Anton Corbijn über LIFE, die Seele eines Fotos, Ohrläppchen und die Beziehung eines Fotografen zu seinem Subjekt

Katerina Klausdottir, Mathias Wagner gefällt dieser Artikel

Im Rahmen der Deutschland-Premiere seines vierten Films LIFE haben wir den Regisseur und Fotografen Anton Corbijn in Hamburg zum Interview getroffen und mit ihm über den Film und die Parallelen zu seiner eigenen Karriere als Fotograf gesprochen. 

Corbijn wurde am 20. Mai 1955 im holländischen Strijen als Anton Johannes Gerrit Corbijn van Willenswaard geboren. Neben seiner Arbeit als Fotograf ist er für seine bisherigen Filme bekannt: Control (2007), The American (2010) und A Most Wanted Man (2014).

Nach CONTROL, THE AMERICAN und A MOST WANTED MAN kommt jetzt mit LIFE bereits Ihr vierter Film in die Kinos. Es geht darin um die Entstehung des berühmten Fotos von James Dean auf dem Time Square geht und ich kann mir kaum vorstellen, dass das ein anderer Regisseur geschafft hätte. Benötigt man zwingend den Blick eines Fotografen, um aus einem einzigen Foto einen ganzen Film machen zu können?

Ich bin mir sicher, dass das auch andere Regisseure geschafft hätten, aber es hilft sicherlich, wenn man einen Film so macht wie ich. Ich entdecke darin auch ein paar Elemente aus meinem eigenen Leben, gerade wenn es um die Beziehung zwischen einem Fotografen und seinem Subjekt geht und wie ausbalanciert diese ist. Im Film glauben beide, dass sie selbst wichtig sind und so ähnlich ging es mir auch.

Im Film gibt es diese Szene, in der Dennis Rock James Dean anruft und Dean sehr ausweichend ist, wenn es darum geht, fotografiert zu werden. Stock versucht ihn dazu zu überreden, worauf Dean sagt, dass er ihm ja durchaus helfen wolle. Stock erwidert: „Nein, ich helfe Dir“, weil er sich selbst für wichtiger hält und glaubt, James Dean zum Durchbruch verhelfen zu können. Das ist ein interessanter Aspekt und weil ich selbst Fotograf bin, verstehe ich das natürlich.

Sie wurden 1955 geboren, in dem dieses Foto von James Dean entstanden ist. Was ist Ihr persönlicher Bezug dazu als Fotograf?

Als ich aufgewachsen bin, gab es bei uns nicht allzu viel an Popkultur. Es war eine kleine Insel und mein Vater war ein Pastor in einem kleinen Dorf. Der Fokus meiner Eltern lag nun mal nicht auf dieser Art von Kultur und es gab auch kein einziges Kino. Als Teenager habe ich dann irgendwann das Poster gesehen, während ich seine Filme erst sehr viel später entdeckt habe. Er spielte also keine wirklich große Rolle in meinem Leben.

Wie sind Sie auf das Skript aufmerksam geworden?

Der Produzent des Skripts war ausführender Produzent bei meinem ersten Film und dachte wohl, dass ein Fotograf dafür der richtige Regisseur sei.

Warum glauben Sie wurde dieses spezielle Foto zu solch einer Ikone?

Das ist eine gute Frage, denn auf den ersten Blick sieht es mehr wie ein Schnappschuss aus. Als James Dean starb, bekamen alle seine Bilder eine andere Bedeutung, einige davon natürlich mehr als andere. Dieses Foto scheint aber eine ganz besondere Bedeutung zu haben. Ich habe mir die Kontakabzüge angesehen und musste feststellen, dass es in der Serie nur fünf Bilder gibt. Es war also kein großes Shooting und zudem es hat geregnet. Dann sieht man diesen Typen im schwarzen Mantel mit einem coolen Blick und weiß, dass er ein Rebell ist. Auf dem Bürgersteig entdeckt man die dunklen Reflektionen und so sieht man im Prinzip einen einsamen Menschen in der weiten Welt, weil der Times Square quasi die ganze weite Welt symbolisiert. Das drückt irgendwie etwas Fremdartiges, etwas Düsteres aus.

Sie sagten gerade, dass es nur wenige Fotos in der Reihe gibt und auch das Foto erweckt den Eindruck, dass es eher beiläufig entstanden ist. Wollten Sie genau das zeigen und damit vielleicht sagen, dass große Momente oftmals nur durch Zufälle geschehen?

