Coco – Lebendiger als das Leben

Kinostart: 30.11.2017

OT: Coco (USA 2017)
Länge: 105 Minuten
Genre: Animation
Regie: Lee Unkrich, Adrian Molina
Drehbuch: Matthew Aldrich, Adrian Molina
Darsteller: Originalstimmen: Anthony Gonzalez, Ana Ofelia Murguía, Renée Victor, Jaime Damil, Sofía Espinosa, Luis Valdez, Lombardo Boyar, Gael García Bernal, Benjamin Bratt, Edward James Olmos, Alanna Ubach, Selene Luna, Alfonso Arau, Herbert Siguenza, Octavio Solis, Gabriel Iglesias, Cheech Marin, Blanca Araceli Deutsche Stimmen: u.a. Heino Ferch
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH
Mathias Wagner gefällt dieser Artikel

Der Teenager Miguel Rivera hat sich selbst das Gitarre spielen beigebracht und eifert als Sänger seinem Idol Ernesto de la Cruz – dem größten Star, den Mexiko je hervorgebracht hat. Doch bei Miguel zu Hause ist Musik strengstens verboten, und das schon seit Generationen. Vor vielen Jahren steckten seine Ururgroßmutter und sein Ururgroßvater in einer ausweglosen Situation: Sie wollte die Familie gemeinsam in Santa Cecilia großziehen, er konnte allerdings seinen Traum ein Musiker zu sein nicht aufgeben und verließ seine Familie. Die konsequente Verbannung der Musik wurde zum Leidwesen Miguels, von Ururgroßmutter Imelda über Generation weitergetragen und strikt eingehalten. So ist Miguel gezwungen, sich zwischen seiner Passion und der Liebe zu seiner Familie zu entscheiden. 

Und dann geschieht etwas Magisches: Mexiko feiert den traditionellen „Día de los Muertos“, den Tag der Toten. Plötzlich steht der impulsive Teenager den Geistern der Verblichenen gegenüber, die aus dem Land der Toten zu Besuch gekommen sind. Und sie können Miguel auch sehen! Diese äußerst lebhafte, farbenfrohe Parallelwelt wird von Generationen über Generationen von Menschen bevölkert, die das Land der Lebenden schon vor langer Zeit verlassen haben. Dazu gehören auch Miguels Vorfahren, die ihn sofort erkennen und ihm helfen wollen. Allerdings nur unter der Bedingung, dass er die Musik endgültig aufgibt. Das kommt für Miguel jedoch auf keinen Fall in Frage und so tut er sich mit einem quirligen, gewitzten Skelett namens Hector zusammen. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem legendären Ernesto de la Cruz. Denn er könnte der Schlüssel zu dem Geheimnis sein, das die entschieden unmusikalische Familie Rivera hütet… 

Kritik

Wieder einmal ist es Pixar gelungen, einen Animationsfilm vorzulegen, der alle anderen Vertreter des Genres blass aussehen lässt. Zudem ist COCO bereits jetzt der erfolgreichste Film aller Zeiten in Mexiko. Zu Recht!

Pixar-Filmen liegt immer ein gewisser Zauber inne – das hat sich auch mit COCO nicht geändert. Mit viel Liebe zum Detail und großem Respekt vor einer fremden Kultur wagen sich Regisseur Lee Unkrich und sein Team an eine der vermutlich größten Traditionen Mexikos – dem  „Día de los Muertos“, Tag der Toten. 

Als er seine Idee für COCO vor sechs Jahren vorstellte, hatte Unkrich eigentlich eine völlig andere Geschichte geplant, wie er uns im Interview verraten hat. Doch die Geschichte eines amerikanischen Jungen, der in der Heimat seiner Vorfahren die Bedeutung dieser Tradition erforscht, schien dem Team zu unethisch. Also verlagerte man die Geschichte kurzerhand komplett nach Mexiko und begann von vorne. Wie sehr sich diese Entscheidung gelohnt hat, können wir jetzt alle im Kino bewundern. 

Wer die Arbeitsweise von Pixar kennt, der weiß, dass man dort großen Wert auf umfangreiche Nachforschungen legt. Das schließt natürlich auch COCO nicht aus und so haben sich Lee Unkrich und seit Team etliche Male nach Mexiko begeben, um für ihren Film zu recherchieren. Vielleicht ist es genau das, was die Pixar-Filme so außergewöhnlich macht, denn man merkt hier einfach in jeder einzelnen Szene und in jeder einzelnen Figur, wie wichtig es dem Team war, eine größtmögliche Authentizität an den Tag zu legen. 

2014 (bei uns in Deutschland 2015), drei Jahre nachdem Unkrich seine Idee bei Pixar gepitcht hatte, erschien plötzlich ein auf den ersten Blick recht ähnlicher Film: MANOLO UND DAS BUCH DES LEBENS (The Book of Life). Auch darin geht es um den Tag der Toten in Mexiko. Ich musste auch sofort an diesen Film denken, als ich das erste Mal von COCO gehört habe. Lange Zeit dachte ich, dass es jetzt womöglich mit der Originalität von Pixar vorbei sei und so war meine Vorfreude auf COCO wesentlich geringer, als auf alle bisherigen Filme von Pixar. Doch diese Befürchtung hat sich zum Glück nicht bewahrheitet, denn obwohl beide Filme das Grundthema gemein haben, handelt es sich doch um zwei grundverschiedene Filme. So waren auch Unkrich und sein Team sehr erleichtert, als sie den „anderen“ Film endlich sehen konnten. 

Und selbst wenn sie ähnlich gewesen wären, niemand sagt schließlich bei einem Weihnachtsfilm die Worte „Was? Aber es gibt doch bereits einen Weihnachtsfilm“. 

Aber COCO ist so viel mehr, als „nur“ ein weiterer Pixar-Film. Es ist der erste – man möge mich korrigieren, wenn ich falsch liegen sollte – der sich mit dem Thema Tod in kindgerechter Weise auseinandersetzt und unseren Kleinen zeigt, dass der Tod zum Leben gehört und nicht zwingend das Ende ist. Zumindest solange man sich an die von uns Gegangenen erinnert. Und wer weiß wie viele Menschen nach dem Film nach Hause gehen, um ihre Liebsten in den Arm zu nehmen und sich gemeinsam an bereits verstorbene Familienmitglieder zu erinnern. Wenn ein Film eine solche Kraft hat, dann muss es schon ein ganz besonderes Werk sein. So wie COCO. 

Interview

Am 8. Dezember haben die Produzentin Darla K. Anderson und der Regisseur Lee Unkrich ihren neuen Animationsfilm COCO in Berlin vorgestellt. Wir haben die Gelegenheit genutzt und uns mit den beiden über die Entstehung des Film, die farbenfrohe Gestaltung des Totenreichs und vieles mehr gesprochen.

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Filmplakat

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