Edinburgh International Film Festival 2015 – Day 10

Siegfried Bendix, Mathias Wagner gefällt dieser Artikel

Eigentlich stand dieser 10. Tag des Edinburgh International Film Festival unter einem ziemlich guten Stern. Mit YOU’RE UGLY TOO gab es den vielleicht besten Film des Festivals zu sehen und mit dem kurzfristig in mein persönliches Programm aufgenommenen Film THE PYRAMID TEXTS eine wahrliche Überraschung. Kurz vor dem letzten Film des Tages erreichte mich dann aber die Meldung, dass der von mir sehr geschätzte Kollege Peter Strehmel von der Segeberger Zeitung überraschend mit gerade einmal 53 Jahren verstorben ist. Noch erschreckender als sein viel zu früher Tod ist aber die Tatsache, dass die Nachricht erst einen ganzen Monat nach seinem Tod zu den Hamburger Filmkritikern durchgedrungen ist. Man sieht sich mehrfach in der Woche, aber weiß doch viel zu wenig voneinander. Das ist irgendwie doch ziemlich traurig. Peter war immer ein gern gesehener Gast in den Pressevorführungen und immer für ein fachliches Gespräch nach einem Film zu haben. Ich werde ihn schmerzlich vermissen.

Auch wenn es mir jetzt nicht leicht fällt, möchte ich kurz auf die heutigen Filme eingehen.

Youre-Ugly-Too

You’re Ugly Too

Irland 2015, 81 Minuten, Regie Mark Noonan, mit Aiden Gillen, Lauren Kinsella, George Pistereanu, Erika Sainte

Nach dem Tod ihrer Mutter kommt die elfjährige Stacey (Lauren Kinsella) zu ihrem Onkel Will (Aiden Gillen), der gerade aus dem Gefängnis kommt. Um mit der gemeinsamen Tragödie klar zu kommen, fährt Will mit Stacey in einen alten Trailerpark, in dem er als Kind die Urlaube verbracht hat. Doch ihre Chancen, dort häuslich zu werden, stehen unter keinem guten Stern, als langsam der Grund für Wills Verurteilung ans Licht kommt.

Die besten Filme begegnen einem immer, wenn man gar nicht damit rechnet. Die Erwartungen an YOU’RE UGLY TOO waren zwar bereits hoch, aber dass sich daraus dann eine solche filmische Perle entwickelt, damit war nicht zu rechnen. Regisseur Mark Noonan baut hier vollends auf seine beiden Hauptcharaktere und kann sich hundertprozentig auf dessen Strahlkraft verlassen. Gerade die junge Lauren Kinsella ist eine Offenbarung in ihrer Rolle als Stacey. Der Film zeigt weniger, was Menschen tun, sondern vielmehr, was sie nicht tun und wie man sich einander annähern kann, wenn man nicht in der Lage ist, seine Gefühle auszudrücken. Noonan legt eine fantastische Beobachtungsgabe an den Tag und liefert uns ein Porträt einer Familie, die erst noch sehr viel lernen muss. Ein wahres Meisterwerk. (5/5)

The-Pyramid-Texts

The Pyramid Texts

Großbritannien 2015, Regie: Ludwig Shammasian und Paul Shammasian, mit James Cosmo, Ethan Cosmo, Andreas Evangelou, Sam Brown

James Cosmo legt in diesem Film eine wahre Tour de Force Performance als alternder Boxer, der über sein Leben und seine Karriere im Ring spricht. Er offenbart seine physischen, aber auch seine emotionalen Narben und erzählt davon, wie er versucht, sich mit seinem entfremdeten Sohn zu versöhnen.

Vollkommen in Schwarz-Weiss entfaltet THE PYRAMID TEXTS einen unfassbaren Sog, dem man sich als Zuschauer nur schwer entziehen kann. Ein einziger Schauplatz und ein eindrucksvoller Mime, mehr benötigt man nicht, um einen wunderbaren Film zu drehen. Das Script von Geoff Thompson – ursprünglich als Bühnenstück geschrieben – erfährt durch die Regisseur Ludwig und Paul Shammasian eine mehr als sehenswerte Inszenierung. (4,5/5)

45-Years

45 Years

Großbritannien 2015, 93 Minuten, Regie: Andrew Haigh, mit Charlotte Rampling, Tom Courtenay, Geraldine James, Dolly Wells, David Sibley, Sam Alexander, Richard Cunningham

Der Film erzählt von einem Paar (Charlotte Rampling und Tom Courtenay), die sich auf den 45. Hochzeitstag zubewegen. Als plötzlich eine Nachricht in die Idylle der beiden hinein bricht, wird deutlich, wie schnell ein Echo aus der Vergangenheit dieser nach außen hin perfekten Beziehung durch Unsicherheiten und irrationaler Eifersucht Risse hinzufügt.

Ich muss zugeben, auf diesen Film habe ich mich ziemlich gefreut, schließlich waren die Stimmen von der Berlinale, bei der der Film erstmals gezeigt wurde, überwältigend. Ob es nun daran liegt, dass die beiden vorhergehenden Film so unglaublich stark waren oder die Erwartungshaltung gar zu hoch – ich weiss es nicht. In jedem Fall konnte 45 YEARS nicht mit den Vorgängern mithalten. Dabei ist es kein schlechter Film. Nein, im Gegenteil: Charlotte Rampling und Tom Courtenay spielen ganz wunderbar. Es fehlt aber eben dieses gewisse Etwas, obwohl das wirklich Jammern auf höchstem Niveau ist. (3,5/5)

Infini

Infini

Australien 2015, 110 Minuten, Regie: Shane Abbess, mit Daniel MacPherson, Grace Huang, Luke Hemsworth, Luke Ford, Bren Foster, Dwaine Stevenson

In der fernen Zukunft wird ein Elite Such- und Rettungstrupp zu einer Minenfabrik auf einem anderen Planeten geschickt. Dort sollen sie eine Katastrophe verhindern und den Soldaten Carmicheal (Daniel MacPherson) retten, den einzigen Überlebenden eines biologischen Unfalls. Doch das Team muss erfahren, dass hier nichts so ist, wie es scheint.

Irgendwie hatte ich bei diesem Film ein ungutes Gefühl und war kurz davor, ihn ausfallen zu lassen. Das hätte ich auch besser getan, denn INFINI war leider ein ziemlicher Murks. Elendig in die Länge gezogene Kampfszenen, in denen die Mitglieder des Teams nacheinander verrückt spielen gehen erst recht auf die Nerven, wenn sich das Ganze immer und immer wiederholt. Das steigert sich am Ende noch, als ein Teammitglied über Lautpsrecher eine kleine Rede von sich gibt, die nur wenige Sekunden später noch einmal in voller Länge aus dem Off wiederholt wird. Kein Wunder, dass man 110 Minuten benötigt, um diese simple Geschichte zu erzählen. Und wie sagte ein Zuschauer direkt nach dem Film „I’m done with Sci-Fi at the EIFF“. (1/5)

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