Die Produzenten waren diesbezüglich nicht meiner Meinung und wollten ursprünglich, dass dieser Moment im Film richtig groß wird. Aber als Fotograf wusste ich, dass man diese Momente gar nicht als so groß erlebt. Die Wirkung des Fotos entfaltete sich ja auch erst nach seinem Tod. Das kann der Fotograf zum Zeitpunkt der Aufnahme gar nicht gefühlt haben. Es regnet, er macht ein paar Fotos und hat sicherlich nicht dieses Gefühl wie „Wow! Jetzt habe ich es“! Daher habe ich diese Szene heruntergespielt, weil ich als Fotograf weiß, wie so etwas funktioniert.

Im Film bekommt Stock in einer Szene zu hören, dass seine bisherigen Fotos keine Seele haben. Haben Sie persönlich ein Geheimrezept, wie ein Bild eine Seele bekommt?

Nun, ich glaube schon, dass seine ersten Fotos eine Seele haben, aber das ist nur die Interpretation eines anderen. Ich glaube, wenn ein Foto einen menschlichen Bezug hat, dann hat das Bild auch eine Seele. Ich bevorzuge daher auch den analogen Ansatz bei der Fotografie, denn der ist wesentlich fehleranfälliger, und somit unvollkommener. Allein dadurch erhält man bereits eine menschliche Note.

Der Kommentar von John Morris im Film rührte eher daher, dass er die Person auf den Fotos nicht kannte. Daher kann er die Bilder nicht einordnen. Erst als James Deans berühmt wurde, wurde die Bilder persönlich und bekamen somit eine Seele.

In einer Szene des Filme macht Dennis Stock ein Foto von James Dean in einer intimen Situation, in der es vielleicht nicht angebracht gewesen wäre. Muss man als Fotograf vielleicht mitunter Grenzen überschreiten, um gute Fotos zu machen?

Ja, aber es liegt ganz klar an Dir, das auszubalancieren. Du riskierst vielleicht, das Vertrauen zu verlieren, daher ist so etwas durchaus heikel. Es gibt durchaus viele Fotografen, die sagen „Schieß bevor Du fragst“.

In seiner Darstellung des James Dean ist Dane DeHaan schlichtweg grandios. War er immer ihre erste Wahl?

Ja, das war er. Ich habe mir zwar auch andere angesehen und mich gefragt, was passiert, wenn Dane nicht dabei sein sollte, aber für mich war Dane der Schauspieler, der James Dean glaubwürdig auf die Leinwand bringen kann. Die physische Statur ist dabei gar nicht so wichtig, denn die Ähnlichkeit endet in irgendeinem Punkt – entweder hier oder dort. Hundertprozentig passt es nie, aber mit Dane waren wir dem schon ziemlich nah. Er hat aber auch viel mit sich machen lassen. So hat er beispielweise keine Ohrläppchen im Gegensatz zu James Dean. Also mussten wir ihm vor jedem Dreh erst einmal Ohrläppchen verpassen. Aber die Haare, die Bewegungen und die Stimme passten schon ziemlich gut. Aber letztlich ist es die Qualität des Schauspielers, die die Figur zum Leben erweckt. Das war mir bei Dane bereits vorab klar.

Man kann die Zerbrechlichkeit seiner Figur förmlich greifen, obwohl er viele seiner Gedanken gar nicht artikuliert. Haben Sie das zusammen mit Dane erarbeitet? Wie ging das vonstatten?

Dane bereitet sich enorm auf seine Rolle vor, bevor er ans Set kommt. Aber selbst in den Proben hat er bereits sehr viel von dem abgeliefert, was später im Film zu sehen ist. In den ersten Drehtagen haben wir erst ein wenig geschaut, was wie am besten funktioniert. Er wollte sich seine Darstellung auch partout nicht anschauen, weil er nicht sehen wollte, wie er spielt. Robert Pattinson verfolgt da einen ganz anderen Ansatz. Im Film sind beide Figuren sehr verschieden und so sind die beiden Darsteller und ihre Methoden auch im echten Leben. Aber sie leisten beide eine großartige Arbeit.

Ja, das stimmt. Selbst Robert Pattinson zeigt erneut, dass er seine darstellerischen Leistungen aus der Twilight-Saga weit hinter sich gelassen hat. War seine Besetzung eine bewusste Entscheidung?

