Filmfest Hamburg 2016 – Teil 7

Mathias Wagner gefällt dieser Artikel

Heute mit THE DAY WILL COME, DARK NICHT, DIAMANT NOIR und dem Abschlussfilm HEDDA. Es wird Zeit, Abschied zu nehmen. In den letzten beiden Tagen des Filmfests standen für mich leider nur drei Filme auf dem Programm. Inzwischen ist das Filmfest Hamburg 2016 Geschichte. Freuen wir uns also auf das kommende Jahr: vom 5. bis zum 14. Oktober 2017 öffnen sich die Hamburger Kino dann für die Neuauflage dieses wunderschönen Festivals. Dem Film AMERICAN HONEY, den die Regisseurin Andrea Arnold zusammen mit ihrer Hauotdarstellerin Sasha Lane (siehe Foto oben) in Hamburg vorstellte, widme ich mich hier in einer ausführlichen Kritik.

 

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The Day Will Come

Dänemark 2016 | 119 min | OmeU | Farbe

Regie: Jesper W. Nielsen, Drehbuch: Søren Sveistrup, Darsteller: Lars Mikkelsen, Sofie Gråbøl, Lars Ranthe, Sonja Richter, Harald Kaiser Hermann, Albert Rudbeck Lindhardt, Søren Sætter-Lassen, David Dencik

1967 beginnt sich überall in Europa eine neue Jugendkultur zu formieren. In einer Arbeitergegend von Kopenhagen werden die beiden Brüder Elmer und Erik von ihrer kranken Mutter getrennt und in ein Heim gebracht. Dort ist die Zeit stehengeblieben. Heimleiter Heck führt ein rigoroses Regime und will den Willen der ihm anvertrauten Jungen mit allen Mitteln brechen. Die Brüder versuchen unter dem Radar des Despoten zu bleiben, doch Elmer gerät mit seinen Astronauten-Träumen und seinem Klumpfuß immer wieder in Schwierigkeiten. Bald begreifen die beiden, dass sie sich nur selbst helfen können – und starten eine Revolte gegen Heck, bewaffnet nur mit ihrer Fantasie und einem letzten Rest Hoffnung.

Ein Kinderheim, in denen die Kinder misshandelt werden. Dieses Thema hat es bereits zuhauf im Film gegeben und auch Regisseur Jesper W. Nielsen gewinnt dem Thema nichts wirklich Neues ab. Trotzdem hat der Film aber eine immense Wirkung auf das Publikum. Das liegt natürlich vordergründig an den Leistungen der Darsteller, aber auch an dem hervorragend ausgearbeiteten Drehbuch von Søren Sveistrup. Obwohl ich mir persönlich ein wenig mehr gewünscht hätte, genügt das dann wohl auch, um die Zuschauer glücklich zu machen. Und für den Film abzustimmen, denn schließlich hat THE DAY WILL COME in diesem Jahr den Publikumspreis des Festivals gewonnen. (2,5/5)

 

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Dark Night

USA 2016 | 85 min | OF | Farbe

Regie: Tim Sutton, Drehbuch: Tim Sutton, Darsteller: Robert Jumper, Anna Rose Hopkins, Eddie Cacciola, Rosie Rodriguez, Karina Macias, Aaron Purvis

Ein träger Sommertag in einer Vorstadt in den USA. Eine Handvoll Menschen schlägt sich durch den Alltag, bis der Abend kommt. Ein Teenager ohne Freunde im realen Leben spielt Videogames. Ein traumatisierter Irakkrieg-Veteran kämpft um Kontakt zu seiner Familie. Ein Immigrant will um keinen Preis auffallen, während ein Möchtegern-Model sich nach nichts anderem sehnt. Diese Menschen verbindet nichts außer ihrer Verzweiflung. Doch als der Himmel dunkel wird, bricht ein schreckliches, schicksalhaftes Ereignis über sie herein.

Da ist er ja endlich, der Tiefpunkt des Festivals. DARK NIGHT ist ein Film, der ausschließlich aus Füllmaterial besteht, also solchen Szenen, die man bei „normalen“ Filmen dreht, um Szenenübergänge zu gestalten. Mir ist ja durchaus bewusst, was der Regisseur Tim Sutton damit aussagen möchte. Angelehnt an den Amoklauf in einem Kino in Aurora im US-Bundesstaat Colorado möchte er die Lethargie der Menschen zeigen, die durch diese Tat aus der Bahn geworfen worden sind. Mich erreicht diese Botschaft jedoch nicht, sondern lässt mich eiskalt zurück. Ja ich ärgere mich förmlich über die 85 Minuten meiner Lebenszeit. (0,5/5)

 

