Edinburgh International Film Festival 2015 – Day 7

Karin Kroppen, Mathias Wagner gefällt dieser Artikel

Kaum zu glauben, dass die erste Woche des Edinburgh International Film Festivals bereits vorüber ist, doch zum Glück stehen noch weitere sechs Tage mit vielen vielversprechenden Filmen vor der Tür. Der heutige Tag endete mit der Entdeckung eines ganz wunderbaren Kinos. Das Dominion Theatre im Süden von Edinburgh wurde bereits in den 1930er Jahren erbaut und befindet sich seitdem im Familienbesitz. Das Dominion strahlt eine unglaubliche Eleganz aus und zählt zu den sogenannten Luxuskinos. Im Inneren der vier Säle befinden sich ausschließlich unfassbar bequeme Ledersessel, in denen man im wahrsten Sinne des Wortes versinkt. Dazu gibt es auf jedem Platz einen Lederhocker zum Entspannen der Beine. Der Reihenabstand ist so großzügig bemessen, dass man trotz ausgestreckter Beine der bereits sitzenden Gäste noch durch die Reihe gehen kann. Das ist ein wahres Kinoerlebnis!

Doch kommen wir kurz zu den heutigen Filmen:

Chicken

Chicken

Großbritannien 2014, 89 Minuten, Regie: Joe Stephenson, mit Scott Chambers, Morgan Watkins, Yasmin Paige

Der fünfzehnjährige Richard (Scott Chambers) ist ein optimistischer Junge, der allerdings ein wenig lernbehindert ist. Zusammen mit seinem ruhelosen und aggressiven Bruder (Morgan Watkins) lebt er in einem heruntergekommenen Wohnwagen auf dem Land eines alten Hofes. Als sich Richard in die siebzehnjährige Annabel (Yasmin Paige) verliebt, stellt das die Beziehung der beiden Brüder auf die Probe. Letztendlich kommen Familiengeheimnisse ans Licht und das Leben schlägt für Richard einen neuen Weg ein.

Selten hatte ich bereits in den ersten Minuten eines Filmes das Gefühl, dass hier ein guter Film vor mir liegt. Aber eigentlich hat sich dieses Gefühl nie bis zum Abspann gehalten. Anders bei CHICKEN: Von der ersten bis zu letzten Minute ist dieser Film eine wahre Offenbarung in vielerlei Hinsicht. Die Darsteller sind schlichtweg umwerfend, die Kameraführung wundervoll und die Geschichte authentisch und zu Herzen gehend. Genau so sieht kleines großes Kino aus. Ich hoffe inständig, dass diese Perle einen Weg in die deutschen Kinos finden wird. (4,5/5)

 

The-Incident

The Incident

Großbritannien 2015, 94 Minuten, Regie: Jane Linfoot, mit Ruta Gedmintas, Tom Hughes, Tasha Connor

Das komfortable Leben eines gut situierten Paares (Ruta Gedmintas und Tom Hughes) gerät aus den Fugen, als plötzlich ein verhaltensauffälliges, junges Mädchen (Tasha Connor) in ihr geordnetes Leben tritt.

Aufgrund eines Embargos darf die Kritik zum Film erst nach der Weltpremiere am 24. Juni erfolgen.

The Sisterhood of Night

USA 2014, 104 Minuten, Regie: Caryn Waechter, mit Georgie Henley, Kara Hayward, Willa Cuthrell, Olivia DeJonge

Als die Lüge eine einzelnen Mädchens dazu führt, dass in einer amerikanischen Kleinstadt plötzlich eine Art Hexenverbrennung stattfindet, erhöht sich der Druck auf die mysteriöse Schwesternschaft, ihre Geheimnisse und Schwüre zu bewahren. Doch was hat es mit dieser Schwesternschaft auf sich und warum treffen sie sich immer des Nächtens im Wald?

Ein weitere Vertreter aus dem Teen-Fantasy-Genre schickt sich an, die Kinos zu erobern. Doch im Gegensatz zum schwedischen THE CIRCLE (siehe Day 3) wirkt dieser Film ein wenig banal. Gerade als es zum Ende hin an die Auflösung geht – die sich zudem noch eine gefühlte Ewigkeit hinzieht – merkt man dem Film leider seine Einfachheit an. Nichtsdestotrotz sind die Darstellerinnen durchaus überzeugend, wenn auch sie aus dem mauen Script nicht mehr allzu viel herauskitzeln können. (2,5/5)

Scottish-Mussel

Scottish Mussel

Großbritannien 2015, 93 Minuten, Regie: Talulah Riley, mit Talulah Riley, Joe Thomas, Paul Branningan, Morgan Watkins, Emun Elliot, Harry Enfield, Rufus Hound, Russell Kane

Im Regiedebut der Schauspielerin Talulah Riley spielt Martin Compston einen jungen, glücklosen Mann aus Glasgow, der sich nebenbei als illegaler Perlenfischer in den Flüssen der Highlands verdingt. Als er sich – um an Insiderinformationen zu gelangen – bei einer Naturschutzorganisation einschleust, verliebt er sich in dessen Chefin (Talulah Riley), die mit vollem Einsatz für die vom Aussterben bedrohten Muscheln kämpft.

Aufgrund eines Embargos darf die Kritik zum Film erst nach der Weltpremiere am 26. Juni erfolgen.

Learning-to-Drive

Learning to Drive

USA 2014, 90 Minuten, Regie: Isabel Coixet, mit Ben Kingsley, Patricia Clarkson, Grace Gummer, Jake Weber, Sarita Choundhury

Als sie nach 21 Ehejahren von ihrem Mann verlassen wird, beschließt die Literaturkritikerin Wendy (Patricia Clarkson), dass es an der Zeit ist, den Führerschein zu machen. Nach kurzer Zeit verbindet sie mit ihrem Fahrlehrer (Ben Kingsley) eine echte Freundschaft, die die kulturellen Unterschiede überwinden.

Die Regisseurin Isabel Coixet bringt mit LEARNING TO DRIVE eine wunderbare Culture-Clash-Komödie auf die Kinoleinwände. Geschickt spielt sie mit Vorurteilen und Klischees, nur um sie kurz darauf mit trockenem Humor als irrelevant oder inkorrekt zu entlarven. Ben Kingsley trägt als Fahrleher am Meisten zum Humor bei und am Ende haben beide etwas dazugelernt. Ein kurzweiliger, aber durchaus wunderbarer Film. (3,5/5)

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