Ja, aber natürlich half es auch, ihn an Bord zu haben, um die Finanzierung zu sichern. Mit Twilight hat er sicherlich sehr viel Geld verdient und wurde ziemlich bekannt. Ich glaube aber, dass er ein richtiger Schauspieler ist, der seine schauspielerischen Leistungen unter Beweis stellen möchte. Also sucht er sich all diese Rollen von David Cronenberg oder Werner Herzog aus und bewegt sich von der Mitte mehr zum Rand hin. Er achtet nicht so sehr auf die Bezahlung, sondern vielmehr darauf, was für ihn als Schauspieler gut ist. Das ist sehr mutig und hat mir an ihm gefallen. Er ist eben ein Schauspieler, der das der Welt beweisen möchte. Und nun spielt er einen Fotografen, der der Welt beweisen möchte, dass er ein guter Fotograf ist. Diese Charakteristik hat mir sehr gut gefallen.

Der Film ist sehr ausbalanciert zwischen den beiden Charakteren, War Ihnen trotzdem eine der Figuren wichtiger?

Aufgrund des Bekanntheitsgrades von James Dean mussten wir bei der Ausbalancierung der Figur sehr vorsichtig sein. Bei Dennis Stock hatten wir genügend Freiheit, denn es gibt keine öffentliche Wahrnehmung von ihm.

LIFE hat keine große Botschaft, es ist nur ein Film über zwei Menschen, die das Leben des jeweils anderen Menschen berühren und was sich daraus ergibt. Lediglich in Nuancen gibt es Botschaften zu finden und gerade das hat mich an dem Film gereizt. A MOST WANTED MAN hatte da eine wesentlich größere Botschaft. Dieser Film ist viel lieblicher und bodenständiger.

Haben Sie die Schlüsselszene tatsächlich auf dem Times Square gedreht?

Nein, aber ich freue mich, dass Sie das denken, denn das bedeutet, dass wir alles richtig gemacht haben. Wenn man sich den Times Square heute anschaut, sieht dort nichts so aus wie im Jahre 1955.

Wie haben Sie das Problem dann gelöst?

Es ist nahezu unmöglich so einen Drehort zu finden. Also mussten wir das Ganze im Studio nachbauen und durch CGI ergänzen. Ich wollte aber auch, dass es niemals genau so aussieht, wie auf dem Foto. Es ging mir mehr darum, die Situation um die Entstehung des Fotos glaubhaft einzufangen.

Was war die größte Herausforderung beim Dreh?

Ich glaube, das war die Darstellung von James Dean richtig hinzubekommen. Das war insoweit schwierig, als das seine öffentliche Wahrnehmung überwiegend auf seinen Darstellungen in Filmen basiert. Wir aber wollten ihn als Person zeigen. Das wird vielleicht einige Leute enttäuschen, weil ihre Erwartungshaltung eine andere ist.

An zweiter Stelle war dann natürlich die Balance zwischen den beiden Figuren schwierig, der Machtkampf und das Drama um die Figuren.

Wie lange haben die Dreharbeiten gedauert?

28 Tage und davon 26 Tage in der Kälte und zwei Tage in L.A. Alle waren ziemlich glücklich, als wir in L.A. angekommen sind.

Sind Sie bei den Vorbereitungen zum Film auf irgendetwas über James Dean gestoßen, das Ihnen zuvor nicht bekannt war?

Ja, vielleicht. Ich habe mir eine ganze Menge Archivmaterial angesehen und so hat er beispielweise gemeinsam mit Ronald Reagan in einer TV-Serie mitgespielt. Das war schon ziemlich interessant.

In einer Szene des Films stellt sich die Frage zwischen den beiden Figuren, wer eigentlich versucht, wen berühmt zu machen. Jeder denkt, dass er der jeweils wichtigere Faktor in diesem Prozess ist. Als Sie das erste Mal U2 fotografiert haben, waren sowohl Sie, als auch U2 noch relativ unbekannt. Stand dabei damals dieselbe Frage im Raum?

Nein, nicht wirklich, schließlich hatte ich überhaupt kein ausgeprägtes Ego. Ich will damit sagen, dass ich überhaupt kein Ego besitze, aber ich habe das niemals so nach außen getragen. U2 ging das ähnlich und das mochten wir so aneinander. Dabei war die Band gar nicht meine erste Wahl. Das Shooting sollte allerdings in New Orleans stattfinden und da ich dort noch nie gewesen bin, fand ich es interessant und habe zusagt. U2 war nicht der ausschlaggebende Grund, es war eher zufällig.