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Diamant Noir

Frankreich, Belgien 2016 | 115 min | OmeU | Farbe

Regie: Arthur Harari, Drehbuch: Arthur Harari, Vincent Poymiro, Darsteller: Niels Schneider, August Diehl, Hafed Benotman, Hans-Peter Cloos, Raphaele Godin, Raghunath Manet, Jos Verbist, Buillaume Verdier

Nach dem Tod seines Vaters kehrt Pier (Niels Schneider) aus Paris in seine Geburtsstadt Antwerpen zurück, wo seine Familie einen erfolgreichen Diamantenhandel betreibt. Der junge Mann mit krimineller Vergangenheit sinnt auf Rache. Er wirft den Brüdern und Neffen vor, seinen Vaters ausgebootet zu haben, so dass er völlig mittellos starb. Zunächst aber gibt er vor, in das Familienunternehmen zurückkehren zu wollen. Schritt für Schritt gewinnt er die Gunst seiner Verwandten und erhält Zugang zum inneren Machtzirkel, wo sich sein Onkel Joseph (Hans-Peter Cloos) und sein Cousin Gabi (August Diehl) erbitterte Richtungskämpfe um die Zukunft der Firma liefern. Parallel arbeitet Pier jedoch an seinem eigentlichen Plan: einem spektakulären Raubüberfall.

Eigentlich ist DIAMANT NOIR ein cleverer Thriller. Je mehr man im Anschluss darüber nachdenkt, desto mehr kleine und feine Details der Geschichte fallen einem auf. Der Regissseur Arthur Harari, der zusammen mit Vincent Poymiro auch das Drehbuch verfasst hat, legt eine außergewöhnlich tiefe Figurenzeichnung an den Tag. Um diese zu entdecken, muss man sich jedoch an die Langsamkeit und die doch etwas altmodische Umsetzung gewöhnen. Dann kommt am Ende auch ein sehenswerte Film heraus. Und für mich ein wunderbarer Abschluss des diesjährigen Filmfests Hamburg.

 

hedda

Hedda

Deutschland 2016 | 102 min | OmeU | Farbe

Regie: Andreas Kleinert, Drehbuch: Andreas Kleinert, Darsteller: Susanne Wolff, Godehard Giese, Wanja Mues, Bruno Cathomas, Katharina Marie Schubert, Jasmin Hahn

Oberarzt Jorgen Tesman (Godehard Giese) legt seiner Frau Hedda (Susanne Wolff) die Welt zu Füßen. Doch mit Anschaffungen wie einer monströsen Villa im Wald und mit Blick auf die Stadt hat er sich total übernommen. Jetzt erwartet das frisch verheiratete Paar wichtigen Besuch. Der Neurologe und Chefarzt Prof. Dr. Brack (Bruno Cathomas) soll Jorgen zu seinem Nachfolger machen – koste es, was es wolle. Allerdings stoßen zwei weitere Gäste zur Dinner-Party, mit denen niemand gerechnet hätte: Jorgens Ex-Geliebte Thea (Katharina Marie Schubert) und Heddas große Liebe Eilert (Wanja Mues). In einem brodelnden Gemisch aus Liebe, Neid, Schuld und Verrat treten im Laufe des Abends tiefe Abgründe zutage – und die Zukunft von Hedda und Jorgen, ihre Ehe und Jorgens Karriere geraten in größte Gefahr.

Obwohl ich den Abschlussfilm bereits am dritten Tag des Festivals sehen durfte, habe ich meine Kritik dazu bis zum Ende des Festivals zurückgehalten. Schließlich möchte ich ungern den Spielverderber geben. Denn mich hat HEDDA leider überhaupt nicht überzeugt. Im Gegenteil. Die Umsetzung des Theaterstücks von Henrik Ibsen, einem norwegischen Dramatiker und Lyriker (1828-1906) kommt unfassbar altbacken daher. Für eine TV-Ausstrahlung ist das vielleicht in Ordnung, aber im Kino wirkt das einfach völlig deplatziert. Wie man ein Theaterstück von Ibsen für die heutige Zeit perfekt fürs Kino umsetzt, kann man ab dem 27.10. in den deutschen Kinos sehen. Dann läuft dort nämlich DIE WILDENTE an. (2,5/5)

Aber auch wenn der Abschlussfilm so überhaupt nicht meinem Geschmack entsprach, erinnere ich mich einfach an die vielen tollen Filme und Begegnungen zurück. In den nächsten Wochen und Monaten folgen noch Interviews mit Vincent Biron (PRANK!), Gregory Kirchhoff (OSTFRIESISCH FÜR ANFÄNGER), sowie Lars Eidinger und Olivier Assayas zu PERSONAL SHOPER. Bis dahin freue ich mich ungemein auf das kommende Jahr.

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