Edinburgh International Film Festvial 2017 – Teil 1

Mathias Wagner gefällt dieser Artikel

Das Edinburgh International Film Festival mit den Filmen MODERN LIFE IS RUBBISH, THAT GOOD NIGHT und THE PUGILIST. 

Edinburgh – Kaum eine Stadt hat mich in den letzten Jahren mehr fasziniert, als die schottische Metropole. Wunderschöne Architektur, liebenswerte Menschen und natürlich das am längsten durchgängig laufende Filmfestival der Welt. Bereits die 71. Ausgabe feiert das Edinburgh International Film Festival in diesem Jahr. Dass ich bereits das dritte Jahr in Folge daran teilnehmen darf, ist Ehre und Privileg zugleich, schließlich tragen die Macher hier Jahr für Jahr eine unfassbare Menge an qualitativ hochwertigen Filmen zusammen, von denen ein Großteil unabhängig produziert wurde. Keine großen Studioproduktionen, wie in Cannes oder Berlin, sondern kleine, feine filmische Perlen. 

In diesem Jahr beginnt das Festival für mich extrem hektisch. Nachdem ich die Stadt bereits mit einem Schlafdefizit erreicht habe, ist an Entspannung natürlich kaum zu denken. Schließlich stehen jede Menge Filme auf dem Programm. Und gleich der erste könnte das Festival nicht besser einläuten…

MODERN LIFE IS RUBBISH

 

Großbritannien 2017 | 105 Minuten

Regie: Daniel Jerome Gill
Darsteller: Josh Whitehouse, Freya Mavor, Ian Hart, Tom Riley, Jessie Cave, Will Merrick

Vor zehn Jahren haben sich Liam (Josh Whitehouse) und Natalie (Freya Mavor) über ihre gemeinsame Liebe zur Musik gefunden. Jetzt stehen sie vor den Scherben ihrer Beziehung und beginnen, ihre gemeinsame Plattensammlung aufzulösen. Während sie sich fragen, was sie einst in ihrem Partner sahen, führt sie der Soundtrack ihrer Beziehung langsam wieder ein wenig aufeinander zu.

Die Idee, auf eine Beziehung anhand von Songs zurückzublicken, ist schon mal eine sehr gute Idee. Wenn man das dann aber auch noch so unfassbar charmant umsetzt, wie Regisseur Daniel Jerome Gill es in seinem Film macht, dann kann der Film nur gewinnen. MODERN LIFE IS RUBBISH ist eine wunderbare Liebesgeschichte der anderen Art, die uns daran erinnert, dass es manchmal durchaus wichtiger ist, Empathie für anderen Menschen aufzubringen, anstatt immer nur seine eigenen Ansichten durchzusetzen. Und da in diesem wunderbaren Film noch so viel mehr steckt, wird es nach dem Festival noch eine ausführliche Kritik geben. Eines steht aber in jedem Fall schon mal fest: Dieser Film gehört in die deutschen Kinos. Unbedingt!

 

THAT GOOD NIGHT

 

Großbritannien / Portugal 2017 | 92 Minuten

Regie: Eric Styles
Darsteller: Sir John Hurt, Charles Dance, Sofia Helin, Max Brown, Erin Richards

Ralph (John Hurt), einst ein gefeierter Schriftsteller, ist todkrank und wünscht sich nichts sehnlicher, als sich mit seinem Sohn Michael zu versöhnen. Als dieser ihn in seine Villa in Portugal besucht, versucht seine Frau die perfekte Umgebung zu erschaffen, doch Ralph gelingt es, alles zu ruinieren, indem er einen Streit mit der Freundin seine Sohnes herbeiführt. Während die Zeit davon läuft, lädt Ralph einen mysteriösen Fremden zu sich ein, der seinem Leiden ein schmerzloses Ende bereiten soll.

Der im Januar dieses Jahres verstorbene John Hurt ist in THAT GOOD NIGHT in seiner letzten Hautrolle zu sehen. Allein zu wissen, dass er diesen Film gedreht hat, als er sich gerade von seinem Bauchspeicheldrüsenkrebs erholte, legt eine gewisse Schwere über diesen Film. Und John Hurt macht uns in jeder einzelnen Szene bewusst, wie sehr wir ihn in Zukunft noch vermissen werden. Das macht diesen wunderbaren Film so besonders. 

 

THE PUGILIST

 

Großbritannien 2016 | 90 Minuten

Regie: Glen Kirby
Darsteller: Matthew Jure, Ian Beattie, Thomas Beattie, Grace Calder

Nach dem Tod seiner Frau und der Entfremdung von seinen Söhnen kämpf sich William McCrae (Matthew Jure) mehr schlecht als recht durch seinen Job als Universitäts-Professor. Als ihn eine Familientragödie plötzlich mitten in ein gefährliches Netz von organisierter Kriminalität zieht, muss er sich auf seine Vergangenheit als Preisboxer besinnen, um seine Familie zu retten. 

Einen klassischen Thiller legt Regisseur Glen Kirby hier vor, der dem Genre allerdings nichts Neues zu bieten hat. Doch die Darbietungen der Darsteller sind durchaus solide und die rauhe Umsetzung passen zum Thema. Trotzdem will der Funke irgendwie nicht hundertprozentig überspringen. 

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