Ob Ian Curtis in CONTROL oder jetzt James Dean in LIFE – zwei Ihrer vier Filme handeln von Ikonen der Popkultur, die viel zu früh gestorben sind. Ist das ein Zufall oder haben Sie dafür ein Faible?

Nein, keinesfalls, denn ich sehe diese Filme als grundverschieden an. Zuerst einmal ist dieser Film hier keine Biographie, während das bei CONTROL der Fall war. Auch die Denkweise der zwei Figuren ist komplett unterschiedlich – die von Ian Curtis, der sich bewusst auf dem Weg in den Selbstmord und die von James Dean, der sich auf dem Weg nach oben befand und einen Autounfall hat. James Dean wollte ein Teil dieser Welt sein, während Ian Curtis sich mehr in seinen Kopf zurückziehen wollte.

Zu THE MOST WANTED MAN haben Sie ein wundervolles Buch („Looking at a Most Wanted Man“) herausgebracht mit Fotografien und persönlichen Anmerkungen zu den Dreharbeiten. Ist das ebenfalls für LIFE geplant?

Nein, ich habe mich dagegen entschieden. Eine Fotokamera am Set ist wie eine Art Störgeräusch im Kopf. Ich habe mich daher entschlossen, mich auf die Regie zu konzentrieren, eben weil wir nur sehr wenige Drehtage hatten und es zudem Winter war.

Was hätten Sie denn in das Buch gepackt, wenn Sie eines gemacht hätten?

Ich habe auf dem Set vier Fotos gemacht, mit denen ich sehr zufrieden bin. Einen Film zu drehen und ein Buch zu machen sind zwei so grundverschiedene Dinge, dass ich mich für eines davon entscheiden musste. Ich bin aber sehr froh, dass ich zwei Bücher machen konnte. Das sind schon wunderbare Erinnerungen, meine Erinnerungen und eben keine Filmszenen.

Wie sind Sie persönlich zur Fotografie gekommen? Gab es einen bestimmten Auslöser dafür?

Das ist eigentlich eine längere Geschichte, aber im Grunde ging es darum, dass mich die Welt der Musik fasziniert hat. Ich fand, dass die Musikindustrie ein viel interessanteres Leben versprach, als das meinige. Dann gab es ein Konzert in dem Ort, in den wir gerade gezogen sind. Da ich sehr schüchtern war, nahm ich mir die Kamera meines Vaters, denn das verschaffte mir eine Ausrede, mich umzusehen. Wenn Du schüchtern bist, glaubst Du dass alle anderen Menschen über Dich reden, Dich beobachten und sich fragen, warum man nun gerade hierhin oder dorthin geht. Aber mit einer Kamera hatte ich dazu einen Grund. Die Bilder, die ich an dem Abend gemacht habe, waren gut und so dachte ich, dass es das ist, was ich tun möchte. Musik hat mich also zur Kamera gebracht und daher sind Musiker für mich sehr natürliche Subjekte zum Fotografieren. In den Neunziger Jahren habe ich dann meinen Horizont erweitert und mich in anderen Disziplinen versucht: Schauspieler, Regisseure, Schriftsteller oder Models und ein paar Maler.

Hatten Sie während Ihrer Karriere auch manchmal dieselben Ängste wie Dennis Stock, dass etwas nicht so funktionieren könnte, wie Sie sich das ausgemalt hatten.

Oh ja, auf jeden Fall. Sie werden mich wahrscheinlich nicht im Film gesehen haben, da die Szene nur sehr kurz ist. Ich stehe direkt neben Dennis Stock am roten Teppich und mache Fotos und frage ihn „Was soll das hier?“, als James Dean mit ihm spricht. Das ist diese Eifersucht, die Fotografen in dieser Ellenbogen-Gesellschaft sehr oft haben. Ich hatte immer große Angst zu versagen, also habe ich auch immer sehr hart gearbeitet. Ich hatte ja nichts anderes in der Welt als meine Kamera. Ich habe eine Scheidung durchlebt und ich habe in besetzten Häusern gewohnt, aber ich habe immer an meine Kamera geglaubt. Ich habe immer geglaubt, dass wenn ich es mit der Kamera nicht schaffen würde, ich auch im Leben versagt hätte. Daher hatte ich auch immer ein Interesse daran, Menschen zu fotografieren, die etwas aus Leidenschaft betreiben, da ich dazu immer eine gewissen Verwandtschaft gespürt habe. Ich habe alles aufgegeben, um genau dieser Forograf zu werden. Und wenn Menschen alles für etwas aufgeben, dann gefällt mir das an ihnen.

