BFI London Film Festival 2015 – Nachlese

 

Da das BFI London Film Festival seinen akkreditierten Pressevertretern viele Filme auch online zugänglich gemacht hat, konnte ich nach meiner Abreise noch drei Filme nachholen: FLOCKEN, DER NACHTMAHR und KING JACK.

 

Flocken

FLOCKEN

Schweden 2015 | 110 min | Farbe | Sektion: Dare

Regie: Beata Gårdeler
Drehbuch: Emma Broström
Darsteller: Fatime Azemi, John Risto, Eva Melander

Die 14-jährige Jennifer beschuldigt einen Klassenkameraden, sie vergewaltigt zu haben. Ihre harte Schale und das Fehlen von Verlegenheit lassen sie aus Sicht der anderen jedoch wenig glaubwürdig erscheinen und so steht sie unter verstärkter Beobachtung. Die Mutter des Täters nutzt ihren sozialen Status aus, um eine bösartige Online Kampagne gegen Jennifer und ihre Familie in Gang zu setzen.

In der heutigen Zeit werden Menschen besonders schnell an den Online-Pranger gestellt. Opfer werden zu Tätern erklärt, ohne dass wirkliche Beweise dafür vorliegen. Die Regisseurin Beata Gårdeler erforscht diese Themen mit einem starken visuellen Stil und einer eindrucksvollen Hauptdarstellerin. Sie entscheidet sich bewusst, die Wahrheit erst im letzten Moment zu offenbaren und spielt so mit dem Zuschauer. Ist sie Opfer? Ist sie Täterin? Vielleicht ertappt sich bei diesem Film auch der eine oder andere Zuschauer dabei, zu schnelle Schlüsse zu ziehen, ohne die Wahrheit zu kennen. FLOCKEN ist ein starkes Stück Film aus Schweden, der hoffentlich irgendwie den Weg in unsere Kinos finden wird. (4/5)

 

Der-Nachtmahr

DER NACHTMAHR

Deutschland 2015 | 88 Minuten | Farbe | Sektion: Dare

Regie: AKIZ
Drehbuch: AKIZ
Darsteller: Carolyn Genzkow, Kim Gordon, Wilson Gonzalez Ochsenknecht

Tina ist 16 Jahre alt und hat scheinbar alles, was sich ein Mädchen in ihrem Alter wünscht, doch nach einer Party erlebt sie massive Albträume in denen sie Nacht für Nacht von einem abgrundtief hässlichen Wesen heimgesucht wird. Ihre Eltern glauben ihr nicht. Der Einzige, mit dem sie über ihre Ängste spricht, ist ihr Psychiater. Er rät ihr Kontakt mit diesem Wesen aufzunehmen. Zunächst weigert sich Tina, doch als sie mitkriegt, dass sich ihre Eltern ernsthaft überlegen, sie in eine Klinik einzuweisen, überwindet sie ihre Angst und geht auf das Wesen zu.

Doch anders als erwartet, stellt Tina fest, dass dieses Wesen als Verkörperung ihrer Ängste real existiert und dass es die gleichen Gefühle und Empfindungen spürt wie sie selbst. Aus Angst vor ihren Freundinnen und Eltern als Freak zu gelten, versteckt sie das Wesen in ihrem Zimmer. Mit der Zeit verliert sie langsam den Ekel vor ihm. Es entsteht ein zutrauliches Verhältnis wie zu einem zugelaufenen, wilden Tier. Im Umgang mit ihm erkennt man Tinas Wahres Ich. Doch dann sehen ihre Eltern und schließlich auch ihre Freunde dieses Wesen mit eigenen Augen…

Aus deutschen Landen kommt dieser durchaus interessante Horror-Film. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich bei der Sichtung mit dem Film nicht wirklich klargekommen bin. Irgendwie fehlte mir der Zugang zum Thema und ich fühlte mich, als würde ich krampfhaft den Schlüssel zu einem verschlossenen Raum suchen. Im Nachhinein jedoch – besonders nach Diskussionen mit Kollegen, die den Film ebenfalls gesehen hatten – musste ich feststellen, dass hier wesentlich mehr dahinter steckt, als man anfangs vermuten würde. So wandelte sich meine Skepsis in stille Anerkennung. Ich halte den Film nach wie vor nicht für ein Meisterwerk, aber zumindest für eine äußerst interessante Produktion. (2,5/5)

 

King-Jack

King Jack

USA 2015 | 81 min | Farbe | Sektion: Journey

Regie: Felix Thompson
Drehbuch: Felix Thompson
Darsteller: Charlie Plummer, Cory Nichols, Danny Flaherty

Living in a small rural American town with his mostly absent single mum and his older brother, 15-year-old loner Jack is facing another hazy summer of boredom, petty crimes, and cat and mouse games with local bully, Shane, whom he enjoys taunting. When dumped with the responsibility of looking after his younger cousin for the weekend, the initially reluctant Jack starts enjoying the company of this unexpected visitor and discovers the pleasure of friendship. That is until the ominous arrival of Shane who has a score to settle. Drawing exceptional performances from his young cast, Felix Thompson impresses with his unflinching, assured direction and evocative sense of place. Juxtaposing lyrical cinematography with moments of great brutality, Thompson’s feature debut is a tough but tender coming of age story, exploring the pain of growing up and the fragility of young friendship.

Der 15-jährige Einzelgänger Jack lebt gemeinsam mit seiner zumeist abwesenden Mutter in einer ländlichen Stadt der USA. Wieder einmal steht ihm ein langweiliger Sommer voller belangloser Diebstähle, sowie ein Katz- und Maus-Spiel mit Shane bevor, dem örtlichen Tyrannen, der es liebt, Jack zu schikanieren. Als er dazu verdonnert wird, auf seinen jüngeren Cousin über das Wochenende aufzupassen, beginnt Jack die Gesellschaft seines unerwarteten Besuchers zu genießen und entdeckt die Vorzüge einer Freundschaft. Doch nur bis zum dem Zeitpunkt, an dem Shane beschließt, eine offene Rechnung zu begleichen.

Coming-of-Age-Storys sind eigentlich fast immer interessant, da gerade die Geschichte von jungen Heranwachsenden unglaublich viel Potential bietet. Schließlich geht es genau um die Zeit, die uns für den Rest des Lebens prägt und sehr stark dafür sorgt, zu welcher Person wir einmal werden. Der Regisseur Felix Thompson verschenkt hier jedoch allerhand Chancen, allein schon dadurch, dass er sich wenig Mühe gibt, dem Zuschauer seine Hauptfigur zugänglich zu machen. Das mag in der Art der angelegten Rolle liegen, sorgt aber im Endeffekt dafür, dass einem Jack relativ egal bleibt. Schade eigentlich. (2/5)

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