EIFF 2016 – Tag 11

Katerina Klausdottir, Mathias Wagner gefällt dieser Artikel

Der drittletzte Tag des Festivals beginnt gleich mit zwei Enttäuschungen: THE CHILDHOOD OF A LEADER, von dem ich mir einiges erhofft hatte, enttäuscht und BRAKES ist sogar so schlecht, dass ich zum ersten Mal während des Festivals vorzeitig den Kinosaal verlasse. Nach einer Pause folgten am Abend dann noch JET TRASH und ITHACA, das Regiedebut von Meg Ryan. Zu guter Letzt reiche ich noch NEITHER WOLF NOR DOG nach, der hier heute seine Weltpremiere gefeiert hat.

 

The-Childhood-of-a-Leader

THE CHILDHOOD OF A LEADER

Großbritannien/Ungarn/Frankreich 2015, 116 Minuten
Regie: Brady Corbet
Besetzung: Berenice Bejo, Robert Pattinson, Stacy Martin, Liam Cunningham, Yolande Moreau, Tom Sweet

Während der Friedenskonferenz 1919 in Paris, die zum Versailler Vertrag führte, zeigt Regisseur Brad Corby den Aufstieg des Faschismus in Form eines scheinbar engelsgleichen Jungen, der mit seinen Wutanfällen und Machtspielen sowohl seine Eltern, als auch seine Erzieherinnen in Schach hält.

Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch angesetzt, aber irgendwie konnte mich dieser Film so überhaupt nicht erreichen. Die Idee und den Ansatz finde ich noch äußerst interessant, aber die Umsetzung hat mir den „Spaß“ daran verdorben. Zu sehr schleicht der Film dahin, ohne dass wirklich etwas passiert. Sicherlich sind die darstellerischen Leistungen aller Mitwirkenden beeindruckend und auch der Soundtrack ist mehr als außergewöhnlich. Aber letztendlich ist es dem Film nicht gelungen, mich abzuholen. (2.5/5)

 

Brakes

BRAKES

Großbritannien 2016, 84 Minuten
Regie: Mercedes Grower
Besetzung: Julian Barratt, Julia Davis, Noel Fielding, Kerry Fox, Paul McGann, Steve Oram, Roland Gift

Eigentlich sind dies zwei Filme in einem. Die Regisseurin Mercedes Brower zeigt uns die emotionalen Höhepunkte am Ende von Beziehungen (in der ersten Hälfte des Films) und zu Beginn von Beziehungen (in der zweiten Hälfte). Jede Hälfte folgt Momenten im Leben von neun Paaren in London zu unterschiedlichen Jahreszeiten.

Es gehört wirklich einiges dazu, dass ich einen Film vorab verlasse. Beim 29. Film war es jetzt dann doch soweit. Kein anderer Film des Festivals hat mich so verärgert, wie dieser hier. Die wackeligen Bilder sind von einer solch schlechten Qualität, als wenn sie mit einem 10 Jahre alten Handy aufgenommen worden wären. Zudem stimmt in diversen Szenen das Seitenverhältnis überhaupt nicht und alles wirkt gestaucht oder verzerrt. Wenn das ein stilistisches Mittel sein soll, dann wäre mir der Grund nicht bekannt. Aber auch die einzelnen Momente wirken von der Story her so dermaßen uninteressant, dass man sich fragt, was solch ein Film auf einem Festival zu suchen hat. (0.5/5)

 

Jet-Trash

JET TRASH

Großbritannien/Indien 2015, 86 Minuten
Regie: Charles Henri Belleville
Besetzung: Robert Sheehan, Osy Ikhile, Sofia Boutella, Jasper Pääkkönen, Craig Parkinson, Raj Zutshi, Adelayo Adedayo, Mansoor Ahmed Khan, Sanjay Vichare, Angel Mani

Eine Gruppe von feierverrückten Briten genießt ihren lockeres Leben, bestehend aus Sonne, Sand, Meer und Sex auf der Partyinsel Goa. Ihr ruhiges Leben gerät jedoch in Gefahr, als ein alter Feind aus ihrer zwielichtigen Vergangenheit in London auftaucht.

Der Film von Charles Henri Belleville basiert auf dem Kultroman GO von Simon Lewis und zeigt in stylischen Bildern das Leben auf Goa. Die Kamera fängt die Stimmung er Insel exzellent ein, allerdings ist die Story ein wenig dünn. Aber dank Robert Sheehans darstellerischer Leistung ist er dann doch sehenswert, allerdings mit Abzügen. (3.0/5)

 

Ithaca

ITHACA

USA 2015, 88 Minuten
Regie: Meg Ryan
Besetzung: Alex Neustaedter, Hamish Linklater, Sam Shepard, Jack Quaid, Meg Ryan, Tom Hanks

Der Film folgt dem 14-jährigen Homer, der zu Beginn der 1940er Jahre damit beginnt, Telegramme auszutragen. Sein forsch-fröhliches Leben ändert sich jedoch, als er auch schlechte Nachrichten überbringen muss.

Mit ITHACA legt Meg Ryan ihr Regiedebut vor. Dazu hat sie sich den Roman „The Human Comedy“ von William Saroyans ausgesucht und daraus ein typisches Hollywoodwerk gemacht. Pathetische Szeneneinstellungen, bedeutungsschwangere Monologe und hochglanzpolierte Bilder. Das ist stellenweise durchaus schön anzusehen, führt aber zu einer gewissen Distanz zu den Figuren. Meg Ryan verlässt sich hier viel zu sehr auf bewährte Standards, anstatt einem Film ihren eigenen Stil aufzudrücken. Das ist verdammt schade. (2.5/5)

 

Neither-Wolf-Nor-Dog

NEITHER WOLF NOR DOG

Großbritannien/USA 2016, 110 Minuten
Regie: Steven Lewis Simpson
Besetzung: Chief Dave Bald Eagle, ChristopherSsweeney, Richard Ray Whitman, Roseanne Supernault, Tatanka Means, Zahn McClarnon, Harlen Standing Bear Jr.

Dan, ein Ältester der Lakota, einem Ureinwohner Nordamerikas, lockt gemeinsam mit seinem besten Freund den Bestseller-Autoren Kent Nerburm auf einen Roadtrip, um ihm die heutige Lebensweise der Ureinwohner deutlich zu machen.

Mit NEITHER WOLF NOR DOG verfilmt Regisseur Steven Lewis Simpson den Bestsellerroman von Kent Nerburm. Highlight des Filmes ist aber die wunderbar nuancierte Darstellung des 97-jährigen Chief Dave Bald Eagle, der im Film die Figur des Dan spielt. Seine Monologe geben dem Film eine unfassbar tiefe Bedeutung. Man könnte dem Film vorwerfen, dass er die Geschichte ein wenig hätte straffen können, aber letztendlich ist es die Aussage, die zählt. Und die ist wird hier mehr als deutlich, wenn der Film am Wounded Knee sein Finale findet. (3.5/5)

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