Fällt es ihnen nach dem vierten Film leichter, sich selbst als Regisseur zu bezeichnen?

Nun, es hilft, dass ich mir einrede, die Fotografie für etwas Größeres aufgegeben zu haben. So bleibt vermutlich nichts anderes übrig, als Regie zu führen. Allerdings fühle ich mich inzwischen aber sicherlich auch wohler auf einem Filmset als noch vor fünf Jahren.

Gerade erst gestern habe ich Ridley Scott zum Interview über seinen neuen Film DER MARSIANER getroffen und er hat gesagt, dass er, um seine Vision in einen Film verwandeln zu können, alles selbst machen muss – vom Casting über die Locationsuche, die Regiearbeit bis hin zum Schnitt. Teilen Sie diese Ansicht?

Ja, da stimme ich ihm durchaus zu. Wenn man es kann, dann ist das der einzige Weg. Ich sehe manchmal wie ein Idiot aus, weil ich alles selber mache. In der Fotografie mache ich schließlich auch alles alleine und nur hin und wieder ist ein Assistent beteiligt. Ich bin ein sehr praktisch orientierter Mensch und wenn Du etwas jemandem erklärst anstatt es selbst zu machen, bekommst Du immer ein anderes Ergebnis. Beim Casting greife ich gerne auf professionelle Hilfe zurück, aber die letztendliche Entscheidung ist immer meine. In Bezug auf Locations muss man natürlich immer selbst dort sein, um die richtigen Orte zu finden. Beim Schnitt bin ich auf einen Cutter angewiesen, aber ich sitze immer hinter ihm und koordiniere das Ganze.

Sie pflegen eine langjährige Freundschaft mit Herbert Grönemeyer, der auch an ihren bisherigen Filmen mitgewirkt hat. In CONTROL und A MOST WANTED MAN hat er kleine Rollen übernommen und in THE AMERICAN hat er sich um den Soundtrack gekümmert. War er an LIFE auch irgendwie beteiligt?

Nein, leider nicht. Aber ihm gefällt dieser Film von allen am Besten. Er hatte keine Zeit und wir hatten nicht allzu viel Budget und außerdem musste es Musik aus den 50er Jahren sein. Außerdem haben wir in den USA gedreht.

Zur Deutschland-Premiere des Films kommen Sie wieder nach Hamburg zurück, wo Sie bereits A MOST WANTED MAN gedreht haben. Was verbindet Sie mit der Hansestadt?

Dieser Film hat im Gegensatz zu A MOST WANTED MAN keinerlei Verbindung zu Hamburg. Aber weil der Film in großen Teilen hier geschnitten wurde, findet die Premiere in Hamburg statt. Ich habe meine Zeit hier aber während der Dreharbeiten zu A MOST WANTED MAN sehr geliebt. Es wird zwar im Winter sehr feucht, aber der Bereich rund um die Alster ist wirklich wunderschön. Es ist mir nur ein wenig zu „reich“ hier. Ich mag mehr die Vielfältigkeit von Berlin. Allerdings liebe ich auch Hafenstädte, schließlich wurde ich in Rotterdam geboren. Die Stadt ist ja quasi ein Mitbewerber von Hamburg. Aber ich mag es hier sehr und kann hier auch durchaus eine längere Zeit verbringen.

Wie sieht Ihre Zukunft aus? Welche Projekte stehen als Nächstes an?

Als nächstes drehe ich eine Studio-Produktion in den USA, über die ich allerdings noch nicht mehr verraten kann. Alles, was ich sagen kann, ist, dass der Film für mich eine ähnliche Bedeutung hat, wie es bereits A MOST WANTED MAN hatte, weil er sich auf etwas in unser aller Leben bezieht.

Vielen Dank für dieses Gespräch und die Zeit, die Sie sich dafür genommen haben.

Ich danke Ihnen, dass Sie sich mit dem Film beschäftigt haben.

 

Das Interview haben wir am 22.09.2015 im East Hotel in Hamburg geführt. 

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