen als ja? Ich glaube sowieso nicht, dass die Öffentlichkeit im Kino genügend repräsentiert ist, in jedem Fall nicht in Amerika. Schauen sie sich die Zahlen von Filmen an, wie beispielsweise THE KING’S SPEECH, der 400 Millionen Dollar weltweit eingespielt hat, oder BEST EXOTIC MARIGOLD HOTEL mit 140 Millionen Dollar oder ZIEMLICH BESTE FREUNDE, der 426 Millionen Dollar eingespielt hat. Wenn man sich genau diese Filme anschaut, die alle zwischen acht und und fünfzig Millionen Dollar gekostet haben und dann ein Vielfaches einspielen, dann fragt man sich doch unweigerlich, warum die Leute nicht erkennen, dass sich die Zuschauer nach echten Geschichten sehnen? Intelligente Geschichten, gut erzählt, mit menschlichen Emotionen, denen man etwas entnehmen kann. Man fragt sich, warum die Studios nicht auf diese Zahlen hören. Das ist wirklich seltsam.

Wir haben mit HECTOR ja bereits etliche Previews gemacht und bislang ist er extrem gut angenommen worden. Das ist wahrscheinlich so, weil es für das Publikum seltener geworden ist, so behandelt zu werden. Der Film ist ein wenig unvorhersehbar, seltsam, emotional, und hat hoffentlich auch eine gewisse Tiefe.

Hatten Sie selbst auch schon mal die Idee, einen solchen Trip wie Hector zu untenehmen?

Ich selbst? Das habe ich getan, um den Film zu drehen. (lacht)

Wir haben ein kleines Haus in Italien, das extrem günstig war. Meine Vorstellung von Reisen ist es, mit einem Auto umherzufahren, z.B. durch Bayern, die Schweiz oder an die Almalfiküste. Es reizt mich viel weniger, die ganze Welt zu sehen, als vielmehr das Meiste aus den Orten herauszuholen, die ich kenne. Wenn Amerikaner nach Europe kommen, dann haben sie eine Checkliste. Am Montag schauen wir uns Rom an, Venedig am Mittwoch, und Freitag Vormittag dann Genf. Das ist doch verrückt. Man sollte viel mehr zur Ruhe kommen. Das ist meine Vorstellung von Abenteuer.

In den Achtzigern haben Sie die Schauspielerei aufgegeben, weil Sie die Befürchtung hatten, die falsche Entscheidung getroffen zu haben. Wie denken Sie heute darüber?

Ich war beschämt, ein Schauspieler zu sein. Mein letzter Job als Schauspieler war für die BBC-Produktion THE MISER nach Moliere. Nigel Hawthorne hat die Hauptrolle gespielt und hat immer wieder zu mir gesagt, dass ich Regisseur werden solle. „Na toll, das bedeutet also, dass ich nicht schauspielern kann“ sagte ich zu ihm. „Nein, keinesfalls, aber Du hast ein überentwickeltes drittes Auge“, erwiderte er. Ich wusste ganz genau, was er damit meinte und es war das erste Mal, dass das jemand so ausgedrückt hat. „Unter uns gesagt, unser Regisseur ist nicht wirklich gut“ sagte er, „und ich weiß, dass Du das auch weisst. Ich sehe wie Du den Film so betrachtest, wie er inszeniert und gedreht werden sollte. Das bereitet Dir Unbehagen, daher solltest Du unbedingt selbst Regie führen“. Er hatte damit absolut Recht. Ich habe dann damit meinen Frieden gefunden.

Wenn ich mich selbst im Alter von 30 schauspielern sehe, dann sehe ich alle diese Anweisungen, die ich mir selbst gebe. Ich fühlte mich viel zu äußerlich, viel zu sehr als Regisseur, um ein guter Schauspieler zu sein. Ich fühlte mich gehindert durch das Leben eines Schauspielers, die Passivität eines Schauspielers und durch die Tatsache, dass ich nicht die Führung übernehmen konnte. Es stand mir einfach nicht. Aber ich bin für diese Jahre extrem dankbar, den dadurch habe ich heute viele Möglichkeiten, mit Schauspielern zu kommunizieren. Ich habe nach wie vor ein riesiges Interesse an der Kunst des Schauspiels, obwohl ich sie nicht mehr aktiv betreibe.

In welcher Art und Weise passt HANNAH MONTANA in Ihre Karriere? War das nur ein Job?

Oh nein! Auf gar keinen Fall! Ich gebe mein Herz und meine Seele in alles, was ich tue, selbst in einen Werbespot für Hundefutter. Ernsthaft. Ich könnte morgens nicht aufstehen, wenn ich nicht an das glauben würde, was ich mache. Ich hatte eine tolle Zeit, als ich den Film gemacht habe. Disney war wirklich gut zu mir. Es ist nur für einige Leute eine seltsame Wahl. Für mich jedoch nicht.

Was werden Sie als Nächstes machen?

Eine Möglichkeit ist ein weiterer Film für Relativity, die auch HECTOR produziert haben. Der Film heisst OUT OF THIS WORLD und darin geht es um eine Astronautin, die sich auf den Weg zum Mars macht und dabei nicht weiß, dass sie schwanger ist. Dann stirbt sie bei der Geburt und sechzehn Jahre später kommt das Kind zurück auf die Erde auf der Suche nach seinem Vater. Das ist nur eine kleine Geschichte innerhalb einer großen Geschichte. Obwohl es sich um Science Fiction handelt, habe ich nicht das Gefühl, dass sich das Thema außerhalb meiner Reichweite befindet. Für mich sind das alles dieselben Jobs.

Mit Judy Tossel schreibe ich zudem zusammen an einem Charles-Dickens-Projekt mit dem Titel CHRISTMAS LOST AND FOUND, das vermutlich in Europa gedreht wird. Eine wunderbare Geschichte über das, was Charles Dickens passiert ist, bevor er „A Christmas Carol“ geschrieben hat. Eine wirklich brilliante Geschichte.

Aktuell habe ich gerade ein sehr detailliertes, 50-seitiges Treatment fertiggestellt, das vielleicht zwei Wochen von einem Drehbuch entfernt ist. Dabei handelt es sich um ein Spin-Off zur Figur von Veronica Ferres aus HECTOR. Hector wird darin vorkommen und es geht um ihre Geschichte in London. Die Geschichte ist absolut verrückt und trägt den Arbeitstitel ANJALIES HUNCH.

Das hört sich alles an, als ob wir nicht wieder so lange auf Ihren nächsten Film warten müssten.

Ich hoffe nicht.

Das hoffe ich auch. Welche Filme habe Sie denn in Ihrer Karrier abgelehnt?

Oh, das waren eine ganze Menge Filme. Mir wurde zum Beispiel FORREST GUMP angeboten, aber ich habe denen gesagt, dass sie dafür einen Amerikaner der Vietnam-Generation brauchen. Damit lag ich absolut richtig. Außerdem hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht genügend Erfahrung. Außerdem abgelehnt habe ich z.B. FINDING NEVERLAND. Meistens war der Grund, dass ich die Drehbücher nicht gründlich genug gelesen habe oder dass ich in anderen Projekten involviert war. Es passiert so oft, dass Du sie nicht ernst genug nimmst, weil es eben so oft vorkommt, dass Dir jemand ein Drehbuch zur Ansicht gibt.

Vielen Dank für das Interview.

 

Das Interview haben wir am 5. August 2014 in Berlin geführt.

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