Amerikanisches Idyll

Kinostart: 17.11.2016

OT: American Pastoral (USA 2016)
Länge: 102 Minuten
Genre: Drama
Regie: Ewan McGregor
Drehbuch: John Romano, nach dem Roman von Philip Roth
Darsteller: Ewan McGregor, Jennifer Connelly, Dakota Fanning, Rupter Evans, Uzo Aduba, Valorie Curry, David Strathairn, Peter Riegert, Molly Parker
Mathias Wagner gefällt dieser Artikel

Amerika in den Sechzigern: Es könnte kaum besser laufen für Seymour Levov (Ewan McGregor), genannt „der Schwede“. Einst Sportlegende einer Highschool in Newark, ist der erfolgreiche Handschuhfabrikant inzwischen mit der Ex-Schönheitskönigin Dawn (Jennifer Connelly) verheiratet und hat eine bezaubernde Tochter. Das perfekte Idyll bekommt jedoch erste Kratzer, als Merry (Dakota Fanning) zum rebellischen Teenager heranreift und sich den Protesten gegen den Vietnamkrieg anschließt. Als in der Kleinstadt eine Bombe hochgeht, verschwindet sie spurlos. War Merry die Attentäterin? Für die Levovs beginnt eine Zeit der qualvollen Ungewissheit. Fest entschlossen die Unschuld seiner Tochter zu beweisen, macht sich Seymour auf die Suche nach ihr… 

Kritik

Mit AMERIKANISCHES IDYLL wagt nun auch der schottische Schauspieler Ewan McGregor den Schritt hinter die Kamera. Zusammen mit seinen Darstellern Jennifer Connelly und Dakota Fanning legt er dabei einen durchweg sehenswerten Film vor.

Das McGregor bei AMERIKANISCHES IDYLL die Regie übernimmt, war nicht von vorn herein klar. Ursprünglich hatte er lediglich für die Hauptrolle unterschrieben, aber als der vorgesehen Regisseur dann absprang und das Projekt zu scheitern drohte, bot man ihm die Regie an. Man kann also mit Sicherheit nicht behaupten, dass sich McGregor genau diesen Film lange vorher für sein Regiedebut ausgesucht hätte. Aber manchmal muss man vielleicht auch ins kalte Wasser gestoßen werden.

Für ein Erstlingswerk wirkt AMERIKANISCHES IDYLL ziemlich solide und erwirkt keinesfalls den Eindruck, als müsse sich hier ein Neuling erst einmal ausprobieren. Vielleicht liegt es daran, dass McGregor stets gut vorbereitet am Set erschien, wie uns Jennifer Connelly im Interview verraten hat. Vielleicht aber auch an seiner langjährigen Schauspielerfahrung und dem daraus resultierenden Wissen, wie man mit anderen Schauspielern umzugehen hat. Egal, denn das Ergebnis ist, wie bereits erwähnt, mehr als sehenswert.

McGregor gelingt hier das Portrait einer Familie, die wie das Spiegelbild einer ganzen Nation zur damaligen Zeit wirkt: Nach außen den guten Schein bewahren, während innerlich einiges im Argen liegt. Dieses allgemeine Gefühl eines ganzen Landes auf ein paar wenigen Menschen zu portieren, ist McGregor extrem gut gelungen. 

Auch die Figurenzeichnungen sind für einen solchen Film extrem vielschichtig. Jeder geht auf seine eigene Art und Weise mit dem Verschwinden der eigenen Tochter um. Während der eine versucht, sie zu verstehen und zu finden, blendet die andere deren Existenz vollkommen aus. Ob einer dieser Wege der richtige ist, sei einmal dahingestellt. Sicher ist jedoch, dass man für die Darstellung kaum bessere Schauspieler hätte finden können, als Jennifer Connelly und Ewan McGregor. 

So ist AMERIKANISCHES IDYLL – das in diesem Jahr das Filmfest Hamburg eröffnet hat – ein sehenswerter Film über eine fast schon vergessene Zeit. Bleibt zu hoffen, dass sich Ewan McGregor bald wieder hinter die Kamera begibt. Es wäre uns allen zu wünschen. 

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