Filmfest Hamburg 2016 – Teil 6

Katerina Klausdottir, Mathias Wagner gefällt dieser Artikel

Heute mit WEINER, AS YOU ARE und TWO LOVERS AND A BEAR. Wir nähern uns mit großen Schritten dem Ende des diesjährigen Festivals. Die wirklichen Highlights sind abgearbeitet, jetzt folgen noch die Filme, die „lediglich gut sind“. Oder zumindest versprechen, gut zu sein. 

weiner

Weiner

USA 2016 | 96 min | OF | Farbe

Regie: Josh Kriegman, Elyse Steinberg, Drehbuch: Josh Kriegman, Elyse Steinberg, Eli B. Despres, Darsteller: Anthony Weiner

Anthony Weiner legte einen der aufsehenerregendsten Karriere-Crashs in der US-Politikgeschichte hin. 2011 schickte der Politiker ein freizügiges Foto von sich nicht wie geplant an eine Online-Affäre, sondern an seine 56.000 Follower bei Twitter. Weiner war am Ende, selbst Barack Obama empfahl ihm den Rücktritt. Seine Frau Huma Abedin, bis heute eine enge Beraterin von Hillary Clinton, hielt damals zu ihrem Mann. Auch 2013 steht sie noch fest an Weiners Seite, als der einstige Hoffnungsträger der Demokraten einen spektakulären Comebackversuch startet und für das Amt des New Yorker Bürgermeisters kandidiert. Der Film begleitet das Paar bei der Wahlkampagne, die den scheinbar Geläuterten zurück in die Pole Position bringen soll. Doch dann tauchen neue Sexbilder auf.

Wir starten den siebten Tag gleich mit einem Highlight. WEINER wirft einen Blick auf den Fall und den Versuch des Wiederauferstehens des US-Politikers Anthony Weiner. Dabei wirkt diese Dokumentation fast wie eine Episode einer Mockumentary, mag man doch kaum glauben, wie sich Wiener hier präsentiert. Aber ist es tatsächlich Wiener, der hier die Fehler begangen hat? Oder ist es die Doppelmoral der Amerikaner, die hier vorgeführt wird? Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, interessant ist es aber allemal und mitunter sogar zum Fremdschämen. (3,0/5)

 

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As You Are

USA 2015 | 105 min | OF | Farbe

Regie: Miles Joris-Peyrafitte, Drehbuch: Miles Joris-Peyrafitte, Madison Harrison, Darsteller: Charlie Heaton, Owen Campbell, Amandla Stenberg, Mary Stuart Masterson, Scott Cohen, John Scurti

Anfang der 1990er Jahre in einer amerikanischen Vorstadt. Zwei Teenager und ihre Eltern werden von der Polizei verhört. Ihre Aussagen entfalten eine Serie von Erinnerungen – und die Umstände eines tragischen Verbrechens. Jack, einer der Befragten, lebte bei seiner alleinerziehenden Mutter und hatte Schwierigkeiten, Freunde zu finden. Das änderte sich, als sie mit einem neuen Mann zusammenkam und Jack dessen Sohn Mark kennenlernte. Jack und Mark waren wie Brüder. Zwei Außenseiter, die sich gefunden haben. Aus dem Duo wurde ein Trio, als ihre Klassenkameradin Sarah sich ihnen anschloss. Die drei schwänzten die Schule, kifften und tanzten um die Frage herum, ob zwischen ihnen mehr ist als Freundschaft.

Ich bin eigentlich ein großer Fan von Coming-of-Age-Filmen, schließlich bietet diese Zeitspanne im Leben eines Menschen oftmals die interessantesten Geschichten. So auch in diesem Fall. Zwei Jungen, zwischen denen offensichtlich mehr liegt, als nur eine Freundschaft und ein Mädchen zwischen den beiden. AS YOU ARE hat schöne Bilder und gute Darsteller zu bieten. Trotzdem wirkt das Drama hier und dort ein wenig holprig und unausgegoren. Und wenn in einer bestimmten Szene ein Lippenstift und ein Kleid eine Rolle spielen, dann hat der Regisseur Miles Joris-Peyrafitte doch ein wenig zu viel gewollt. (2,0/5)

 

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Two Lovers and a Bear

Kanada 2016 | 96 min | OF mit dt. UT | Farbe

Regie: Kim Nguyen, Drehbuch: Kim Nguyen, Darsteller: Dane Dehaan, Tatiana Maslany

Ein Dorf mit 200 Einwohnern, letzter Vorposten der Zivilisation im Norden Kanadas, wo die Straßen nirgendwohin führen außer in das endlose Weiß. In dieser eiskalten Mondlandschaft verlieben sich Lucy und Roman ineinander, die beide auf der Flucht vor ihrem früheren Leben sind. Doch die Gespenster der Vergangenheit verfolgen sie auch hier am Ende der Welt. Lucy sieht keine andere Wahl, als wieder wegzulaufen oder innerlich zu verbrennen. Gemeinsam beschließen die Liebenden, alles hinter sich zu lassen, und brechen auf in die Wildnis – in der Hoffnung, dass die Natur es besser mit ihnen meint, als die Zivilisation es getan hat.

Was für eine Besetzung, was für eine Landschaft! Tatiana Maslany, bekannt aus der Serie ORPHAN BLACK und Dane Dehaan (CHRONICLE, LIFE) in der kargen Schönheit des nördlichen Kanadas. Doch was hat sich Regisseur Kim Nguyen dabei gedacht? Irgendwie verbindet er in seinem Film Fragmente, die nicht so recht zusammen zu passen scheinen. Da gibt es den titelgebenden Bären und seine spezielle Verbindung, die Dämonen der Vergangenheit und diverse, merkwürdige Ereignisse. Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, als ob Nguyen nicht so recht wusste, wohin er mit seinem Film gehen möchte. So war das Seherlebnis eher durchwachsen. Trotz der schönen Bilder. Und der tollen Darsteller. (2,0/5)

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